Olympiaboykott vor 40 Jahren – Honnefer Ruderer verpassten Medaillengewinne

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(v.l.n.r.): Ferdi Hardinghaus, Herbert Engels und Kuno Höhmann) | Foto: WSVH

Von Annette Heinemann

Bad Honnef – Nein, die Zeit heilt nicht alle Wunden, zumindest nicht die eines Sportlerherzens. Schon die bloße Erinnerung an den Olympiaboykott 1980 lässt bei den ansonsten
eher als ausgeglichen geltenden Honnefer Ruderern den Blutdruck steigen. „Politik und Sport sollten nicht miteinander vermengt werden. Sport kann keine internationalen Konflikte lösen“,
so die einhellige Meinung von Herbert Engels, Ferdinand (Ferdi) Hardinghaus und Kuno Höhmann. „Athleten wollen weniger politische Zeichen setzen, sondern in Wettkämpfen ihre Kräfte messen.“

Alle drei, Sportler und Trainer, waren unmittelbar vom ersten Olympiaboykott betroffen und mussten auf die Medaillenchance ihres Lebens verzichten. Ferdi Hardinghaus war für den Achter und Kuno Höhmann im Zweier ohne Steuermann (2-) nominiert. Herbert Engels hat als Trainer des Zweiers ebenfalls auf die Olympiateilnahme verzichten müssen.

Dabei schien alles zum Greifen nahe. Die Sportler waren auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit, austrainiert für Olympia, die ganze Mannschaft schon eingekleidet und dann das: Am 23. April 1980 stimmten alle Bundestags-Fraktionen einer Empfehlung an das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK) zu, aus Protest gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan die Moskauer Spiele zu boykottieren. Am 15. Mai 1980 beschloss dann das NOK den Boykott. Insgesamt beteiligten sich schließlich 30 Staaten am Boykott.

„Aus der Traum“ also für die beiden Athleten und den Erfolgstrainer. Sowohl Kuno als auch Ferdi starteten danach ein Studium und konnten schon aufgrund Zeitmangels nicht mehr an die ganz großen Erfolge anknüpfen. Kuno erinnert sich: „Die Luft war raus. Von vorher 110% Engagement für den Sport, blieb nur noch 98% übrig. Das reicht aber nicht, um ganz vorne mit zu rudern.“ Dies sieht auch Herbert Engels so. „Wir haben die Trainingsintensität heruntergefahren. Das ließ sich in der Belastung nicht wiederholen.“.

Engels und Höhmann sind sich aber auch einig, dass die immense Vorbereitung, die intensive Zusammenarbeit, der gesamte Flow nur möglich war mit der Unterstützung des WSVH im Rücken. „Der WSVH hat sich als Verein gemeinsam auf diese Olympiateilnahme konzentriert.“

Vergleichbar hat auch Hardinghaus diese prägende Zeit vor Olympia beim Osnabrücker Ruderverein (ORV) erlebt. Mit dem Leistungssport startete er beim Osnabrücker Ruderverein 1979 und beendete diese Karriere 1982 mit dem Beginn des Studiums der Chemie. Auch er hatte 1980 als Athlet mental und körperlich alle Kräfte mobilisiert. Davon zeugen auch der 1. Platz bei den Deutschen Meisterschaften im 4er ohne und die Olympiaqualifikation im 8+ mit dem Vereinsachter des ORV. Ferdi: „Für mich war das Training damals ein Fulltimejob mit 2mal täglichem Training unter Ralf Holtmeyer, heute leitender Bundestrainer, der entscheidend zu den Erfolgen beigetragen hat.“ Der von Holtmeyer trainierte junge Vereinsachter des ORV hatte eine sensationelle Saison hinter sich. Sie besiegten auf der Mannheimer Regatta Russland, Tschechien und den Deutschland-Achter und sicherten sich auf der Internationalen Luzerner Rotsee-Regatta die Tickets für die Spiele in Moskau.

Kuno Höhmann und sein Berliner Partner Erhard Engelmann wurden in Luzern im Zweier ohne Steuermann (2-) hinter DDR, Großbritannien und der Schweiz Vierter. Da der Schweizer Zweier später in Moskau im Vierer ohne Steuermann startete, wäre also theoretisch ein 3. Platz möglich gewesen.

Ferdi, heute Trainingsleiter im WSVH, macht deutlich: „Die Bedingungen müssen insgesamt stimmen, nur dann hat man eine Chance auf sportliche Erfolge.“

Dass die Bedingungen auch für die aktiven Leistungsruderer des WSVH bald wieder stimmen mögen, wünschen sich die drei insbesondere im Zeichen der Coronakrise. Auch wenn es diesmal ein lebensbedrohender Virus und nicht die Politik ist, die den Sport einschränkt. Darauf, dass die Rennrudersaison noch nicht komplett gelaufen ist, hofft vor allem der 17jährige Moritz Witten. Er wurde aufgrund seiner ruderischen Leistungen vom Deutschen Ruderverband in den Kreis von Leistungssportlern aufgenommen, der im Oktober zur Junioren Europameisterschaft ins serbische Belgrad fahren könnte, wenn endgültig entschieden wird, dass sie stattfindet. Sicher ist aber jetzt schon: Der WSVH hat mit Moritz wieder einen hoffnungsvollen Kandidaten für die Nationalmannschaft.

Foto, Copyright WSVH: (v.l.n.r.: Ferdi Hardinghaus, Herbert Engels und Kuno Höhmann).

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