Selhof-Süd ist mehr als eine mögliche Baufläche. Das Gebiet kühlt, nimmt Regenwasser auf, bietet Lebensraum und ermöglicht Naherholung. In Zeiten von Hitze, Trockenheit und Starkregen ist das keine Nebensache. Grün ist Infrastruktur.
Natürlich braucht eine Stadt Wohnraum. Entscheidend ist, welcher Wohnraum gebraucht wird, zu welchem Preis er entsteht und ob er tatsächlich bezahlbar bleibt. Bad Honnef wird älter. Eine älter werdende Stadt braucht barrierearme Wohnungen, Umbau im Bestand, kurze Wege und funktionierende Infrastruktur.
Auch die Folgekosten gehören auf den Tisch. Straßen, Kanalisation, Starkregen- und Hochwasserschutz, Verkehrsanbindung sowie zusätzliche Kita- und Schulplätze binden eine Stadt über Jahrzehnte. Wer heute über Selhof-Süd entscheidet, entscheidet auch über künftige Haushalte. Deshalb braucht es vor jeder Weichenstellung belastbare Belege: für den Wohnraumbedarf, für die Kosten, für die Klimafolgen und für die Alternativen. Nachverdichtung, Baulücken, Umnutzung bestehender Gebäude, Wohnen über bereits versiegelten Flächen und die Aktivierung ungenutzter Wohnflächen müssen ernsthaft geprüft werden.
Die größte politische Leistung besteht nicht darin, möglichst viel Fläche in Bauland zu verwandeln. Sie besteht darin, eine Stadt so zu steuern, dass sie auch in 20 oder 30 Jahren noch lebenswert ist. Die Entscheidung über Selhof-Süd ist deshalb viel mehr als eine Baufrage. Sie ist eine Frage von Weitsicht.
Martin Peter Houscht










