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Honnef heute - Presse, Nachrichten, News > Alle Artikel > Siebengebirge > Königswinter > Jugendamt nimmt Kind in Obhut. Eltern sind ratlos
KönigswinterTitel

Jugendamt nimmt Kind in Obhut. Eltern sind ratlos

Letztes Update: 06.07.2022
Honnef heute
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6 Min Lesezeit
Manuela und Nils H. wollen Klarheit und ihr Kind zurück - Foto: Privat
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Königswinter – Nach einem Unfall wird den Eltern Manuela und Nils H. aus Königswinter ihre drei Monate alte Tochter Lina weggenommen – am 31. März 2022, noch im Krankenhaus. Im Reflex hatte zuvor der Vater nach eigener Aussage das Kind gesichert, als es drohte, auf den Boden zu fallen. Dabei brach sich das Kind den Arm. Im Krankenhaus wurden angeblich weitere, ältere Rippenbrüche festgestellt sowie kleine blaue Flecken am Bauch. Die blauen Flecken seien dem Kinderarzt bei der U4 gezeigt worden, die ein paar Tage vor dem Unfall stattfand, betonen die Eltern. –

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Das Jugendamt Königswinter brachte Lina in eine Bereitschaftspflegefamilie in Bergisch-Gladbach. Die Eltern beschwören, sie wissen nicht, woher die Rippenbrüche und blauen Flecken stammen. Es gibt Fragen.

Das Glück bei Manuela und Nils Heck vor fünf Jahren war groß. Sie hatten sich gefunden und geheiratet. Ein Jahr später wurde Tochter Lea-Sophie geboren. Die Welt für das junge Paar wurde immer perfekter. In den sozialen Medien teilt es seine Zufriedenheit mit Freunden. Fotos der Familie, auch mit den Großeltern, zeigen fröhliche Menschen.

Im Dezember 2021 die nächste frohe Botschaft: Tochter Lina kam auf die Welt. Kein Christkind; dafür hätte sie noch sieben Tage mit ihrer Neugierde auf das neue Leben warten müssen. „Lina ist ein Wunschkind“, sagen die Eltern. Es gab Komplikationen im Wochenbett, später folgten viele Besuche bei Ärzten und im Krankenhaus. „Erst im Februar waren die Probleme behoben“, so die Mutter.

Im März gab es einen Vorfall. Lina drohte, auf den Boden zu fallen. Reflexartig packte Vater Nils die Kleine, um den Sturz zu verhindern, was ihm gelang. Allerdings griff er, wie er vermutet, wohl so heftig zu, dass bei dem Kind ein Arm brach.

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„Wir sind in die Ambulanz gefahren. Dann begann für uns der reinste Albtraum“, berichten die Eltern. Die Ärzte hätten Tage nach der ersten Untersuchung des Bruchs weitere Untersuchungen durchgeführt, dabei ältere Rippenbrüche festgestellt. Eine Stunde später sei das Jugendamt im Krankenhaus gewesen und hätte die vier Monate alte Lina in Obhut genommen. Bis dahin hätte die Familie nie etwas mit dem Jugendamt zu tun gehabt.

Auf Veranlassung der Eltern wurde Lina am 24.5.2022 noch einmal geröntgt – in einer Praxis für Radiologie in Leverkusen. Im Gesundheitsbericht steht: „Unauffällige Abbildung der Rippen ohne Nachweis einer Fraktur.“ Das Ergebnis einer von den Eltern veranlassten Untersuchung auf Knochenkrankheiten in einer Kölner Klinik steht noch aus.

Manuela und Nils H., die plötzlich nicht mehr über ihr eigenes Kind bestimmen konnten, verstanden die Welt nicht mehr. Unabhängig von den für sie unerklärlichen Ursachen, die zur Einschaltung des Jugendamtes führten, ist es für sie unverständlich, warum es noch keine Überprüfung der häuslichen Situation durch das Amt gegeben hat. „Wir haben jede Kooperation angeboten, auch, weil wir die Gefahr des Sorgerechtsentzugs sehen“, sagen die Eltern. Ihre eigenen Eltern bzw. Schwiegereltern hätten sich angeboten, das Kind aufzunehmen. Das Jugendamt hätte sich darauf nicht eingelassen.

So lebt Lina seit April in einer Bereitschaftspflegefamilie in Bergisch Gladbach. Besuche sind dort laut Nils und Manuela H. nur an zwei Tagen in der Woche für jeweils maximal eine Stunde möglich. Die Schwester oder andere Familienangehörige dürften Lina nur einmal im Monat sehen.

Für Nils bedeutete das, dass er von seinem Arbeitgeber immer freigestellt werden musste. Zwei Monate Elternzeit hatte er bereits in Anspruch genommen. So kam es, wie von ihm befürchtet: Eines Tages habe ihm der Chef mitgeteilt, dass es so nicht ginge. Er brauche jede Arbeitskraft. Kündigung. – Nun stellte sich zu alledem noch eine existenzielle Notlage ein.

Wie geht es weiter?

Natürlich hat das Ehepaar H. einen Rechtsbeistand eingeschaltet. Der habe zunächst Widerspruch gegen die wenigen Besuchskontakte eingelegt und später in einem Gespräch mit dem Jugendamt darauf gedrängt, Lina wenigstens zu den Großeltern zu geben. Eine Entscheidung sei ihm bis zum 20. Mai 2022 zugesichert worden. „Das Jugendamt hat sich allerdings bis Mitte Juni Zeit gelassen“, erklären die Eltern.

Warum es überhaupt so lange dauert, zu klären, ob gegen das Kindeswohl verstoßen wurde oder nicht, ist für die jungen Eltern nicht nachvollziehbar. Und müsste bei dem Verdacht elterlicher Gewalt dann nicht auch das ältere Kind „geschützt“ werden?

Das Jugendamt Königswinter gibt auf Anfrage keine Erklärung zu dem Vorgang ab. Aus Rücksicht auf die betroffenen Kinder in Kinderschutzfällen erteile es generell keine Auskunft.

Vorerst letzte Hoffnung der Eltern dürfte das dritte Untersuchungsergebnis sein. Was, wenn auch hier keine Auffälligkeiten festgestellt werden? Werden die Eltern dann ihr Baby zurückbekommen?

Die Angelegenheit ist kompliziert: Liegt eine ungenaue Krankenhausdiagnose vor, ein Verfahrensfehler beim Jugendamt oder tatsächlich ein Verstoß gegen das Kindeswohl?
Sind die Fakten so, wie sie von Manuela und Nils H. dargestellt werden, dürfte zumindest sicher sein, dass die Kommunikation in diesem Fall nicht für das Kindeswohl spricht. Mittlerweile sind Lina und ihre Familie zwei Monate getrennt. Zeit, die zur Aufklärung der Sachlage reichen sollte.

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