Der 8. März und der lange Weg zur Gleichberechtigung

Gesellschaftliche Krisen treffen Frauen besonders hart. Nach zwei Jahren Pandemie zieht das Frauenzentrum Bad Honnef am diesjährigen Weltfrauentag Resümee.

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Symbolfoto

Bad Honnef – Ein Großteil der Klientinnen im Frauenzentrum sind ‚Hausfrauen‘. Selbst wenn sie erwerbstätig sind, sich in Elternzeit befinden oder Sozialhilfe empfangen, sind sie es, die sich hauptsächlich um Kinder und den Haushalt kümmern oder Pflegearbeiten übernehmen.
In den letzten zwei Jahren, mit der Corona-Krise, hat sich das verstärkt. Kam es für die Kinder zu Schulausfall oder Home Schooling, war es oft unhinterfragt die Frau, die Betreuungsaufgaben übernahm: „Viele Klientinnen erzählten von Doppelt- und Dreifachbelastung, oft verbunden mit finanziellen Abhängigkeiten von ihren Ehepartnern. Traditionelle Rollenbilder haben sich verstärkt“, so Mitarbeiterin Lisa Schulte.

Hausarbeit ist unbezahlte und in unserer Gesellschaft oft auch unsichtbare Arbeit. Und sie bringt langfristige finanzielle Nachteile mit sich. Mitarbeiterin Anouk Sterr berichtet: „Frauen leisten in Deutschland mehr als doppelt so viel häusliche Sorgearbeit wie Männer und sind doppelt so häufig von Altersarmut betroffen. Das ist ein großes Problem! Zusätzlich sind rund 80% des Personals in Pflegeberufen Frauen. Die Krise hat gezeigt, dass es hier dringend verbesserte Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung braucht.“

Wenn Frauen unter diesen Bedingungen häusliche oder sexualisierte Gewalt im familiären Nahbereich erleben, erhöhen sich Kontrolle und Abhängigkeit. „Viele Frauen waren in der Pandemie dem gewalttätigen Partner oder Familienmitglied stärker ausgeliefert und konnten sich schwerer Hilfe holen.“, sagt Christine Hütten, Fachberaterin für häusliche Gewalt. „Aber wir waren die ganze Zeit da und sind es weiterhin, für alle Frauen und Mädchen ab 16 Jahren im Rhein-Sieg-Kreis, ob bei Gewalt, Krisen oder sonstigen Problemen.“

Das Frauenzentrum setzt heute ein klares Zeichen für Selbstbestimmung und gegen Gewalt: „Wir fordern ein gewaltfreies Leben für Frauen und Mädchen und Gleichberechtigung. Dafür braucht es Sichtbarkeit und eine faire Verteilung von privater und beruflicher Sorgearbeit.“

Anouk Sterr

Frauenzentrum Bad Honnef, Hauptstraße 20a
Telefon: 02224-10548 (Mo-Do 10:00-12:00 Uhr)
Mail: info@frauenzentrum-badhonnef.de

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