Bad Honnef – Der deutsche Wald ist krank, sagt selbst Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Der von ihr in dieser Woche vorgestellte Waldbericht 2020 verspricht nichts Gutes. Drei Dürrejahre hintereinander, Stürme und Schädlingsbefall haben dazu geführt, dass im vergangenen Jahr vier von fünf Bäumen eine lichte Krone, Schäden in unterschiedlicher Ausprägung aufwiesen.

Auch der Bad Honnefer Stadtwald leidet. Stellenweise erinnert er eher an eine Apokalypse, denn an ein Natur- und Erholungsgebiet. Und die Entnahme von Bäumen scheint noch nicht beendet. 220 Hektar des 1250 Hektar großen Stadtwaldes sind mittlerweile baumlos, über 30.000 neue Bäume wurden gepflanzt. Ob sie in großer Zahl anwachsen, weiß niemand so genau. Sicher ist, dass der Waldboden immer noch zu wenig Wasser aufgesogen hat, wenn das auch so manche Pfütze anders erscheinen lassen mag.

Ob die Baumentnahme überhaupt die richtige Strategie ist, ist ebenfalls nicht sicher. Die Vorstellung, die großen lichten, jetzt vor Hitze ungeschützten Flächen erleben einen weiteren heißen, regenarmen Sommer, bereitet vielleicht nicht nur dem Laien Sorge.

Trotz der unheimlichen Waldzerstörung bietet die bizarre Landschaft dem kreativen Auge auch interessante Momente, beispielsweise wenn es Baumbruchstellen entdeckt, die an Stadtsilhouetten erinnern. Sogar der Borkenkäfer hinterlässt auf seinen Wegen unter der Baumrinde faszinierende Strukturen. Nun, einen Vorwurf kann man ihm schon gar nicht machen – er tut, was er tun soll:

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“Denn im Wald leben viele Tier- und Pflanzenarten, die totes Holz als Lebensgrundlage brauchen. Der Borkenkäfer sorgt dafür, dass sie immer genug davon finden. Deshalb ist er für das natürliche Gleichgewicht im Wald sehr wichtig. Weil er jedoch in vielen unserer Wälder bekämpft wird und deshalb zu wenig Totholz herumliegt, sind dort bereits viele Arten, besonders Pilze und Flechten, ausgestorben. Im Nationalpark darf sich der Borkenkäfer jetzt wieder ganz normal entwickeln. Die Naturschützer hoffen, dass dadurch weitere gefährdete Arten überleben können. Ihr seht also: Ob der Borkenkäfer ein Schädling oder ein Nützling ist, hängt davon ab, ob in einem Wald Bauholz produziert oder die Natur geschützt werden soll.”, klärt Karli Kauz auf der Website des “Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e.V.” die Kinder auf.

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