Bad Honnef-Rommersdorf. Nach dem Abriss des ehemaligen Fachwerkhotels an der Spießgasse fordert der Architekturverein Stadtbild Deutschland eine stärkere Orientierung am historischen Ortsbild. Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal hat dazu einen alternativen Entwurf für den geplanten Wohnungsbau an der Spießgasse und am Grasfeld entwickelt. Er soll zeigen, wie sich moderne Architektur, hochwertiger Wohnraum und regionale Baukultur verbinden lassen.
Der Verein begrüßt grundsätzlich, dass an dem Standort neuer Wohnraum entstehen soll. Der bislang gezeigte Entwurf sei aus seiner Sicht jedoch zu wenig auf die gewachsene Architektur Rommersdorfs abgestimmt.
„Wir wollen ausdrücklich kein Fachwerkhaus des 21. Jahrhunderts und auch keine historische Kulissenarchitektur“, erklärt der Regionalverband. Ein Neubau müsse aber nicht so aussehen, als könne er ebenso gut in Düsseldorf, Köln oder einem beliebigen Neubaugebiet stehen. Gerade an einem historisch geprägten Ort sollte moderne Architektur die Geschichte des Ortes erkennen lassen.
Satteldach, Sprossenfenster und Naturstein
Der alternative Vorschlag sieht ebenfalls ein dreigeschossiges Wohnhaus mit mehreren Wohnungen vor. Der Baukörper soll sich stärker an der kleinteiligen Architektur Rommersdorfs orientieren, ohne historische Gebäude zu kopieren.
Vorgesehen sind ein klassisches Satteldach mit Schieferdeckung, eine helle Putzfassade in Grün- oder Ockertönen sowie hochformatige Sprossenfenster. Weiße Fensterlaibungen, optional Fensterläden, Holzeingangstüren und ein Sockel aus Bruchstein sollen das Erscheinungsbild ergänzen.
Auch bei den Balkonen setzt der Verein auf eine zurückhaltende Gestaltung. Schmalere Balkone mit schlichten, geraden Metallstäben sollen zeitgemäßes Wohnen ermöglichen und zugleich Anklänge an traditionelle Geländer aufnehmen.
„Wir möchten zeigen, dass ein dreigeschossiges Wohnhaus durchaus modern und hochwertig sein kann und trotzdem nach Rommersdorf gehört“, so der Regionalverband.
Mehr Grün auf dem Grundstück
Neben der Architektur kritisiert der Verein die aus seiner Sicht zu starke Versiegelung der Freiflächen. Statt große Bereiche zu pflastern oder mit Rasengittersteinen zu befestigen, sollten mehr Grünflächen erhalten beziehungsweise geschaffen werden.
Für die Stellplätze schlägt Stadtbild Deutschland befestigte Fahrspuren für die Räder vor, zwischen denen Grünflächen verbleiben. Bäume, Sträucher, Stauden und weitere bepflanzte Bereiche sollen das Grundstück auflockern und besser in die grüne Umgebung Rommersdorfs einbinden.
Keine Rekonstruktion des alten Fachwerkhauses
Der Regionalverband betont, dass sein Vorschlag keine Wiederherstellung des abgerissenen Fachwerkgebäudes zum Ziel hat. Vielmehr gehe es darum, regionale Gestaltungselemente mit modernen Grundrissen, zeitgemäßer Haustechnik und hohem Wohnkomfort zu verbinden.
Sprossenfenster, Schiefer, Putz, Holz und Bruchstein seien keine bloßen Relikte vergangener Zeiten, sondern könnten auch in zeitgenössischer Architektur eingesetzt werden. Entscheidend sei, die vorhandene Ortsstruktur ernst zu nehmen, ohne historische Bauformen lediglich zu kopieren.
Der geplante Neubau könne durchaus ein hochwertiger Wohnstandort werden, findet der Verein. Allerdings müsse sich Qualität nicht durch möglichst große Glasflächen, ausladende Balkone und eine weitgehende Befestigung der Außenflächen ausdrücken.
„Luxus kann auch bedeuten, an einem besonderen Ort besonders sorgfältig zu bauen“, erklärt der Regionalverband. Seinen Entwurf versteht er als Diskussionsbeitrag und Alternative für die Bauherrschaft, die Stadtplanung und die Öffentlichkeit.
Die Identität Rommersdorfs müsse mit dem Verlust des alten Fachwerkhauses nicht enden. Sie könne vielmehr Ausgangspunkt für eine neue, zeitgemäße Architektur sein, die sich erkennbar aus dem Ort entwickelt.
red / Quelle: Regionalverband Unteres Mittelrheintal des Architekturvereins Stadtbild Deutschland e. V.









