Bad Honnef. Wenn Eltern erschöpft sind, leidet oft die ganze Familie. Genau hier setzt die Müttergenesung an – mit einem Ansatz, der seit über 100 Jahren gilt: Wer Eltern stärkt, stärkt auch Kinder. Im Erzbistum Köln engagiert sich die Katholische Arbeitsgemeinschaft (KAG) Müttergenesung seit Jahrzehnten für genau dieses Ziel – mit Beratung, Kurvermittlung und politischer Lobbyarbeit für Familien.
Von den Anfängen bis heute
Die Wurzeln reichen weit zurück: Bereits 1922 entstand in Rhöndorf das erste katholische Müttererholungsheim „St. Hedwig“. Initiiert wurde es von engagierten Frauen der damaligen Frauen- und Müttervereine – der späteren Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). In einer Zeit geprägt von Armut, Inflation und den Folgen des Ersten Weltkriegs war das ein bemerkenswerter Schritt. Besonders Mütter aus dem Ruhrgebiet fanden hier Unterstützung und dringend benötigte Erholung.
1930 folgte die Gründung der Katholischen Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung im Erzbistum Köln. Schon damals wurde deutlich: Es geht nicht nur um körperliche Erholung, sondern auch um seelische Stabilität. Ein Ansatz, der heute als „Therapeutische Kette“ fest etabliert ist – mit dem Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele.
Einen bundesweiten Schub erhielt die Bewegung 1950 durch die Gründung des Müttergenesungswerks durch Elly Heuss-Knapp, die Ehefrau des ersten Bundespräsidenten. Seitdem hat sich die Müttergenesung zu einem anerkannten Bestandteil des Gesundheitssystems entwickelt.
Vom „Urlaub für Mutti“ zur anerkannten Therapie
Was früher oft belächelt wurde, ist heute medizinisch anerkannt: Mütter- und Vater-Kind-Kuren sind ärztlich verordnete Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Studien belegen die nachhaltige Wirkung dieser Maßnahmen – sowohl für die körperliche als auch für die psychische Gesundheit.
Im Erzbistum Köln wurden seit den 1950er-Jahren zehntausende Frauen und Kinder beraten und in Kurmaßnahmen vermittelt. Heute profitieren auch Väter und pflegende Angehörige von den Angeboten. Die Beratungsstellen – inzwischen überwiegend bei Caritasverbänden angesiedelt – leisten dabei wichtige Hilfe im Alltag.
Ehrenamt trägt die Arbeit
Ein wesentlicher Pfeiler der Müttergenesung bleibt das Ehrenamt. Besonders Mitglieder der kfd engagieren sich seit Jahrzehnten mit großem Einsatz. Jedes Jahr im Mai sammeln sie Spenden, organisieren Aktionen und informieren über die Angebote. Bundesweit erzielen sie dabei beachtliche Ergebnisse.
Auch in Bad Honnef wird diese Tradition fortgeführt: Am Wochenende des 9. und 10. Mai 2026 findet nach den Gottesdiensten in den katholischen Kirchen eine Türkollekte zugunsten des Müttergenesungswerks statt.
„Mit voller Kraft voraus!“
Unter diesem Motto steht die diesjährige Sammlung. Es soll daran erinnern, wie wichtig es ist, dass Eltern – insbesondere Mütter – auch an sich selbst denken. Zeiten der Erholung sind kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Gesundheit und Familienleben.
Blick in die Zukunft
Die Müttergenesung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue Konzepte für geflüchtete Familien, zusätzliche Beratungsangebote und die Unterstützung pflegender Angehöriger zeigen: Die Arbeit passt sich den gesellschaftlichen Veränderungen an.
Seit 2019 ist die KAG Müttergenesung im Erzbistum Köln unter dem Dach des Diözesan-Caritasverbandes Köln angesiedelt. Von dort aus wird die wichtige Arbeit koordiniert und weiterentwickelt.
Foto: Virtuelles Brückenhofmuseum











