Bonn – Einzelhandel und Gastronomie in den Zentren von Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg bleiben vom Strukturwandel nicht verschont. Ein Zentren-Management für die drei Stadtbezirkszentren soll nun gegensteuern. Dieses wird in den kommenden eineinhalb Jahren eng mit den jeweiligen Gewerbegemeinschaften und Stadtmarketing-Vereinen zusammenarbeiten und das City-Management im Amt für Wirtschaftsförderung unterstützen.

Die Stadt Bonn wurde in das „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren NRW“ aufgenommen, das die nordrhein-westfälische Landesregierung im vergangenen Jahr aufgelegt hatte. Das Programm unterstützt den Einzelhandel in den Stadtzentren, der unter Fachmarktzentren auf der „Grünen Wiese“, Niedergang der Warenhäuser und dem stark wachsenden Online-Handel zu leiden hat. Die Corona-Krise hat diese Entwicklungen beschleunigt: Lockdown-Phasen mit Schließungen haben etliche Gastronomen und Einzelhändler in finanzielle Bedrängnis gebracht.

„Der Strukturwandel geht auch an unseren Stadtbezirkszentren in Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg nicht spurlos vorüber“, erklärt Oberbürgermeisterin Katja Dörner. „Das Zentren-Management soll nun gezielt dabei unterstützen, neue Wege zu identifizieren. Die Förderung von jeweils 100 000 Euro soll dazu beitragen, die Zentren fit für die Zukunft zu machen. Die Attraktivität der Innenstadt und der Stadtteilzentren zu erhalten und die Aufenthaltsqualität zu verbessern, ist eine der zentralen Aufgaben jeder Stadt und natürlich auch in Bonn.“

Zentren-Management unterstützt als Schnittstelle zur Verwaltung
Für das Zentren-Management konnte die Verwaltung nach einer Ausschreibung das Büro Stadtberatung Dr. Sven Fries gewinnen. Das Büro mit Standort in Speyer steuert schwerpunktmäßig Stadtentwicklungsprozesse und ist auch schon in der Region um Bonn aktiv. „Wir freuen uns sehr, das Zentren-Management ausgestalten zu dürfen“, sagt Sven Fries, Geschäftsführer des Büros. Er und sein Team werden als Schnittstelle zur städtischen Verwaltung die Gewerbegemeinschaften vor Ort unterstützen, gemeinsam mit ihnen frische Ideen entwickeln und „bodenständige“ Impulse geben, wie er sagt. „Wir werden mit vollem Engagement rangehen – wir kommen von der Praxis und können hier 20 Jahre Erfahrung mit einbringen“, so Fries.

Das Büro wird dabei unterstützen, möglichst viele Menschen miteinander zu vernetzen und Synergien zu schaffen. So sollen zum Beispiel in Zukunft regelmäßige Netzwerktreffen mit den Gewerbetreibenden stattfinden, um Bedarfe vor Ort gemeinsam zu identifizieren und den Austausch zu fördern. „Mit unserem Zentren-Management wollen wir hier keinen belehren“, betont Sven Fries, „und es wird auch niemandem ein Plan nach `Schema F` übergestülpt“, so Fries. „Vielmehr wollen wir mit den einzelnen – sehr unterschiedlichen – Stadtbezirken und den dort ansässigen Unternehmen individuelle Maßnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit, sowie Aktionen und Veranstaltungen entwickeln. Unser Ziel ist es, einen praxisbezogenen Mehrwert für die einzelnen Akteure vor Ort zu schaffen. Die Voraussetzung dafür ist ein gemeinsamer Dialog auf Augenhöhe.“

Entwicklungspotenziale herausarbeiten
Arnulf Marquardt-Kuron, City-Manager im Amt für Wirtschaftsförderung, der den Prozess begleitet, sagt: „Es geht darum, Chancen und Risiken herauszufinden und auf die Stadtbezirkszentren zugeschnittene Konzepte und individuelle Lösungsansätze zu erarbeiten. Dies kann nur in enger Abstimmung mit den vor Ort arbeitenden Unternehmerinnen und Unternehmern und ihre Kundschaft geschehen.“

Erste Maßnahmen sind bereits geplant: So soll beispielsweise eine Datenbank erstellt werden, die Informationen über die leerstehenden Ladenlokale in den einzelnen Bezirken enthalten soll. Mit diesen Informationen soll in einem nächsten Schritt versucht werden, Neu-, Um- und Zwischennutzungen ins Leben zu rufen und so neue Anreize in den Zentren zu setzen. Die Datenbank soll auch als Grundlage dafür dienen, weitere Entwicklungspotenziale der einzelnen Zentren herauszuarbeiten und so Handel und Gastronomie vor Ort wieder zu stärken.

Das Projekt startet mit drei Kick-off-Veranstaltungen in den drei Stadtbezirkszentren. Die Einladungen dafür werden in den nächsten Wochen verschickt. Ziel der Veranstaltungen wird das Gespräch mit den Gewerbetreibenden und -gemeinschaften sowie den Immobilieneigentümern sein.

 

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