Bad Honnef. Der Streit um die Auswirkungen des Martini-Marktes auf den öffentlichen Nahverkehr geht weiter. Nachdem Bürger die Stadtverwaltung wegen fehlender Informationen und erheblicher Umwege für Fahrgäste kritisiert hatten, hat die Stadt nun ausführlicher Stellung bezogen. Sie räumt ein, dass Betroffene über die bisherigen Informationskanäle nicht erreicht wurden. Einen zusätzlichen Shuttlebus konnte sie nach eigenen Angaben bislang aus rechtlichen Gründen nicht anbieten.
Die Stadt Bad Honnef habe in der Vergangenheit und auch in diesem Jahr geprüft, ob Klein- oder Shuttlebusse die Erreichbarkeit der Innenstadt während des Martini-Marktes verbessern könnten. Neben der ungeklärten Finanzierung seien es vor allem rechtliche Gründe gewesen, die ein solches Angebot verhindert hätten. Ein öffentliches Alternativangebot könne nicht ohne Weiteres parallel zum bestehenden öffentlichen Personennahverkehr auf vorhandenen Trassen eingerichtet werden.
Für kommende Veranstaltungen will die Stadt deshalb mit dem Veranstalter darüber sprechen, ob ein privatwirtschaftliches Angebot eine unkomplizierte Lösung ermöglichen könnte.
Stadt verweist auf Verantwortung der Verkehrsanbieter
Auslöser der Diskussion waren Beschwerden von Bürgern, die Bürgermeister Philipp Herzog auf die Folgen der Verkehrseinschränkungen aufmerksam gemacht hatten. In einer Stellungnahme an Honnef heute kritisierten sie, dass die Stadt ihre Verantwortung zu stark auf den Veranstalter verlagere.
Die Verwaltung hält dagegen, dass die Information der Fahrgäste über Angebote, Fahrzeiten und Umleitungen Aufgabe der jeweiligen Nahverkehrsanbieter sei. Im konkreten Fall seien dies die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) und die Deutsche Bahn.
Die Stadt habe die zuständigen Stellen frühzeitig über die Verkehrseinschränkungen in der Innenstadt informiert und entsprechende Umleitungen vereinbart. Nachdem am Montagmorgen Hinweisschilder an Haltestellen gefehlt hätten, habe das Ordnungsamt die Anbieter unverzüglich darauf hingewiesen. Bereits am Dienstagmorgen seien entsprechende Hinweise angebracht gewesen – noch bevor die Beschwerde bei der Stadt eingegangen sei.
Stadt räumt Informationslücken ein
Auch auf ihre Öffentlichkeitsarbeit verweist die Verwaltung. Mit einer Pressemitteilung vom 9. Oktober 2026 habe sie über Sperrungen und verlegte Haltestellen informiert. Die Mitteilung sei anschließend von Onlinemedien, Printmedien, kostenlosen Anzeigenblättern und dem Hörfunk aufgegriffen worden.
Dennoch räumt die Stadt ein, dass die Informationen nicht alle Betroffenen erreicht hätten. Sie bedauere dies und wolle gemeinsam mit dem Veranstalter beraten, wie die Kommunikation zum Martini-Markt 2027 verbessert werden könne.
Bürger hatten insbesondere kritisiert, dass Informationen im Internet sowie auf Facebook und Instagram nicht alle Fahrgäste erreichten. Ältere Menschen, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und ortsfremde Besucher könnten dadurch vor besondere Schwierigkeiten gestellt werden.
Als Beispiel schilderten die Beschwerdeführer ihre Beobachtung von zwei niederländischen Paaren mit Kinderwagen, die am 22. Oktober am Halt Physikzentrum auf ihren Smartphones nach Verbindungen gesucht hätten und dabei nach Darstellung der Bürger auf falsche Informationen gestoßen seien.
Bürger schlagen Kleinbus vor
Die Beschwerdeführer hatten vorgeschlagen, während des Martini-Marktes einen Kleinbus im Stundentakt einzusetzen. Dieser sollte insbesondere älteren, kranken und weniger mobilen Menschen ermöglichen, Haltestellen mit Anschluss an die Stadtbahnlinie 66 zu erreichen. Eine geringe Gebühr von beispielsweise zwei Euro hielten sie für denkbar.
Ob ein solches Angebot künftig zustande kommt, ist noch offen. Die Stadt will zunächst mit dem Veranstalter über eine privatwirtschaftliche Lösung sprechen. Wie diese aussehen könnte, wer sie betreiben würde und welche Kosten entstünden, steht bislang nicht fest.
Für Menschen, die auf barrierearme Wege und verlässliche Anschlüsse angewiesen sind, bleibt damit die Frage, wie sich vergleichbare Einschränkungen bei künftigen Veranstaltungen besser abfedern lassen.
Hinweis auf Taxi und Krankenbeförderung
Für einzelne Fahrten verweist die Stadt auf die Möglichkeit, in Abstimmung mit der Krankenkasse einen ärztlichen Transportschein für eine Taxifahrt oder eine Krankenbeförderung zu beantragen.
Eine solche Möglichkeit ersetzt allerdings keine allgemeine Lösung für Fahrgäste, die während des Martini-Marktes auf Bus und Bahn angewiesen sind. Ob sich für kommende Veranstaltungen ein zusätzliches Angebot organisieren lässt, soll nun gemeinsam mit dem Veranstalter geklärt werden.
Der Martini-Markt läuft noch bis zum 26. Oktober. Für die betroffenen Fahrgäste kommt es daher vor allem darauf an, dass sie rechtzeitig verständliche Informationen über Haltestellen, Umleitungen und alternative Verbindungen erhalten.









