Politische Verteilungskämpfe verhindern Mobilität Behinderter

Bad Honnef | Reisende mit Handicaps haben es in Bad Honnef äußerst schwer. Im Bahnhof Bad Honnef kommen sie ohne Behindertenaufzug erst gar nicht ohne fremde Hilfe auf die Bahnsteige, in Rhöndorf schaffen sie es nur in Fahrtrichtung Bonn.

Seit 2011 kämpft der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf, unterstützt von anderen Organisationen, für einen behindertengerechten Umbau der Bahnanlage. Null Erfolg. Und das, obwohl Bad Honnef ein stadteigenes Grundstück für eine Lösung zur Verfügung gestellt hat.

Heute trafen sich auf Einladung von Jörg Erich Haselier und Andrea Milz Mitglieder des Düsseldorfer Petitionsausschusses, Landes-,Kreis- und Lokalpolitiker, Bürgermeister Otto Neuhoff, Landrat Sebastian Schuster und Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS), am Ort der Verzweiflung. Trotz des hochkarätigen Besuches im Zeitalter von Inklusion und Mobilitätsgarantien wurde schnell klar: Mobilitätseingeschränkte Menschen fahren in Rhöndorf mindestens bis 2020 weiterhin „eingleisig“. Wenn nicht noch länger.

Die Hoffnung auf eine absehbare Lösung nahm Norbert Reinkober den Anwesenden schnell: „Die Kassen sind leer, kein Cent steht zur Verfügung, so traurig das auch ist“.

Schuld daran sind die Verteilungskämpfe in Bund und Land. Stichworte: Länderfinanzausgleich, Soli. Bis Ende des Jahres ist keine Einigung in Sicht. Für die Bürger bedeutet das: Nichts verbessert sich.

Im Gegenteil. Die jetzt schon marode Infrastruktur verschlechtert sich weiter, die Umweltbelastung wird zunehmen. Denn: Fehlt für den Nahverkehr eine funktionierende Infrastruktur, „satteln die Fahrgäste wieder auf das Auto um“, stellen die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP/FW im Zweckverband Nahverkehr Rheinland in einer gemeinsamen Erklärung fest. Sie fordern nun Bund und Länder auf, den regionalen Nahverkehrs-Exodus schnellstens zu verhindern.

Kritiklos kann sich aber auch die Stadt nicht aus der Affäre ziehen. Lange habe niemand so richtig gewusst, welche Prioritäten die Stadt den beiden Bahnhöfen beimisst, merkte Norbert Reinkober an. Einerseits ging es um den barrierefreien Zugang in Bad Honnef, andererseits um einen behindertengerechten in Rhöndorf. Die Bahn hielte sich nun einmal streng an eine Prioritätenliste. Ist die Wichtigkeit nicht geklärt, macht die Bahn nichts.

Aber auch zahlenmäßig zählt Rhöndorf für die Bahn mit 700 täglichen „Einstiegen“ nicht zu den Top 10 in NRW. Deshalb empfahl er, die politische Argumentation zu verstärken. Es müsse einfach noch deutlicher werden, wie zwingend ein behindertengerechter Bahnhof für die Stadt ist.

Keinen Zweifel hat Bürgermeister Otto Neuhoff an der Vorrangstellung des Rhöndorfer Bahnhofs in Bad Honnef gelassen, auch nicht die Internatsschüler des Hauses Rheinfrieden. Für sie bedeutet der Haltepunkt Mobilitätsgarantie.

Jörg Erich Haselier, der zusammen mit der Landtagsabgeordneten Andrae Milz seit Jahren für eine Verbesserung der Situation auf politischer Ebene kämpft, hofft nun auf ein neues Modernisierungspaket der Bahn und eine Weichenstellung bis 2018. Haselier: „Es muss dringend etwas geschehen.“

Dr. Norbert Reinkober sieht einen noch viel besseren Weg, um schnellstmöglich die Situation für die Bad Honnefer Bahnfahrer zu verbessern: Die Landesgartenschau. Würde Bad Honnef Austragungsort, wären die Voraussetzung für eine nachhaltige Verkehrs-Infrastruktur ganz andere. „Das kann ich nur empfehlen“.

Auch viele Bürgerinnen und Bürger wohnten dem Ortstermin bei
Auch viele Bürgerinnen und Bürger wohnten dem Ortstermin bei

 

2 Comments

  1. Wieder mal viel Gerede um nichts. Die Bahn stellt sich sturr. Sie ist sogar der Meinung, dass ein Rollstuhlfahrer ja bis Koblenz durchfahren könnte dort umsteigen und dann wieder zurückfahren, ein Umweg von ca. 2,5 Stunden (wurde bei einem Ortstermin in 2011 vorgeschlagen). Wie weltfremd ist das denn?. Man solte die Herrschaften mal in einen Rollstuhl setzen vielleicht denken sie dann anders. Komme mir bald vor wie ein Hund. Behinderte müssen draussen bleiben. Es sei nochmals gesagt der Wille der Stadt und der kommunalen Politik da.ist Es ist eine Schande für den sogenannten Sozailstaat Deutschland. Sozial ist hier schon lange nichts mehr!!!

  2. Lektion gelernt oder nicht gelernt? – Die von der Bahn ins Feld geführten Fahrgastzahlen müssen auch für die Honnefer Politik endlich eine Rolle spielen. Denn sie spiegeln nicht nur den Bedarf allgemein, sonder insbesondere auch das Verhältnis der in Bad Honnef lebenden mobilitätseingeschränkten Bürger wieder. 300 Meter vom Bahnhof entfernt liegt z.B. das Seniorenheim Haus Abendfrieden – wen hat das in der bisherigen Diskussion gekümmert? Wertvolle Zeit ist verlorengegangen, weil die Prioritäten sachlich und taktisch falsch gesetzt wurden. Es bleibt, was immmer schon richtig gewesen wäre: Sich gemeinsam hinter einen barrierefreien Ausbau des Hauptbahnhofs zu stellen. Um mit der Bahn, nicht gegen sie, etwas zu erreichen.

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