„Lebendige Stadtmitte“ sieht nicht nur Handlungsbedarf bei Leerständen

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl in der KASch

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Geschäftsfaufgabe in der Kirchstraße

Bad Honnef – Nur zwei Prozent der Bürgerinnen und Bürger des Rhein-Sieg-Kreises, die nicht in Bad Honnef leben, gehen in der Badestadt zum Shoppen. Das ergab kürzlich eine Forsa-Umfrage, die der General-Anzeiger und Radio Bonn/Rhein-Sieg in Auftrag gegeben haben. Für den Bad Honnefer Einzelhandel kein schmeichelhaftes Ergebnis.

Seit Jahren kämpft die City gegen Umsatzeinbußen und für mehr Kundschaft. Ein wegweisendes Konzept kam bislang nicht zustande. Auch die Leerstandsituation gibt keinen Grund zur Freude.

Vor zwei Jahren gründeten Immobilieneigentümer und Bewohner Bad Honnefs den gemeinnützigen Verein „Lebendige Stadtmitte Bad Honnef“. Dessen Ziel ist es, die Entwicklung „unserer liebenswerten Stadt – besonders der Innenstadt“ in positive Bahnen zu lenken. Und dabei setzen sich die Mitglieder unter anderem mit dem Ausbauprogramm rund um den Saynschen Hof und der Innenstadtentwicklung auseinander.

Fragen zur Innenstadtentwicklung

Nach zwei Jahren fand heute turnusmäßig die Mitgliederversammlung mit Vorstandswahl in der Aula der Konrad-Adenauer-Schule statt. Vorab berichtete Vorsitzender Konrad Weber über die Aktivitäten des Vorstands, somit auch über die Neubauplanungen und die Neugestaltung der Innenstadt.

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Vorstand „Lebendige Stadtmitte Bad Honnef e.V.“: v.l. Werner Wimmeroth (Beisitzer), Rainer Walkembach (Beisitzer), Dieter Schwalb (Stellv. Vorsitzender), Iris Yesudas-Michaeli (Stellv. Vorsitzende und Kassenwartin), Konrad Weber (Erster Vorsitzender). Horst Mirbach (r., bisher Beisitzer) stellte sich nicht mehr zur Wahl.

Hier gebe es noch so manche offene Frage, erklärte er, und damit meinte er nicht nur den Zeitpunkt, wann es denn endlich losgeht mit dem Bauen. Eigentlich war der Start für den Herbst vorgesehen und entsprechend mussten der Hutmacherladen und die Boutique vis-à-vis des Spielplatzes den Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe einläuten.

Vermutlich zu früh, denn das ebenfalls zum Abriss vorgesehene Bürofachgeschäft Retz, in dem mit „Aliceon“ heute ein für die Region einmaliges Medien- und Kommunikationszentrum untergebracht ist, muss erst im Februar raus.

Das sei auch der Termin, den Bürgermeister Otto Neuhoff der Lebendigen Stadtmitte als Starttermin für die Baumaßnahmen genannt habe, so Weber.

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Unter dem Gesichtspunkt Parkplatzmangel in der Innenstadt sei die Anzahl der für den Neubaukomplex vorgesehenen Tiefgaragenplätze nicht plausibel. 86 sind vorgesehen. Berücksichtige man den Bedarf an Stellplätzen für die Fahrzeuge der Bewohnerinnen und Bewohner der Anlage, sei diese Menge vermutlich zu gering, wenn dort zusätzlich ein Drogeriemarkt und ein Biomarkt auf Flächen von etwa 700 bzw. 800 Quadratmeter entstehen sollen, mutmaßte Vorsitzender Weber. Bei dem Bau einer dritten Ebene müssten deutlich mehr Vorschriften beachtet werden, informierte ein Mitglied des Vereins die Anwesenden, sodass eine Erweiterung wohl gar nicht infrage käme.

Lebendige Stadtmitte drang mit eigenen Vorschlägen nicht durch

Auch zur Neugestaltung des Franz-Xaver-Trips-Platzes hat sich der Verein Lebendige Stadtmitte Gedanken gemacht. Nicht anfreunden können sich die Vorstandsmitglieder mit einer weiteren Versiegelung der Bodenfläche. Ebenso passe eine „Rampenlandschaft“ nicht zum Stadtbild. Und der Erhalt des Charakters des Platzes als Spielplatz und Treffpunkt müsse erhalten bleiben.

saynscher hof
Spätestens im Februar 2023 sollen hier die Bagger anrollen

Zu vielen Themen hätte der Vorstand Vorschläge gemacht und versucht, sie beispielsweise im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung im Rathaus zur Diskussion zu bringen. Die beiden Veranstaltungen seien allerdings so chaotisch verlaufen, dass dies unmöglich gewesen sei. Auch warte man immer noch auf die angekündigten Ergebnisse einer Überarbeitung der bisherigen Entwürfe der Innenstadtentwicklung.

Vor einer großen Herausforderung würde die Innenstadt in den nächsten Jahren bei der Neuorganisierung der Energieversorgung stehen, ist sich Konrad Weber sicher. Hinsichtlich klimaschonender Energie- und Wärmeversorgung der Gebäude will sich der Verein mit Stadt und BHAG zusammensetzen.

Problem Leerstände

Für sehr problematisch hält Weber die Ist-Situation bei den Leerständen in der City. Auf der Hauptstraße zwischen Kreissparkasse und Linzer Straße habe er ohne die beiden bereits geräumten Geschäfte neben Aliceon 11 leere Ladenlokale und zwei nicht mehr vorhandene Gaststätten gezählt. Es gebe ein Landesförderprogramm „Zukunft Innenstädte“, an dem sich Bad Honnef bislang nicht beteiligt hätte.

Königswinter erhielt 2021 über 60.000 EUR Fördermittel, Bad Honnef wollte sich damals aus „Kapazitätsgründen“ nicht beteiligen.

Mit neuen Flyern und anderen Werbemitteln will sich „Lebendige Stadtmitte“ in Zukunft noch mehr in der Öffentlichkeit bekannt machen. Unterstützt hat der Verein in diesem Sommer auch die Sundowner Konzerte von Stegreif und Ohrenschmaus auf dem Marktplatz. Um noch effektiver für den Aufschwung der Innenstadt tätig sein zu können, wird bald ein Kooperationsvertrag mit dem Centrum e.V. geschlossen, verriet Konrad Weber.

Bei der anschließenden Vorstandswahl wurden bis auf Horst Mirbach (Beisitzer), der sich nicht erneut zur Wahl stellte, alle bisherigen Mitglieder wiedergewählt: Erster Vorsitzender Konrad Weber, Stellvertretender Vorsitzender Dieter Schwalb, Stellvertretende Vorsitzende und Kassenwartin Iris Yesudas-Michaeli, Beisitzer Rainer Walkembach. Für Mirbach wurde der Physiotherapeut Werner Wimmeroth als Beisitzer gewählt.

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