3.500 Quadratmeter große Wildblumenwiesenflächen für Bad Honnef

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Blumenwiese Symbolfoto
Blumenwiese Symbolfoto

Bad Honnef – Bereits seit einigen Jahren verfolgt die Stadt Bad Honnef das Ziel, mehr Artenvielfalt in das öffentliche Grün zu bringen. Einen nicht unerheblichen Teil dieser Biodiversitätsstrategie bildet die Anlage von Wildblumenwiesen. Wie auch in den vergangenen Jahren legt die Stadt Bad Honnef in den nächsten Wochen einige artenreiche Wiesenflächen an.

Bevor die Blumenwiesen jedoch in ihrer vollen Farbenpracht erstrahlen können, steht einiges an Arbeit an. Vor der eigentlichen Einsaat muss die ausgewählte Fläche von ihrem bisherigen Bewuchs befreit werden, erklärt Philipp Siegel vom Fachdienst Umwelt und Stadtgrün der Stadt Bad Honnef: „In der Regel handelt es sich hierbei um alten Schurrasen, der sich aus schnellwüchsigen Kulturgräsern zusammensetzt. Würde man den alten Rasen belassen, hätten die wertvollen Wildblumen kaum eine Chance, sich gegen die wuchernden Gräser durchzusetzen.

Also muss schweres Gerät ran. Nur mit einem Bagger oder einer Umkehrfräse bekommt man den alten Aufwuchs wirklich nachhaltig entfernt.“ Was für den Laien zunächst nach brachialer Rodung aussieht, bildet die Grundlage für das zukünftige vielfältige Leben auf der Wiese. Nach dem Baggereinsatz müssen die Flächen noch entsprechend gelockert und eingeebnet werden. „Dies geschieht in der Regel mit Ackerfräse und Kreiselegge“, beschreibt Philipp Siegel die Arbeiten: „Je nach Bodenbeschaffenheit wird zusätzlich noch feiner Kies oder Lavasand eingearbeitet. Diese Maßnahme dient der Wasserdurchlässigkeit bei gleichzeitiger Abmagerung des Bodens, denn viele botanische Kostbarkeiten benötigen einen wasserdurchlässigen und vor allem mageren Boden, nur so können sie sich nachhaltig in den Wiesengesellschaften etablieren.“

Sind die Flächen entsprechend vorbereitet, folgt die eigentliche Einsaat. „Um ein optimales Ergebnis zu erhalten, kommt nur einheimisches und zertifiziertes Saatgut aus regionaler Herkunft zum Einsatz. Hierbei wurden die Zusammensetzungen speziell auf die Standortbedingungen der jeweiligen Fläche zugeschnitten. Die vorbereitenden Planungen im Hinblick auf die Saatgutauswahl spielen eine mindestens genauso große Rolle für den langfristigen Erhalt einer artenreichen Wiese, wie die Bodenvorbereitungen und die spätere Pflege.“

Grundsätzlich sei die Anlage einer Wildblumenwiese nichts für Ungeduldige, betont Siegel: Nach der Einsaat beginnt die schwierigste Zeit für Wildblumenfreunde, denn bis Klatschmohn, Kornblumen und Margeriten aufkeimen, können gut und gerne vier bis sechs Wochen ins Land gehen. Genug Zeit für unerwünschte Wildkräuter und Gräser, den kleinen Wildblumenkeimlingen die Lebensgrundlage streitig zu machen. Auch bei einer optimalen Bodenvorbereitung kann es noch vorkommen, dass alte Kulturgräser oder andere konkurrenzstarke Beikräuter aus verbliebenen Rhizomen oder Samen im Boden neu austreiben. Aus diesem Grund muss die Fläche bereits kurz nach der Keimung der ausgesäten Mischung gemäht werden. Dieser sogenannte Schröpfschnitt erfolgt rund sechs bis zehn Wochen nach der Einsaat und sorgt dafür, dass wieder genügend Licht und Wasser für unsere Wildblumen zur Verfügung steht.

Entsprechende Pflegemaßnahmen wie der oben erwähnte Schröpfschnitt sorgen allerdings immer wieder für Kopfschütteln bei aufmerksamen Beobachtern, berichtet Philipp Siegel aus der Praxis: „Obendrein kommen noch die zusätzlichen Mähgänge im Rahmen der regelmäßigen Pflege. Aber ohne Pflege geht es leider nicht. Überlässt man die Wiesen sich selbst, würden sich nach kurzer Zeit einige wenige konkurrenzstarke Pflanzen durchsetzen und auf diese Weise die Artenvielfalt wieder zurückdrängen. So blieben bei einer ausbleibenden Mahd von anfangs 45 vorhandenen Arten nach wenigen Jahren nur noch fünf bis zehn Arten übrig. Bei neu angelegten Wiesen sind im ersten Jahr nach der Anlage je nach Witterung und anderen äußeren Bedingungen auch schon einmal bis zu sechs Schnitte notwendig, um die ausgebrachten Arten zu etablieren.“

Auch bereits etablierte Wiesengesellschaften kommen ohne zwei- bis dreimalige Mahd nicht aus – das schaffen nur die Spezialisten unter den Pflanzen, die sich aber eher in den Saumgesellschaften unserer Wälder und Gewässer wohlfühlen.

Durch den schonenden Einsatz von Balkenmähern wurde sich bewusst für eine Arbeitsweise entschieden, die zwar mehr Zeit als andere Methoden benötigt, dafür aber bedeutend ungefährlicher für die tierischen Bewohner der Wiese ist. Hierbei wird das Schnittgut nämlich nicht kleingehäckselt, sondern der Länge nach auf der Fläche abgelegt. Danach wird das Schnittgut einige Tage auf der Fläche belassen, damit es vor Ort abtrocknet und gegebenenfalls noch ein paar Samen für die nächste Wildblumengeneration auf der Fläche lässt. Einige Wiesenflächen, vor allem solche bei denen eine Verbuschung durch Gehölze droht, werden durch Ziegen gepflegt. Die Tiere sorgen zuverlässig dafür, dass sich Brombeere und andere unerwünschte Arten nicht in den Wildblumenwiesen etablieren können.

Auf diese Weise entstehen in diesem Jahr in Summe wieder rund 3.500 m² neuer Lebensraum für Flora und Fauna, resümiert Philipp Siegel vom Fachdienst Umwelt und Stadtgrün: „Das geschieht manchmal unübersehbar, wie zum Beispiel im Park Reitersdorf, manchmal aber auch im Versteckten, also auf kleinen Flächen, die man erst im Sommer wahrnimmt und sich wundert, dass es plötzlich bunt ist, wo es vorher farblos war.

Biodiversität ist im urbanen Bereich keine Selbstverständlichkeit und wird hierfür einiges an Fachwissen und vorbereitender Arbeit voraussetzt. Dieser vergleichsweise hohe anfängliche Aufwand macht sich jedoch bezahlt, wenn es bei etablierten Blumenwiesen heißt: Mehr bunte Lebensfreude und Biodiversität bei reduziertem Pflegeaufwand.“

Thomas Heinemann, Stadt Bad Honnef

 

 

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