LeserInnenbrief
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Kleinere Klassengrößen sind die wirkliche Lösung für eine gelingende Pandemiebekämpfung und die Zukunft unserer Kinder.

Wir müssen Schüler*innen und Lehrkräfte, durch weniger Menschen in einem Klassenraum und der damit verbundenen reduzierten Viruslast in der Luft, schützen.

Aber alle diskutieren zurzeit nur über Luftfilteranlagen.

Klar sind stationäre Luftfilter auch wichtig, aber mal wieder handelt es sich um eine stellvertretende Dilemmatadiskussion und lenkt vom wirklichen Problem ab.

Mit kleineren Klassengrößen wird nicht nur wirkungsvoll die Viruslast gesenkt und somit die Ausbreitung der Pandemie, sondern gleichzeitig der Forderung nach einer chancengerechten und individuellen Bildung unserer Kinder Rechnung getragen.

Seit Jahren fordern Bildungsexpert*innen kleinere Klassengrößen und nichts passiert.
Nun ist der Zeitpunkt gekommen, dass diese Forderung umgesetzt wird. Denn es steht die Gesundheit unserer Kinder auf dem Spiel.

Das Schulministerium muss endlich handeln und für weniger Menschen in einem Klassenraum sorgen! Klar, das kostet Geld – viel Geld. Nun steht NRW aber seit Jahrzehnten an letzter Stelle im bundesweiten Bildungsfinanzierungsvergleich. Wollte NRW zumindest Durchschnitt bei der Bildungsfinanzierung sein, müsste NRW 2,5 Milliarden Euro mehr in den Bildungsetat einstellen.

Wollten wir soviel investieren wie Bayern, währen es mindesten 4,5 Milliarden Euro und Spitzenreiterposition in der Bildungsfinanzierung würden wir einnehmen, wenn wir mehr als 8 Milliarden Euro zusätzlich in den Haushalt einstellten.

Nordrheinwestfälische Kinder kosten das Land pro Kopf und Schuljahr 6500 Euro. Das sind 2000 Euro weniger als bayrische Kinder (8500 Euro/Kopf/Jahr) und 3300 Euro weniger als Kinder in Berlin (9800 Euro/Kopf/Jahr) kosten.

Das NRW durch eine besondere homogene Schüler*innenschaft bzw. besonders ausgeklügelte Bildungssysteme aufgefallen ist, die diese niedrige Investition in das Bildungssystem rechtfertigen würden, ist mir nicht bekannt – ganz im Gegenteil.

Wir dürfen nicht mehr zulassen, dass jede Schüler*in in NRW pro Jahr wesentlich weniger Geld wert ist, als andere Kinder in der Bundesrepublik Deutschland. Denn sie sind die Leidtragenden vor Ort, die in dem mangelfinanzierten Schulsystem, in maroden Schulgebäuden in viel zu großen Klassenräumen sitzen und von gestressten Lehrkräften unterrichtet werden, die mit all ihrer Kraft versuchen den systemischen Mangel auszugleichen und gleichzeitig den hygienischen Anforderungen in den maroden Schulbauten gerecht zu werden.

Das kann nicht gelingen.

NRW beschult fast ein Viertel aller Schüler*innen der BRD. Der Spitzenreiterposten in der Bildungsfinanzierung würde uns gut zu Gesicht stehen und unseren Kindern endlich eine Bildung ermöglichen, die auch gelingt.

Natürlich muss auch überlegt werden, wofür das Geld verwendet wird. Aber Konzepte hierfür gibt es und müssen nicht erst erstellt werden!

Der dringlichste Ansatz ist es, endlich wieder genügend Menschen für die Arbeit im Bildungsbereich zu gewinnen. Dazu gehört die anerkennende Bezahlung und die Schaffung von guten Arbeitsbedingungen, die ein gelingendes Arbeiten im Bildungsbereich ermöglicht sowie die Modernisierung der veralteten und maroden Gebäude. Auch müssen neue Gebäude gebaut werden, damit die Reduzierung der Klassengrößen umgesetzt werden kann.

Hier ist auch der Bund gefragt, der in einer gemeinsamen Verantwortungsgemeinschaft mit den Ländern und Kommunen die Finanzierung der Sanierungen und Neubauten finanziell und mit Know-How unterstützen muss.

Erzieher*innen- und Lehrkräftemangel sowie marode Schulgebäude sind kein Naturgesetz.

Der Einbau stationärer Lüftungsanlagen ist ein kleiner Teilbereich der Pandemiebekämpfung und muss durch die Schulträger umgesetzt werden. Hierbei müssen wir auf wirklich funktionierende Anlagen mit einer ausreichend großen Lüftungsleistung mit guten Filtern und sehr kleiner Geräuschkulisse achten. Sonst haben wir später unsäglich große Geräte an den Decken hängen, die niemand benutzt oder uns fälschlicherweise in Sicherheit wiegt.
Unsere wirkliche und vordringlichste Forderung muss sich aber an das Schulministerium richten.

„NRW muss Spitzenreiter in der Bildungsfinanzierung werden und sukzessive den Bildungsetat dementsprechend erhöhen.“

Kerstin Salchow
Mutter von vier Kindern

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