Klimaschutz für Wohnungen im Rhein- Sieg-Kreis kostet 1,4 Mrd. Euro pro Jahr

Extra „Klima-Miete“ für die 125.200 Mieterhaushalte verhindern - Mieter nicht arm sanieren

0
wohnung haus
Quelle: Pixabay/image4you

Rhein-Sieg-Kreis – Mieter nicht „arm sanieren“: Rund 285.400 Wohnungen gibt es im Rhein-Sieg-Kreis – und auf die kommt eine gewaltige Sanierungswelle zu. Grund sind die Klimaschutz-Ziele der Bundesregierung – und die kosten Geld: Rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr werden Wohnungseigentümer im Rhein-Sieg-Kreis nach und nach in Sanierungen investieren müssen, um die Wohnungen auf einen hohen Energiespar-Standard zu bringen, der bis 2045 erforderlich ist. Das teilt der MEINFAIRMIETER Gütesiegel e. V. mit und bezieht sich dabei auf eine Analyse zum regionalen Wohnungsmarkt, die das Pestel-Institut (Hannover) gemacht hat. Allein 300 Millionen Euro jährlich sind demnach notwendig, um die 125.200 Mietwohnungen im Rhein-Sieg-Kreis energetisch zu sanieren.

Das Mieterschutz-Label warnt dabei vor einer „Klima-Miete“: „Die enormen Sanierungskosten dürfen nicht auf dem Rücken der Mieter abgeladen werden. Der Staat muss unbedingt verhindern, dass Mieter ‚arm saniert‘ werden. Wer eine Wohnung mietet, darf – wenn überhaupt – nur mit einem Bruchteil der Kosten belastet werden. Klimaschutzsanierungen sind Investitionen ins Haus. Sie erhöhen den Wert der Immobilie – bei Miethäusern genauso wie beim Einfamilienhaus. Nutznießer sind damit in erster Linie also die Hauseigentümer“, sagt Matthias Günther vom Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“.

Es sei daher die Aufgabe des Staates, Klimaschutz-Sanierungen bei Mietwohnungen „mit Augenmaß und effektiv zu fördern“. Gleichzeitig müsse es dabei eine klare Deckelung bei den Mieten geben, also keine Förderung ohne Gegenleistung der Eigentümer. Das Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“, das als Verbraucherschutz-Instrument bundesweit faire Vermieter auszeichnet, kündigte an, Mieterhöhungen im Zuge von Klimaschutz-Sanierungen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Bei der Vergabe des Mieter-Labels werde dies als ein Kriterium künftig verstärkt Berücksichtigung finden.

Die Experten von „Mein Fair-Mieter“ erwarten, dass die erforderliche Klimaschutz-Offensive auf dem heimischen Wohnungsmarkt bereits in diesem Jahr startet. „Die Ampel-Regierung in Berlin wird neben dem Neubau auch die energetische Gebäudesanierung jetzt zügig voranbringen. Deshalb ist es umso wichtiger, gleich Pflöcke gegen Mietentreiberei bei Sanierungen zu setzen“, so Matthias Günther. Er appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten der Koalitionsparteien von SPD, Grünen und FDP, bei allen Klimaschutz-Aktivitäten den „Mieten-Rechner“ mitlaufen zu lassen. „Mein Fair-Mieter“ kündigte an, sich in den nächsten Tagen auch direkt an die Bundestagsabgeordneten zu wenden, um ihnen Know-how zum Wohnungsmarkt bereitzustellen.

Immerhin gehe es um das angestrebte Ziel, bis 2045 auch beim Gebäudebestand im Rhein-Sieg-Kreis eine neutrale Treibhausgasbilanz zu erreichen. „Das werden 23 lange Jahre für die Sanierung und den Wechsel von fossilen zu regenerativen Energien. Die Bundesregierung wird den Start der energetischen Gebäudesanierung allerdings nicht auf die lange Bank schieben“, sagt Matthias Günther. Auch im Rhein-Sieg-Kreis gehe es darum, etwa 80 Prozent der Wohnfläche – rund 23,8 Millionen Quadratmeter – energetisch zu sanieren. Das restliche Fünftel sei entweder bereits auf einem hohen Klimaschutz-Niveau oder die Bausubstanz lasse – technisch/wirtschaftlich betrachtet – eine sinnvolle Sanierung nicht zu.

„Verteilt auf die Jahre werden bis 2045 in den Wohngebäude-Bestand vom Rhein-Sieg-Kreis – berechnet auf aktueller Kostenbasis – rund 32,2 Milliarden Euro in Energiespar-Sanierungen investiert werden müssen. Die Herausforderung ist es jetzt, Klimaneutralität zu einem hohen Maß auch ‚Mieten-neutral‘ hinzubekommen“, so Günther vom Label „Mein Fair-Mieter“. Mit dem Gütesiegel werden insbesondere öffentliche und kirchliche Wohnungsunternehmen sowie Genossenschaften ausgezeichnet.

Das Gütesiegel MEINFAIRMIETER wendet sich an sozial verantwortlich handelnde Wohnungsunternehmen. Es geht dabei davon aus, dass die sich voraussichtlich vor allem unter den ehemals gemeinnützigen Wohnungsunternehmen wiederfinden.

Mehr zu Mein Fair-Mieter.

 

Anzeige

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein