Wie stehen die Chancen für das kleine gallische Dorf auf der Insel?

Runder Tisch im Bad Honnefer Rathaus - Verhandlungen gehen weiter - Otto Neuhoff optimistisch

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Bad Honnef – Er sehe eine aktuelle Bedrohungslage. Mit diesen Worten eröffnete heute Abend Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff den Runden Tisch im Rathaus. Thema: Die Rettung des Franziskus Gymnasiums. Wie beim ersten Zusammentreffen von Eltern, PolitikerInnen und anderen Bürgerinnen und Bürgern mit dem Stadtoberhaupt, war auch diesmal der Saal proppenvoll.

Eine Bedrohungslage sieht Neuhoff vielleicht nicht nur für die SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern, für die Städte und Kreise, aus denen die Schülerinnen und Schüler stammen, möglicherweise denkt er dabei auch insgeheim an die Nöte des Eigentümers und Betreibers des Franziskus Gymnasiums, Peter Soliman, der sich eine befriedigende Entwicklung seiner Insel vermutlich leichter vorgestellt hat. Heute tagsüber verschärfte sich die Lage noch einmal. Es gab Probleme mit Fristen. Keine unlösbaren, wie sich am Abend im Rathaus herausstellen sollte.

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Vor dem Rathaus spielte vor Beginn des runden Tisches eine Musikgruppe des Franziskus Gymnasiums

Bei einem solchen Konflikt zwischen Partnern, die eigentlich voneinander profitieren wollen, leidet ja nicht nur das Konto, sondern es leiden auch irgendwann die Nerven – wenn nicht sogar die Seele in Gefahr gerät. Man weiß es einfach vorher nicht. Man weiß aber: Ungesunder Stress ist für niemanden gut, auch nicht für noch so hartgesottene Geschäftsmänner. Mal ganz abgesehen von dem Makel, den Auseinandersetzungen dieser Art hinterlassen können – dank Internet womöglich ein Leben lang. Und dann die Lebensweisheit von Herrn Meutsch: “Wir kommen alle nackt auf die Welt und gehen nackt!”  – Argumente für einen anderen Umgang miteinander?

So diskutierten denn auch die anwesenden Eltern überwiegend sachlich, konstruktiv, beide Seiten im Blick habend. An erster Stelle standen die Kinder und Jugendlichen. So gab eine Mutter zu bedenken, was bei einer Schulschließung ein Schulwechsel gefühlsmäßig für die Jungen und Mädchen bedeuten würde. Natürlich! Das Verlassen der geliebten schulischen Heimat, die ihnen nicht nur Bildung, sondern auch Sicherheit, Zufriedenheit und Stärke für ihr zukünftiges Leben bietet; die Trennung von den Freunden, den Lehrerinnen und Lehrern, den Fährschiffern … Da dürften reichlich Tränen fließen. Und sich unter diesen Umständen in einer neuen, fremden schulischen Umgebung eingewöhnen zu müssen, ist für so manche gleichfalls eine spezielle Herausforderung, die man sich nicht unbedingt wünscht.

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Diese drohende traurige Wirklichkeit dürfte auch dem jetzigen Betreiber ganz und gar nicht gefallen, der selbst Kinder hat, wenn sie auch schon groß sind. Hier empfindet er mit Sicherheit wie seine Kontrahenten. Nein, nicht Kontrahenten. Falscher Begriff. Es geht ja sowohl den Eltern wie auch dem Betreiber um eine Lösung. Partner sind sie, momentan in stürmischer See, die den Weg in ruhige Gewässer suchen.

„Ich streite gerne mit ihm (dem Peter Soliman)!“, gestand einer der Verhandlungsführer. Er würde sich trotz der angespannten Lage nach wie vor öfter mit dem Schulbetreiber treffen und sich mit ihm austauschen, obwohl es bei einer Schulschließung für seine Familie ganz hart käme.

Während des Konfliktlösungsprozesses habe man Fehler gemacht, erklärte ein anderer. Welche, ließ er offen. Aber er sprach auch von so mancher Schwurbelei.

Auch Peter Soliman würde sicherlich Fehler eingestehen, würde man ihn jetzt und hier schreiben lassen. Fehler gehören zum Geschäft, auch zu einem guten. Das würde kein kompetenter Geschäftsmann leugnen. Solch ein Selbsteingeständnis würde ihn vor keine große Mutprobe stellen.

Keiner weiß das besser, als Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff, selbst oft gescholten. Immer wieder fand er zurück zu seiner Zielsetzung, die er für richtig hält. Neuhoff setzt sich für die Belange der Nonnenwerther Schule ein, wie kein anderer Kommunalpolitiker außerhalb von Rheinland-Pfalz. Das wurde ihm heute Abend vor versammelter Runde bestätigt. Er telefoniert regelmäßig mit seinem Remagener Amtskollegen und auch mit Peter Soliman. Er weiß, alle sind bereit, das Mögliche zu erreichen. Für Neuhoff ist klar, dass es Lösungen gibt. Und für ihn ist vollkommen klar, dass Soliman die Schule erhalten will. Das habe der Franziskus-Betreiber dem Stadtoberhaupt mehrmals versprochen. Er glaube ihm.

Deshalb rät er: nicht das Ziel aus den Augen verlieren und sich entsprechend verhalten. Emotionen seien hier nicht unbedingt zielführend. – Aber wie geht es weiter mit dem „kleinen gallischen Dorf auf der Insel“, wie ein Vater die Schule taufte?

Keineswegs seien die Verhandlungen beendet, stellte ein Elternsprecher fest. Man würde in alle Richtungen verhandeln, auch mit anderen möglichen Schulträgern. Jedoch stünde das zentrale Thema des Brandschutzes im Raum.

Hier kalkuliert Soliman mit einem Betrag zwischen 10 und 20 Millionen EUR, die er nach eigenen Aussagen nicht hat. Deshalb will er die Schule ja schließen. Unklar ist jedoch, wie diese unvorstellbaren Summen zusammengekommen sind.

Ein Brandschutzgutachten, das als solches anerkannt würde, liege nicht vor, beteuerte ein Jurist unter den Eltern, das sei einfach so. Die Eltern wollen eines auf eigene Kosten erstellen lassen. Dazu müsste ein von ihnen bestellter Fachmann in die Schule kommen können, was bis heute Morgen, bis zum Ablauf besagter Frist, nicht ermöglicht wurde. Die Gründe dafür sind unklar. Was spreche gegen ein Brandschutzgutachten, fragten Eltern. Gäbe es eins, wüsste doch jeder, was Sache ist. Alles wäre gut.

Aber es gibt positive Zeichen. Nächsten Montag werden der Brandsachverständige der Eltern und derjenige, der mit seinen empfohlenen Maßnahmen dafür gesorgt hat, dass der Kreis Ahrweiler einer befristeten Duldung zum Betrieb der Schule zustimmte, zusammen sprechen. Ob vor Ort, per Zoom oder sonst wie steht noch nicht fest.

Hoffentlich ein nächster Schritt in Richtung Gutachten. Ohne das geht nichts, kein Interessent investiert in ein Projekt, wenn er nicht die Kosten rechnen kann. „Wir brauchen Transparenz“, so ein Elternvertreter. Weiterhin geduldet bis zu einer endgültigen Lösung würde der jetzige Zustand brandschutztechnisch allemal, versicherte der Kreis Ahrweiler im Vorfeld. Doch dazu müsse man eben wieder einen Antrag stellen, was bislang nicht geschah.

Noch eine gute Nachricht: Bürgermeister Neuhoff sicherte für jede Nonnenwerther Schülerin, für jeden Nonnenwerther Schüler aus den Bereichen Neuwied und Bad Honnef einen alternativen Schulplatz zu, das habe er im Vorfeld mit den jeweiligen Amtsstellen abgeklärt. Das schafft Sicherheit und ist vielleicht das erhoffte Zeichen für Eltern, die daran denken, ihr Kind jetzt schon auf der Insel abzumelden. Was für die weiteren Bemühungen, die Schule zu retten, schlecht wäre.

So ziemlich zum Ende hin, wunderte sich die Bad Honnefer Bundestagsabgeordnete Nicole Westig über die Inaktivität des Landes Rheinland-Pfalz. Sie könne nicht verstehen, dass hier nicht mehr interveniert würde, schließlich könne man das Franziskus Gymnasium schon wegen seines besonderen Schulkonzeptes nicht einfach so ad acta legen. Ihre beiden Kinder hätten die Schule besucht und seien dort sehr glücklich gewesen.

Dafür, dass die Schule trotz der aktuell großen Unruhe und den problematischen Arbeitsverhältnissen überhaupt noch ihren Bildungsauftrag erfüllen kann, bedankten sich die Eltern bei den Lehrerinnen und Lehrern. Es folgte langer Applaus.

Und ein großer Dank ging auch an die verhandlungsführenden Elternvertreter, die diese schwierige Aufgabe neben ihrer täglichen Arbeit bewältigen.

Viel präsenter als ein Orden oder eine Kirche könne er sein, zitiert der General-Anzeiger in einem früheren Bericht Peter Soliman. Diese Präsenz sei manchmal anstrengend – aber am Ende des Tages positiv für die Qualität der Schule.

Klingt doch ehrlich – und mit gutem Willen irgendwie auch versöhnlich. Vom Orden hingegen hört man nichts mehr.

 

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1 Kommentar

  1. Ein guter Artikel! Herr Solimanns Tochter war im September wohl zwei Tage Hospitantin am „Franziskus Gymnasium“, wo sie vom Kollegium mit offenen Armen empfangen wurde und sein Sohn half – ebenso wie Herr Solimann selbst- im Ahrtal nach der Flut-Katastrophe. Somit sind die Kinder – die wohl auch einen kleinen Anteil an der Insel haben – sogar voll im Bilde. Hoffentlich gibt es am Ende nicht nur Verlierer sondern alle Partner finden zu einer Lösung im Sinne der hier erwähnten jungen Generation!

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