Chef des Bürger- und Ortsvereins: "Die Lese bleibt akut gefährdet"

0
696

Bad Honnef/Düsseldorf | Eine bedeutende Etappe im Lösungsprozess um die Weinberge unterhalb des Siegfriedfelsens ging gestern zu Ende. Im Hause von Umweltminister Remmel wurde ein Finanzierungkonzept verabschiedet. Mit dem sind nicht alle Beteiligten glücklich. Vor allem der VVS sieht sich als Verlierer. Mit rund 500.000 EUR soll er sich an der Finanzierung der Sicherungsmaßnahmen beteiligen.

Nicht wenige Fachleute wollen keine Garantie dafür übernehmen, dass der VVS tatsächlich zur Solidarität der Region beiträgt. Am 26.9.2013 entscheidet die Mitgliederversammlung über Ja oder Nein. Selbst Bürgermeisterin Wally Feiden erklärte im Finanz- und Hauptausschuss heute, dass man abwarten müsse. Sollte sich der Verschönerungsverein nicht an der Finanzierung beteiligen, sei alles bisher Erreichte umonst gewesen. „Dann stehen wir vor einer völlig neuen Situation“.

Jörg Erich Haselier ist als Vorsitzender des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf direkt von den Auswirkungen der Weinbergsperrung betroffen. Zusammen mit der CDU-Landtagsabgeordneten Andrea Milz reichte er bei der NRW-Landtagspräsidentin eine Petition für die Erhaltung der Weinbergbewirtschaftung und die Öffnung der gesperrten Weinbergwege ein. honnefshopping.de wollte von ihm wissen, ob er nach der gestrigen Entscheidung zuversichtlich ist und ob der VVS bei der Lösung der Probleme bisher alles richtig gemacht hat.

 

honnefshopping.de: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Jörg Erich Haselier: Mit der sich abzeichnenden Zustimmung zur Finanzierung bin ich durchaus zufrieden. Noch zufriedener wäre ich, wenn alle Geldgeber bereits die Zustimmung ihrer Gremien hätten. Unzufrieden bin ich damit, dass das Betretungsverbot und die Wegesperrung weiter andauert. Die Lese 2013 bleibt akut gefährdet. Dass der Zaun bestenfalls in mehreren Wochen steht, kann mich auch nicht zufrieden machen. Unzufrieden wäre ich, wenn Rebflächen netto verloren gingen.

honnefshopping.de: Wer hatte maßgeblich Anteil daran, dass es jetzt zu diesem Lösungskonzept kam?

Jörg Erich Haselier: Die wahren Freunde des Siebengebirgsweins, die Menschen, denen diese Kulturlandschaft ein Anliegen ist, Offizielle, die die Bedeutung der Steillagen – teils nach längerem Zaudern und Nachdruck – erkannt haben.

honnefshopping.de: Der VVS hat immer alle Verantwortung weit von sich geschoben. Aus Sicht des Eigentümers eines problemverursachenden Felsens verständlich?

Jörg Erich Haselier: Nach diesem ewig erscheinenden Warten zählt am Ende das Ergebnis.

honnefshopping.de: Hätte der VVS nicht bei der Sicherungslösung die Vorreiterrolle übernehmen müssen?

Jörg Erich Haselier: Ich möchte keine Schuldzuweisungen vornehmen. Verantwortung war immer das, was wir eingefordert haben. Ich hoffe auf ein positives Votum der VVS-Mitgliederversammlung und nehme daran teil.

honnefshopping.de: Der VVS argumentierte, Erosion und Steinschlag sei der natürlich Gang der Dinge. Ist der Verein dann nicht überflüssig, wenn er zerstörerische Natur-Entwicklungen nicht nach dem Stand der Wissenschaft regulieren will?

Jörg Erich Haselier: Einige offizielle Verlautbarungen des VVS habe ich in der jüngeren Vergangenheit nicht akzeptieren können. Mir liegt jedoch die Arbeit des VVS am Herzen und er hat einen festen Platz im Siebengebirge.

honnefshopping.de: Über 200.000 EUR hat der Verein letztes Jahr in sein eigenes Domizil, das Jagdhaus Lohrberg, gesteckt, weitere 250.000 EUR sollen für einen Ausstellungsraum ausgegeben werden. Das Sicherungsproblem in den Weinbergen war bei den Planungen schon lange bekannt. Bürger fragen sich natürlich, ob die Investitionsprioritäten gerechtfertigt sind. Was meinen Sie?

Jörg Erich Haselier: Das ist nun Historie und wenn in den Gremien des VVS aufzuarbeiten.

honnefshopping.de: Auf seriösen Facebookseiten ist wegen des Verhaltens des VVS zum Weinbergproblem von angekündigten Mitgliedsausstritten zu lesen. Sind Ihnen Austritte aus diesem Grund bekannt?

Jörg Erich Haselier: Nein, vor diesem Hintergrund sind mir keine Austritte bekannt.

honnefshopping.de: Wissen Sie, aus welchem Stein das Forsthaus Lohrberg, der Heimat des VVS, gebaut ist?

Jörg Erich Haselier: Trachyt? Verraten Sie es mir.

honnefshopping.de: Was geschieht jetzt mit dem Antrag an den Petitionsausschuss des Landtags, den Sie und der Weinbauverband, unterstützt von Frau Milz, gestellt haben?

Jörg Erich Haselier: Die Finanzierung steht noch nicht endgültig. Das Betretungsverbot dauert an. Die Lese bleibt akut gefährdet. Eile tut not. Da habe ich noch keinen Grund die Anrufung des Petitionsausschusses als erledigt anzusehen. Fragen Sie mich das nochmal, wenn alle Gelder auf dem Konto sind und der Zaun im Bau.

honnefshopping.de: Wird die Mahnwache mit Kundgebung am 29. September jetzt auch noch stattfinden?

Jörg Erich Haselier: Aber ja doch. Kommen Sie alle am 29.9. nach Rhöndorf. Das sind wir der unsicheren Zukunft der Lese 2013 schuldig und den Fragezeichen, die noch bestehen.

 

 

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein