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Lesen: Frühere Kita-Leiterin darf seit 5 Wochen nicht mehr in ihre Wohnung
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Honnef heute - Presse, Nachrichten, News > Alle Artikel > Siebengebirge > Bad Honnef > Frühere Kita-Leiterin darf seit 5 Wochen nicht mehr in ihre Wohnung
Bad HonnefTitel

Frühere Kita-Leiterin darf seit 5 Wochen nicht mehr in ihre Wohnung

Als Schwerbehinderte findet sie keine Unterstützung und hat Angst vor Obdachlosigkeit

Letztes Update: 19.10.2024
Honnef heute
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6 Min Lesezeit
barbara bohnen
Barbara Bohnen hat 27 Jahre in der evangelischen Kita Unterm Regenbogen gearbeitet
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Bad Honnef – Seit dem 23. August 2024 besteht in der Kita Unterm Regenbogen ein Betretungsverbot. Der Grund sind Bauschäden an der Deckenkonstruktion, die die Stadt wegen möglicher Gefahren dazu veranlasste, die Räumlichkeiten zu sperren. Zunächst wurde ein Betretungsverbot bis zum 30.8. ausgesprochen.

Bis heute konnte der Kitabetrieb nicht in vollem Umfang wieder aufgenommen werden. Ein Anbau ist von dem Schaden nicht betroffen. Dort findet zwar wieder regelmäßig Betreuung statt, aber zeitlich deutlich reduziert. Ebenso verhält es sich in den Ersatzräumen im Bunten Haus und im Jugendbereich der Ev. Kirchengemeinde in der Luisenstraße.

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Für die Eltern, Kinder, die Mitarbeiter und den Träger ist die Situation fatal. Während der Träger nicht die volle Vertragsleistung zur Verfügung stellen kann, haben vor allem berufstätige Eltern teilweise erhebliche Probleme mit ihrer Alltagsorganisation. Finden sie keine Ersatzlösung für die Betreuung ihrer Kinder, müssen sie sich Urlaub nehmen oder um Sonderregelungen bitten. Im schlimmsten Fall müssen Eltern ihren Arbeitsplatz aufgeben oder sie arbeiten nur halbtags, was ein enormes Loch in die Wirtschaftskasse reißt.

Mittlerweile deutet einiges darauf hin, dass es ein ganzes Jahr dauern kann, bis die Kita wieder voll funktionsfähig ist und dass es bei der Sanierung um viel Geld geht.

Der stellv. DIACOR-Aufsichtsrat, Uwe Löttgen-Tangermann („Unser Kindergarten hat einen Dachschaden – und zwar einen erheblichen“), veröffentlichte in einem Beitrag in der kircheneigenen Zeitschrift „Angebote“: „Wie das alles behoben werden kann, weiß im Augenblick noch niemand so recht. Nur eines ist schon jetzt klar: Es dauert und kostet sehr viel Geld.“ Außerdem informierte er darüber, dass es eine „Versicherung für Deckenbalken, die nach 50 Jahren brechen, und Bindekonstruktionen, die aus dem Leim gehen“, nicht gebe.

Aber es sind auch andere Personen von der Situation betroffen. Denn die Kita Unterm Regenbogen vermietet in dem betroffenen Gebäude zwei Wohnungen. Eine wird von der früheren Kindergartenleiterin, Barbara Bohnen, genutzt. Die Pädagogin hatte bis zu ihrer Verrentung mit 65 Jahren 27 Jahre in der evangelischen Einrichtung gearbeitet, seit 2011 als Leiterin. Auch sie ist von dem Betretungsverbot betroffen. Was bedeutet: Sie kann nicht mehr in ihre Wohnung.

Am 4.9. wurde ihr telefonisch vom Vermieter mitgeteilt, dass sie ihre Wohnung verlassen müsse. Da es keine behördliche Aufforderung bis dahin gab, blieb sie noch zwei Tage in ihrem Zuhause. Dann war eine Reise nach München geplant, zur Einschulung der Enkeltochter.

Wissen muss man, dass die 70-jährige frühere Kitaleiterin zu 80 Prozent mehrfach behindert ist, eine Sehbehinderung und eine Gehbehinderung hat. In ihrem Behindertenausweis ist ein B vermerkt, was bedeutet, dass sie zur kostenlosen Mitnahme einer Begleitperson berechtigt ist.

koffer
In ihrer jetzigen Unterkunft kann Barbara Bohnen nicht mehr lange bleiben. Die Sachen sind schon gepackt. Ihre Wohnung am Feilweg kann sie nicht betreten

Als sie aus München zurückkam, ging sie wieder in ihre Wohnung („Wo sollte ich denn hin?“), rief bei der Stadt an. Statt Hilfe zu bekommen, erfuhr sie das Gegenteil: „Ich bin angebrüllt worden, mir ist mit Strafe gedroht worden. Was mir einfiele, meine Wohnung zu betreten!“ Bis 13 Uhr solle sie die Wohnung verlassen. So etwas hätte sie ihr ganzes Leben noch nicht erlebt.

Notdürftig packte sie einige Sachen zusammen und bat ihren Bekannten um Hilfe. Obwohl er selbst nur eine kleine Wohnung in Unkel bewohnt, kam Barbara Bohnen bei ihm vorläufig unter, wohnte aber auch zwischenzeitlich bei Freundinnen. Beiden ist klar, dass das kein Dauerzustand sein kann, zumal die Wohnung ihres Bekannten im zweiten Stock liegt und alles andere als behindertengerecht ist. „Das war eine Situation, in der mir fast der Boden unter den Füßen weggezogen wurde“, äußert sie sich immer noch geschockt.

Trotz Wohnungslosigkeit fand die schwerstbehinderte Frau bislang weder eine adäquate Unterkunft noch eine amtliche Stelle, von der sie in ihrer Notlage Unterstützung erhielt. Und auch der Vermieter, die DIACOR Gesellschaft für diakonische Aufgaben mbH, ist ihr keine Hilfe. Eine Ersatzwohnung konnte er ihr nicht anbieten (und ist in diesem besonderen Fall wohl auch nicht dazu verpflichtet).

Seit vier Wochen sei sie nun obdachlos, schrieb Barbara Bohnen an ihren Vermieter, pendele zwischen verschiedenen Wohnnotstellen hin und her, was wegen ihrer hohen Mobilitätseinschränkung und ihrer Schwerbehinderung eine unzumutbare Belastung für sie sei. Bei ihrem Bekannten könne sie wegen der Enge und der für eine behinderte Person schlechten Wohnungssituation auch nicht viel länger bleiben.

Gerne will die frühere DIACOR-Mitarbeiterin in ihrer Wohnung am Feilweg bleiben. Ginge das nicht, würde sie sich um eine dauerhafte Wohnlösung kümmern. Die untragbare Situation müsse ein schnelles Ende finden. Deshalb brauche sie jetzt Klarheit.

Ein schnelles Ende könnte beispielsweise herbeigeführt werden, wenn bekannt wäre, ob Barbara Bohnens Wohnung überhaupt gefährdet ist. Offensichtlich ist eine Aussage dazu auch nach fünf Wochen nicht möglich.

„Alle Menschen sind gleich“, sagt die frühere Erzieherin, aber nach 27 Jahren hätte sie sich von ihrem ehemaligen Arbeitgeber mehr Empathie gewünscht. Nie sei jemand auf sie zugegangen, habe sich für ihre Situation interessiert, auch die Pfarrerin und der frühere Pfarrer nicht. Für sie sei das eine menschliche Enttäuschung.

 

Die gute Nachricht: Zwei Tage nach Veröffentlichung:

Ex-Kitaleiterin kann wieder in ihre Wohnung

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3 Kommentare
  • Anna sagt:
    15. Oktober 2024 um 9:44 Uhr

    Guten Morgen

    Die Situation die Fr. Bohnen zur Zeit erlebt ,wünscht sich niemand und macht schon nachdenklich. Ich bin davon überzeugt das sich der ein oder andere der Leser und Leserinnen die in Bad Honnef und Umgebung wohnen und ggf. Vermieter einer Wohnung sind, hier Fr.. Bohnen helfen können ……als Übergangslösung bis das *alte Zuhause * wieder beziehbar ist. Schaun, Sie FR. Bohnen doch mal im Internet in den Immobilienmarkt z. Z t werden behinderte gerechte kl. Wohnungen in Unkel – Scheuren ehemals Betreues Wohnen Pflegeeinrichtung 1 bis 2 Zi Wohnungen angeboten ..Alles Gute Ihnen gr- Anna

    Antworten
  • B. sagt:
    15. Oktober 2024 um 16:45 Uhr

    Fassungslos lesen sich bislang alle Berichte zum Dilemma „KITA unterm Regenbogen“. Nun dieser Bericht – wie grausam und unmenschlich schlägt der Bürokratismus hier zu?
    Gibt es keine vorübergehende Bleibe von DIACOR, evangelischer Kirche und Stadtverwaltung organisiert für Frau Bohnen?
    Wo ist die Menschlichkeit, das christliche und soziale Engagement geblieben? Schämt sich hier niemand?
    Hauptsache die Insel bekommt Skulpturen die kein Mensch benötigt z.B….

    Antworten
  • Ich sagt:
    18. Oktober 2024 um 11:19 Uhr

    Nach anderen Angaben hat die Dame eine ihr angebotene Wohnung abgelehnt. Von außen ist es schwer nachzuvollziehen, wie das ganze tatsächlich abgelaufen ist.

    Antworten

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