Ehemaliger Bad Honnefer Ratsherr unterstützt Flüchtlingshilfe an der ukrainischen Grenze

Michael und Christiane Lingenthal berichten über Fahrt vom 25. Feb. bis 3. Mrz. 2022 nach Sečovce (Romaprojekt „Habeš“ der Caritas-Košice)

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Michael und Christiane Lingenthal am Tag ihrer Verabschiedung in Rhöndorf

Bad Honnef – Lange Jahre hat Michael Lingenthal als Mitglied des Stadtrates und verschiedener Ausschüsse die Politik in Bad Honnef mitgestaltet. Außerdem war er Vorsitzender der CDU Bad Honnef.

Im letzten Jahr hat er alle Ämter abgegeben und ist mit seiner Frau in seine ursprüngliche Heimat nach Niedersachsen gezogen. Trotzdem kommt er immer wieder nach Bad Honnef zurück, um an bestimmten Veranstaltungen teilzunehmen oder sich sozial zu engagieren.

In Osten der Slowakei, 25 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, unterstützten er und seine Frau seit vielen Jahren ein Romazentrum der Caritas-Kosice. Jetzt haben sie die Hilfsfahrten „umgepolt“ und unterstützen die Flüchtlingshilfe dieses Zentrums. Für Honnef heute schrieb er einen Bericht.

Bitte fangt an zu sammeln oder finanzielle Unterstützung zu geben

Von Michael und Christiane Lingenthal

Wir saßen beim Mittagessen. Ein Anruf für Janetta (Leiterin der Sozialstation für die Roma). Die Feuerwehr am Telefon. Sie fragt, ob 2 Frauen mit Kindern aus der UKR zur Sozialstation gebracht werden können. Es gab einen Unfall. Die Feuerwehr weiß nicht, wohin mit den Flüchtlingen. Sofortige Zusage von Janetta. Kurz darauf fährt ein Feuerwehr-wagen vor. Verstört steigen zwei Frauen aus, weinende Kinder auf dem Arm und dazu ein Junge von vielleicht acht Jahren. Sie werden sofort aufgenommen und von Sr. Bernadetta und Janetta getröstet und versorgt.

Was war geschehen? Vier Tage waren die Flüchtlinge in einem Lieferwagen von der Ostukraine (Donbass) ohne Pause unterwegs. Vor Sečovce ein Unfall. Der Fahrer rammte vier Autos, wohl Übermüdung. Die Polizei vor Ort, die Unfallgegner wollten Geld sehen. Der Lieferwagen defekt. Zunächst verlangte die Polizei für die Unfallbeteiligten 800€. Ein Feuerwehrmann handelte diese Schadenssumme auf 150€ runter. Da die Familie kein Bargeld hatte, zahlte der Feuerwehrmann die 150€ aus eigener Tasche, brachte die Flüchtlinge zur Sozialstation und verschwand. Solche Hilfe wird derzeit von vielen Menschen geleistet. Ohne Rücksicht auf das eigene Einkommen und ohne Nachfrage wird geholfen, wo Not ist.

Wir haben uns aus der Reisekasse beteiligt, damit die Flüchtlinge nach Kattowitz zu Familienangehörigen gebracht werden können. Cyril Korpesio hat ein Auto der Caritas mit Fahrer organisiert. Mütter und Kinder wurden in der Sozialstation aufgenommen, versorgt und können sich zunächst erholen. So sind jetzt viele Frauen mit Kindern oder Großeltern über 60 unterwegs. Ohne Sicherheit, dass sie ihre Männer, Väter, Brüder … je wiedersehen werden. Ohne Ahnung, wie lange sie von ihrer Heimat weg sein werden und ob nach Putins Krieg überhaupt eine Rückkehr möglich ist.

Die Hilfsfahrt von Christiane und mir war für die Unterstützung des Romaprojektes der Caritas-Košice in Sečovce geplant. Ein Projekt der Abtei Maria Laach und des Kellerladen e.V. (Köln). Doch dann überrollten uns buchstäblich die Ereignisse. Die Fahrt wurde auf Flüchtlingshilfe umgepolt. Eine Hilfe, die von der Sozialstation für Roma ausgeht. Die Roma haben nicht viel, benötigen in ihrem Lager gerade im Winter selbst Hilfe. Aber jetzt sind sie dabei, wenn die Flüchtlinge unterstützt werden und wenn das Caritas-Team z.B. an die Grenze fährt und heiße Getränke und warme Mahlzeiten verteilt.

Die Hilfsbereitschaft der Slowakei ist enorm. Derzeit sind Lager gefüllt und die Versorgung ist – durch spontane Hilfe – gesichert. Kommunale Krisenzentren werden aufgebaut, auch in Sečovce, damit der Flüchtlingsstrom geordnet werden kann.

Jetzt ist die Versorgungslage stabil. Doch ist die bange Frage, wie es in ein paar Wochen oder gar Monaten aussieht. Werden dann die Hilfen noch gegeben sein? Werden dann die int. Hilfsprogramme (UNO, EU, binationale Hilfen) ausreichen?

Deshalb ist es jetzt in der Phase der großen Hilfsbereitschaft wichtig Sachspenden zu sammeln, die gelagert werden können und dann verfügbar sind, wenn die allgemeine Hilfsbereitschaft nachlässt. So sind eben die Erfahrungen. Vor allem Artikel für Babys und Kinder sind gefragt. Männerbekleidung nicht, weil die Männer die Ukraine nicht verlassen wollen bzw. dürfen.

Was gebraucht wird habe ich aufgelistet. Wenn von Sečovce noch weitere Artikel genannt werden, gebe ich Nachricht. Hier die Liste, die mit dem Caritas-Team aufgestellt wurde.

Bitte fangt an zu sammeln oder finanzielle Unterstützung zu geben.

Dankbar bin ich auch für einen Hinweis auf sog. „Abverkaufsware“ oder Möglichkeiten gr. Rabatte bzw. Sachspenden gegen eine Sachspendenquittung.

Schließlich bin ich gebeten den ganz großen Dank des Caritas-Teams und seiner ehrenamtlichen Helfer in die Runde der Spender und Förderer zu überbringen.

Wir möchten zusätzliche Hilfe stimulieren. Wer in einem anderen Projekt bereits engagiert ist, soll dabei bleiben. Wir garantieren, dass die Spenden richtig übergeben werden, weil wir sie selbst per LKW hinbringen.

Für finanzielle Spenden zwei Möglichkeiten: Mit Spendenbescheinigung: (dann bitte vollständigen Namen und Adresse angeben) Kellerladen e.V.; „Flüchtlingshilfe UKR/HABES“; IBAN: DE24 3705 0198 0004 8425 14; BIC: COLSDE33XXX.

Ohne Spendenquittung auf ein ges. Konto für die Hilfsfahrten, welches ich eingerichtet habe: Michael Lingenthal; Kreissparkasse Köln; DE95 3705 0299 0141 0357 33; COKSDE33XXX

Das wird benötigt

Sachspendenbedarf Flüchtlingshilfe an der Grenze Ukraine / Slowakei über die Caritas-Košice in der Romasozialstation „Habeš“ in Sečovce/Ostslowakei

Kinder und Baby:
* Anziehsachen, Schuhe
* Kuscheltiere/Spielzeug
* Windeln aller Größen
* Babypflege (Creme, Wundcreme)
* Babymilchpulver
* Babyfläschchen
* Babybrei

* Kinderwagen / Sportbuggys

Frauen:
* Frauenhygiene
* Pflegemittel (Hautcreme etc.)

Allgemein:
* Teebeutel
* Säfte (Tetrapack o.ä.; besser als Glas)
* Zahnbürsten
* Zahnpasta
* Shampoo
* Decken
* Kissen

Und schließlich werden auch Finanzmittel benötigt, um vor Ort einkaufen zu können (Frischware, Medikamente) und Soforthilfe für Flüchtlinge zu leisten

 

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