Fahrradfahren wird im Stadtgebiet immer attraktiver

Von Thomas Heinemann

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Fahrradfestival 1
Fahrradfestival 1

Bad Honnef – Mehr und sicherere Abstellanlagen für Fahrräder, verbesserte Wegeführungen an Kreuzungen und Engstellen, Markierungsarbeiten zum Schutz von Radfahrern, beseitigte Radwegeschäden, versetzte Sperrpfosten, dazu eine umfassende Informations- und Motivationskampagne, das Fahrradfestival und der Realisierungswettbewerb BergMarken: gut anderthalb Jahre nach dem Startschuss des Stadtrates zur Umsetzung des neuen Radverkehrskonzepts hat die Fahrradmobilität in Bad Honnef zusätzlichen Rückenwind erhalten.

Das Konzept ist strategische Grundlage und Handlungsempfehlung für die Förderung des Radverkehrs im Stadtgebiet zugleich. Aufbauend auf dem Radverkehrskonzept hatte die Verwaltung am 10.06.2021 ein Maßnahmen- und Arbeitsprogramm erstellt, um die beiden Förderprojekte I „Die Radwende“ und II „Unterwegs nach Rad Honnef“ umzusetzen. Damit beweist Bad Honnef: Optimierungen und Attraktivitätssteigerungen für den Radverkehr sind mit dem entsprechenden Umsetzungswillen und finanzieller Förderung auch im vorhandenen Straßenbestand und in einer bislang vom Automobilverkehr geprägten Stadt möglich. Das ist das Zwischenergebnis zu den beiden Förderprojekten, das Anfang September der Politik vorgestellt wurde.

„Wir können dem Auto nicht mal eben ein paar Spuren von der Fahrbahn abknapsen, wie das beispielsweise Großstädte machen“, sagt Bürgermeister Otto Neuhoff, „weil unsere Straßen gar nicht so breit sind. Förderung des Radverkehrs bedeutet deswegen in Bad Honnef viel Arbeit im Detail.“ Seit der Verabschiedung des Radverkehrskonzepts im Februar 2021 arbeitet die Stadtverwaltung kontinuierlich die darin enthaltenen Aufgaben ab. Markierungen werden aufgebracht um, die Führung des Radverkehrs für alle Verkehrsteilnehmenden sicherer zu gestalten. Schlaglöcher verschwinden, Poller werden ausgetauscht oder neu gesetzt. Darüber hinaus investiert Bad Honnef in einen stetigen Ausbau der Abstellkapazitäten: Derzeit werden über 100 neue „Honnefer Nadeln“ installiert, wie das platzsparende Bügelmodell intern liebevoll genannt wird. Nicht, ohne sich dessen bewusst zu sein, dass der Bedarf an Abstellmöglichkeiten damit noch lange nicht gedeckt ist.

„Auch hinter scheinbar kleinteiligen Maßnahmen steckt für uns jede Menge Arbeit“, erklärt Johanna Liel: „Verkehrsplanung und Verkehrslenkung müssen entsprechend der Richtlinien und mit Bedacht vorgenommen werden, sodass eine vermeintlich einfache Idee nicht immer in kürzester Zeit realisiert werden kann.“ Bürgermeister Otto Neuhoff nennt die Förderung des Radverkehrs dennoch eine dankbare Aufgabe. „In keinem anderen Aufgabenbereich können wir schon mit kleinen Schritten eine so große Wirkung für den Klimaschutz erzielen.“

Seit Juli 2021 stehen außerdem Mietfahrräder von nextbike in Kooperation mit der Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft RSVG auch in Bad Honnef zur Ausleihe zur Verfügung. Das Netz der RSVG-Bikes soll in den kommenden Monaten weiter ausgebaut und um E-Bike-Stationen ergänzt werden.

Das Bewusstsein der Menschen erobern

Besonderen Schwung brachte Bad Honnef zuletzt dabei auf, das Fahrrad in den Köpfen der Menschen zu platzieren, ebenfalls mit Unterstützung aus Bundesmitteln. Den Anfang machten die fünften Klassen an drei weiterführenden Schulen, die sich im Rahmen einer Projektstunde im Juni 2021 mit dem Radfahren auseinandersetzen. „Wir wollten erfahren, wie es speziell den Kindern, die gerade auf die weiterführende Schule gewechselt sind, beim Radfahren geht, und möchten ein Stück weit auch Schlüsse daraus ziehen, an welchen Stellen wir als Stadt für Verbesserungen sorgen sollten“, so Anke Keller.

Im August 2021 bot Bad Honnef dann den Schauplatz für eine besondere Veranstaltung: Ein ganzes Sommer-Festival drehte sich rund um das Fahrrad. Während die Gäste auf dem Marktplatz Live-Musik genießen konnten, ging es an weiteren Stationen im Stadtgebiet darum, das neue Radwegenetz im Stadtgebiet, welches eigens für den Tag probeweise ausgeschildert worden war, im Rahmen einer Schnitzeljagd Hinweise zu erkunden und dabei spielerische Aufgaben zu lösen— beispielsweise per Fahrrad den Strom für eine Carrera-Bahn zu erzeugen. Umgekehrt konnten die Besucher:innen überall auch ihre Anmerkungen zu ihren eigenen Erlebnissen auf und mit dem Fahrrad in Bad Honnef loswerden. Das Schmelztal war erstmals völlig autofrei zu erleben. Aufgrund der guten Resonanz wurde das autofreie Schmelztal im Sommer 2022 wiederholt.

Ein Realisierungswettbewerb im Frühjahr 2022 hat Ideen gesammelt, wie die Wegstrecke durch das Mucherwiesental für Radfahrer attraktiver gestaltet werden kann, um sie als Alternative zum Schmelztal für Radfahrende attraktiv zu machen. Unter den aus ganz Deutschland eingegangenen Einsendungen wählte die Preisjury den Entwurf aus, der Zitate von Guillaume Apollinaire und Ludwig van Beethoven auf Stelen entlang der Strecke inszeniert. „Wir haben sehr gute und auch sehr kreative Beiträge aus ganz Deutschland erhalten. Für unser Preisgericht war es keine leichte Aufgabe, einen SiegerInnenentwurf zu ermitteln“, fasst Johanna Liel zusammen.

Immer mehr gute Momente auf dem Fahrrad

Den vorläufigen Abschluss der Kommunikationskampagne markierte dann das ›Fest der Flicken‹ im Juni 2022. Bürger:innen diskutierten und gestalteten interaktiv das Bild von den Straßen der Zukunft mit. Es galt, sich über Ausbaupläne für Straßen und über die Verteilung von Radabstellanlagen Gedanken zu machen und darüber mit Mitarbeiter:innen der Verwaltung ins Gespräch zu kommen. Ein Coffee-Bike und Sitzmöbel luden derweil in der Weyermannallee zum Verweilen ein — und zum Genießen des öffentlichen Raums, wie er ohne Autoverkehr sein kann. Am Marktplatz konnten Teilnehmende ihr Fahrrad kostenlos durchchecken lassen.

Als Klammer für die jüngste, aber auch für die künftige Öffentlichkeitsarbeit für das Radfahren hatte Bad Honnef sich eine eigene Fahrradmarke entwickeln lassen. „Beim Radfahren geht es nicht nur um den reinen Transport von A nach B, sondern darum, schöne Momente zu sammeln, während ich unterwegs bin“, begründet Holger Heuser, Erster Beigeordneter der Stadt Bad Honnef, die Marke FahrRADMOMENTE. „Zur feinen Lebensart, die in Bad Honnef ein Zuhause hat, gehört es auch, achtsam die Umgebung wahrzunehmen und aus den Erlebnissen auf dem Fahrrad Freude und Motivation zu ziehen.“

Die städtischen Farben Weiß, Rot und Blau seien in dem Logo auf clevere Weise zu einem Stapel aus Foto-Rahmen verarbeitet worden. Neuhoff bringt die Radverkehrsförderung der Stadt Bad Honnef insgesamt so auf den Punkt: „Wir möchten den Menschen in Bad Honnef immer mehr gute Momente auf dem Fahrrad bescheren. Dafür werden wir uns auch künftig ins Zeug legen.“

Eine fahrradfreundliche Verkehrsinfrastruktur anbieten

Neben den Maßnahmen zur kommunikativen und motivierenden Förderung des Radverkehrs wurde seit Beschluss des Radverkehrskonzepts auch in die bauliche Verbesserung und Attraktivitätssteigerung des Fahrradinfrastruktur investiert.
So sind die Poller an der Brücke Girardetallee/Austraße und an der Brücke am Spitzenbach durch fahrradfreundlichere und für Radfahrer auch in der Dunkelheit besser sichtbare Poller ersetzt. Optimiert wurde auch die Radführung im Kreuzungsbereich der Hauptstraße Ecke Wilhelmstraße. An der Karl-Broel-Straße weist ein sogenanntes Bodenkissen Radfahrer auf eine gefährliche Einmündungssituation hin, an der Aufmerksamkeit für die Einmündung erzeugt und das Fahrradtempo reduziert wird.

An mehreren Stellen wurden Asphalt- bzw. Fahrbahnreparaturen durchgeführt.
Im Bereich der Fußgängerzone und der weiteren Hauptstraße wurden zehn Fahrradabstellanlagen, die „Bad Honnefer Nadeln“ versetzt. Insgesamt 100 weitere Poller wurden in den vergangenen Wochen geliefert. Der Einbau der neuen Abstellanlagen an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet hat bereits begonnen.

 

1 Kommentar

  1. Vergangenes Wochenende ist mir bei aller Liebe zum Fahrrad ein Problem begegnet, von dem ich ziemlich sicher annehmen darf, dass es bei den Überlegungen zum Ausbau von Fahrradstrecken nicht in Betracht gezogen wurde.

    Auf der Hauptstrasse Richtung Rhöndorf/Honnef ( je nach Seite ) sind Fahrrad- und Fusswege an einigen Stellen auf einem Bürgersteig. Ich ging da lang, zusammen mit meiner Frau, die einen Rollator braucht. Entgegen kam uns eine ältere Dame, ebenfalls mit einem Rollator. Einzige Ausweichmöglichkeit : der Fahrradweg. Es kam in dem Moment zum Glück kein Rad.

    Auch Radfahrer haben Regeln zu beachten, und das muss ganz klar und deutlich überall, ggfs. auch mit Schildern unterstrichen werden : alte, behinderte Menschen und ihre Begleitpersonen haben in jedem Fall auf solchen Strecken ein absolutes Vorrecht. Auf das schwächste Glied in einer Gemeinschaft ist systematisch Rücksicht zu nehmen. Dass Wege für Fussgänger immer enger werden, ist insofern bedenklich, als jeder Anrecht auf Sicherheit im Verkehr hat. Solche Gedankengänge sind in die nächsten Planungen mit einzubeziehen.

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