Bad Honnef. Was passiert mit dem Stadtklima, wenn Grünflächen verschwinden und neue Baugebiete entstehen? Mit dieser Frage beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler in Bad Honnef seit mittlerweile sechs Jahren – und liefern inzwischen Daten, die weit über den Unterricht hinaus Bedeutung haben.
Im Rathausfoyer stellte das Netzwerk „Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“ jetzt aktuelle Ergebnisse seines Klimaanpassungsprojekts „Von Hitzeinseln zu Grünen Oasen in Bad Honnef“ vor. Eingeladen hatte der Lions Club Bad Honnef, der das Projekt seit seinen Anfängen unterstützt.
Nachhaltigkeit als gelebter Schulalltag
„Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“ zählt zu den vielfach ausgezeichneten Bildungsprojekten der Region. Unter der Leitung von Maria-Elisabeth Loevenich beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler mit Themen wie Energie, Wasser, Klimaschutz und den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen.
Die Palette der Projekte reicht von Bienenhotels und Pflanzaktionen über die Ausbildung von Abwasserbotschaftern bis hin zu Energiesparworkshops und dem Kennenlernen von Photovoltaikanlagen. Dahinter steht der sogenannte Whole School Approach: Nachhaltigkeit soll nicht nur Unterrichtsthema sein, sondern den gesamten Schulalltag prägen – von der Energieversorgung über den Umgang mit Wasser bis hin zu Biodiversität, Klimaanpassung und fairem Konsum.
Unterstützt wird das Netzwerk unter anderem von der BHAG, dem Abwasserwerk, der Bürgerstiftung Bad Honnef und dem Lions Club.
Sechs Jahre Messungen liefern wertvolle Daten
Im Mittelpunkt des Abends stand das Projekt zur Erfassung von Hitzeinseln in Bad Honnef. Ausgerüstet mit Messgeräten erfassen Schülerinnen und Schüler seit sechs Jahren Temperaturen auf Straßen, Plätzen, Schulhöfen und Grünflächen.
Die Ergebnisse bestätigen immer wieder dieselbe Erkenntnis: Versiegelte Flächen heizen sich deutlich stärker auf als Bereiche mit Bäumen, Wiesen oder Gewässern. Pflanzen sorgen durch Verdunstung für einen natürlichen Kühleffekt – ähnlich wie Schweiß auf der menschlichen Haut.
Für Maria-Elisabeth Loevenich liegt darin weit mehr als ein Schulprojekt. Die gesammelten Daten fließen inzwischen teilweise auch in die Arbeit der Stadtverwaltung und politischer Gremien ein, etwa bei den Themen Klimaanpassung, Stadtgrün oder Gewässerschutz. Das Projekt stärke die Gestaltungskompetenz junger Menschen und zeige, dass Schülerinnen und Schüler konkrete Beiträge zur Entwicklung ihrer Heimatstadt leisten können.
KI wertet tausende Messungen aus
Aus den über Jahre gesammelten Daten entwickelte der Oberstufenschüler Lukas Weichelt vom Schloss Hagerhof im Rahmen seiner Facharbeit ein KI-Modell zur Analyse der Messergebnisse.
Mehr als 500 Stunden investierte er in das Projekt. Sein Modell verarbeitet sämtliche Temperaturmessungen der vergangenen Jahre und erkennt Zusammenhänge zwischen Versiegelung, Beschattung und lokaler Erwärmung. Dabei wurden der KI keine festen Regeln vorgegeben. Stattdessen lernte sie durch den ständigen Vergleich eigener Berechnungen mit den tatsächlichen Messwerten.
„Asphalt plus Sonne plus kein Wind gleich heiß“, fasste Weichelt das Funktionsprinzip seines selbstlernenden Modells anschaulich zusammen.

Auswirkungen neuer Bebauung berechenbar
Gemeinsam mit dem IT-Unternehmen Cryptitsec entwickelte Weichelt aus seinem Modell eine Anwendung, mit der sich Auswirkungen geplanter Bebauung simulieren lassen.
Als Beispiel stellte er Berechnungen für das geplante Baugebiet Selhof-Süd vor. Demnach würde eine zusätzliche Versiegelung von 30 Prozent bei einer Außentemperatur von 30 Grad zu einer lokalen Temperaturerhöhung von rund einem Grad führen. Bei einer Bebauung von 50 Prozent steigt dieser Wert bereits auf etwa 1,8 Grad. Bei höheren Außentemperaturen fallen die prognostizierten Auswirkungen entsprechend noch deutlicher aus.
Weichelt betonte jedoch ausdrücklich, dass sein Modell keine politischen Entscheidungen treffe. Die Daten ermöglichten lediglich eine sachliche Einschätzung möglicher Auswirkungen. Ob wirtschaftliche Interessen oder klimatische Risiken höher zu bewerten seien, müsse die Politik entscheiden.
Nach seiner Einschätzung zeigt das Modell aber deutlich, dass städtebauliche Entscheidungen Auswirkungen auf das Mikroklima weit über den eigentlichen Bauort hinaus haben können. Der Verlust von Grünflächen bedeute gleichzeitig den Verlust natürlicher Verdunstungskühlung. Stattdessen speichern versiegelte Flächen Wärme und geben sie an ihre Umgebung ab.
Die App soll in den kommenden Tagen kostenlos über die Internetseite von Cryptitsec verfügbar sein.

Schon kleine Maßnahmen können helfen
Ein weiteres Ergebnis der Schülerprojekte betrifft die Entsiegelung. Nach den Messungen können bereits kleinere Unterbrechungen versiegelter Flächen zur Abkühlung beitragen.
Deshalb schlagen die Schülerinnen und Schüler unter anderem vor, Schulhöfe stärker zu begrünen und zu entsiegeln. Gerade dort verbringen Kinder und Jugendliche heute deutlich mehr Zeit als früher. Ganztagsbetreuung und Internate machten klassische hitzefreie Tage praktisch bedeutungslos. Gleichzeitig dominierten vielerorts asphaltierte Flächen und fehlende Beschattung.
Viele Ideen seien vorhanden, sagte Loevenich. Häufig scheitere ihre Umsetzung jedoch an den notwendigen finanziellen Mitteln.
Mit Blick auf den Klimawandel formulierte sie zum Abschluss eine grundsätzliche Frage an die Stadtgesellschaft: „Es muss entschieden werden, wohin man als Stadtgesellschaft will.“
Beitrag 2024
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„Ob wirtschaftliche Interessen oder klimatische Risiken höher zu bewerten seien, müsse die Politik entscheiden“.
Das klingt so, als wenn wirtschaftliche Interessen FÜR eine Bebauung sprechen und klimatische Risiken dagegen.
Dabei zeigen Zahlen zu steigenden Kosten für Bauen und Infrastruktur – und ganz neu: der mangelnde Bedarf an neu gebauten Wohnungen- , dass es sich auch wirtschaftlich für die ganze Stadt langfristig nicht lohnen wird, Selhof-Süd zu bebauen. Denn die Zahl der Wohnungen ist in den letzten 10 Jahren deutlich stärker gewachsen als die Bevölkerung (6% zu 1,6% 2015-2025, Statistisches Bundesamt). Die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf beträgt mittlerweile 49,5 m² (+7,1%). Das heißt, es gibt ein Problem mit der Verteilung des Wohnraums: die einen wohnen in zu kleinen Wohnungen (Menschen in der Familienphase), die anderen in zu großen (nach der Familienphase), hinzu kommt gewollter spekulativer Leerstand. Dagegen hilft nicht neu bauen, sondern das Umnutzen und Umbauen vereinfachen und grundsätzlich für eine gerechtere Verteilung von vorhandenen Ressourcen sorgen statt wirtschaftliche Interessen der Bauwirtschaft kurzfristig zu bedienen und die von einzelnen Grundstückseigentümerinnen.
Schülerinnen und Schüler belegen eindrucksvoll, wie Entsiegelung, Bäume und Grünflächen die Stadt messbar abkühlen. Schon kleine Eingriffe auf Schulhöfen wirken. Gleichzeitig wird diskutiert, den größten Teil der Grün- und Freifläche Selhof‑Süd zuzubetonieren.
Im heimischen Garten soll man ein paar Quadratmeter entsiegeln, und wenige Kilometer weiter stellt man eine der größten kühlenden Freiflächen der Stadt zur Disposition. Finde den Fehler! Das ist nicht nur grotesk widersprüchlich. Es ist unverantwortlich. Hitze trifft ältere Menschen, Kinder, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen und Pflegebedürftige besonders hart – und letztlich uns alle. Eine großflächige Bebauung von Selhof‑Süd hätte bleibende Folgen für Gesundheit, Wasserhaushalt und Stadtklima. Und sie mindert unsere Lebensqualität.
Ein zusätzliches Grad mag wie eine abstrakte Zahl wirken. Für viele Menschen wird es den Unterschied zwischen Belastung, Krankheit und Lebensgefahr bedeuten.
Braucht Honnef tatsächlich noch Wohnraum. Wenn ja wer kann sich bei den heutigen Grundstückspreisen nach der Bauerschließung von Honnef und den anschließenden Baukosten, selbst aus dem gut Verdienenden Mittelstand , dort Eigentum leisten ? Das belassen von Honnef sued kommt auf jeden Fall jetzt und in Zukunft allen zugute , wer profitiert dagegen ohne Zweifel aus der Umwidmung zu Bauland des auch von vielen in den letzten 40 Jahren spekulativ erworbenen Acker bzw Grünlandes . Bekanntlich hatten dort früher die Selhofer Arbeiter oder klein Bauern ihre Gärten
Gestern sind die Verantwortlichen der Stadtverwaltung über die Ergebnisse der Voruntersuchung durch NRW.Urban unterrichtet worden.
Nun wird es spannend für die Zukunft von Selhof Süd und der Horrorvorstellung der Enstehung eines neuen Satelliten Stadtteils. Das heißt, die Zei läuft, bis die Entscheidung im Stadtrat fällt, ob Selhof Süd zubetoniert wird, oder als kühler Ort für alle erhalten bleibt.