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Honnef heute - Presse, Nachrichten, News > Alle Artikel > Bonn > Klimawandel: Wie geht es dem Bonner Stadtwald?
Bonn

Klimawandel: Wie geht es dem Bonner Stadtwald?

Letztes Update: 14.04.2021
Honnef heute
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6 Min Lesezeit
Stadtwald
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Bonn – Dürre, Hitze, Stürme und Starkregen – der fortschreitende Klimawandel macht Wäldern bundesweit zu schaffen. Wie geht es dem Bonner Stadtwald aktuell und wie beeinflussen die klimatischen Veränderungen die Forstwirtschaft? Darüber informierten David Baier, Leiter des Amtes für Umwelt und Stadtgrün, und Stadtförster Sebastian Korintenberg am Mittwoch, 14. April 2021, bei einem Pressegespräch im Wald.

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„In den Wäldern wird der Klimawandel für viele Menschen wirklich greifbar. Das Erscheinungsbild des Waldes, so wie wir ihn kennen, hat sich in nur wenigen Jahren stark verändert und wird es weiterhin tun“, betont David Baier, Leiter des Amtes für Umwelt und Stadtgrün. Dennoch bestehe in der aktuellen Lage auch eine Chance: „Im Sinne einer Klimaanpassung können wir die Wälder jetzt mit standortgerechten und klimastabilen Baumarten in Teilen neu bepflanzen. Auf den freien Flächen können sich zudem neue lichtliebende Bäume ausbreiten und so den Wald der Zukunft bilden. Wir Menschen müssen hierfür allerdings Geduld aufbringen, denn diese Entwicklung dauert Jahrzehnte“, so der Amtsleiter.

Der Umweltbildungsarbeit kommt vor diesem Hintergrund eine immer größere Rolle zu. Das Haus der Natur vermittelt in seinen Workshops bereits Kindern und Jugendlichen sowie interessierten Erwachsenen die komplexen Zusammenhänge im Ökosystem Wald und die Auswirkungen unseres Handelns darauf. „Gerade in Pandemiezeiten wird deutlich, wie wichtig der Wald für die Bürgerinnen und Bürger ist. Er bietet Erholung und ist Rückzugsort. Umso wichtiger ist es, dass wir respektvoll mit der Natur umgehen. Dazu gehört auch, dass jeder seinen möglichen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Jedes Gramm CO2, das wir einsparen, hilft auch dem Bonner Stadtwald“, so Baier.

Klimaschäden durch Trockenheit, Schädlinge und Stürme

Kahle Flächen konnten Spaziergängerinnen und Spaziergänger im Bonner Stadtwald in den vergangenen Jahren an vielen Stellen beobachten. Trockenheit und Hitze haben viele Baumarten geschwächt und schufen damit die Bedingungen für die Ausbreitung von Schädlingen und Pilzerkrankungen. Zahlreiche abgestorbene oder stark beschädigte Bäume mussten gefällt werden, um zu verhindern, dass Waldbesucherinnenn und -besucher durch herabfallende Äste oder plötzlich umstürzende Baumstämme gefährdet werden. Heftige Sturmböen haben ebenfalls große Lücken im Wald hinterlassen.

„Den Klimawandel merken wir Förster schon seit Jahrzehnten, aber seit etwa vier Jahren haben wir es verstärkt mit Extremwetterlagen zu tun. Die Auswirkungen sehen wir nun, und es wird Jahrzehnte dauern, bis sich der Wald davon erholt hat“, so Stadtförster Sebastian Korintenberg. Zumal laufend neue Klimaschäden auftreten: Aktuell stirbt die Kiefer auf sandigen Böden rasant ab und auch an anderen Nadelbäumen wie Douglasien, Hemlocktannen und Lärchen treten Schütteschäden auf. Auch Laubbäume wie Buchen und Birken leiden sichtbar unter Wassermangel.

Fichtenanteil bei null Prozent

Fichten gibt es wegen des Borkenkäfers heute so gut wie keine mehr im Bonner Stadtwald: Lag der Fichtenanteil 2017 noch bei rund fünf Prozent, ist er heute bei fast null Prozent. Korintenberg erklärt: „In Bonn lag der Schwerpunkt schon immer auf Laub-Mischwald, deswegen ist der Verlust der Fichten für uns kein so großes Problem wie in anderen Wäldern. Hinzu kommt, dass die Fichte eigentlich nicht in unsere Region gehört. Wir setzen stattdessen auf heimische Sorten, wie Stiel- und Traubeneiche, Winterlinde und Hainbuche, die mit den klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen.“

23.000 klimastabile Jungbäume

Um die Klimaschäden auszugleichen, hat das Amt für Umwelt und Stadtgrün seit 2017 mehr als 23.000 neue Bäume im Stadtwald gepflanzt. Zu erkennen sind die jungen Bäume an den rot markierten Stützpflöcken oder den weißen Schutzröhren, welche die Pflanzen vor Wild schützen. Die kahlen Flächen haben sich so zuletzt immer weiter geschlossen. Allerdings werden immer nur maximal 50 Prozent der Flächen bepflanzt, der Rest bleibt frei, damit sich die Natur hier von selbst verjüngen kann und die Waldflächen durchmischt werden. Dies bildet eine gute Grundlage für eine klimastabile Waldentwicklung in den kommenden Jahrzehnten.

Weniger Holzernte – Fokus liegt auf Verkehrssicherung

Der Klimawandel verändert auch die Forstwirtschaft: Im Sinne der Nachhaltigkeit wird derzeit kaum Holz geerntet, damit sich der Stadtwald von den Klimaschäden der vergangenen Jahre erholen kann. Das Holz der gefällten Bäume lässt sich in der Regel nur schwer vermarkten, weil Käferfraß und Pilzfäule die Qualität verschlechtern. Rund 1800 Festmeter Holz wurden 2020 geschlagen – deutlich weniger als der sogenannte Hiebsatz von 2300. Dies bezeichnet die nachhaltig einschlagbare Holzmenge pro Jahr. Rund 1000 Festmeter konnten verkauft werden, rund 800 verbleiben als ökologisch wertvolles Totholz im Wald.

Der Fokus des Amtes für Umwelt und Stadtgrün liegt bereits seit geraumer Zeit auf der Verkehrssicherung entlang der Waldwege sowie an privaten Grundstücken und Naherholungseinrichtungen auf dem Venusberg. Auf beiden Seiten muss ein etwa 35 Meter breiter Korridor überprüft werden, ob hier beschädigte Bäume ein Risiko für Waldbesucher darstellen.

Stadt Bonn erhält Waldprämie

Seit vielen Jahren werden alle Arbeitsschritte im Bonner Stadtwald eng mit den Zertifizierungsbeauftragten von Naturland und FSC abgestimmt. Für dieses Engagement erhielt die Stadt Bonn im Frühjahr 2021 die Waldprämie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Mit der Prämie unterstützt die Bundesregierung Waldeigentümer, die sich mit einer aktiven, nachhaltigen und verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung trotz der widrigen Umstände gegen den Klimawandel stemmen und dies durch eine unabhängige Zertifizierung dokumentieren. Die FSC- oder Naturland-zertifizierten Wälder bekamen 120 Euro pro Hektar, für den Stadtwald bedeutet das eine Prämie von rund 72.000 Euro. (StB/AS)

 

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