Ratsmitglieder loben Verwaltung für tolle Wirtschaftsförderung, wollen aber „mitgenommen“ werden

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Bad Honnef | Das ging Bürgermeister Otto Neuhoff in der Ratssitzung Donnerstagabend sicherlich runter wie Öl. Kaum hatte seine Wirtschaftsförderin, Johanna Högner, einen Sachstandsbericht über die aktuelle Wirtschaftslage Bad Honnefs abgegeben, brach Jubel aus. Klaus Munk von der SPD sprach von einer bisher großen Leistung, Rainer Quink von der FDP sieht das Erreichte im Bereich Wirtschaftsförderung nur positiv und auch Klaus Wegner von den Grünen fand lobende Worte und stellte mit Blick auf die letzten Jahre fest, die Stadt sei in der Vergangenheit in diesem Bereich nicht gerade verwöhnt worden.

Dabei schenkte Johanna Högner den Stadtvertretern auch einen kräftigen Wermutstropfen ein. Denn Flächen für Gewerbeansiedlung gebe es kaum noch. Högner: „Wir haben ein Angebotsproblem.“ Restflächen, die in Privatbesitz seien, stünden zurzeit nicht zum Verkauf. Bei der Vermarktung des Dachsbergebietes habe man ziemlich geschlampt. Immerhin würde sich die Weltfirma Wirtgen mit einem Schulungszentrum auf Bad Honnefer Gebiet niederlassen. Die Verhandlungen zwischen den Ländern liefen bereits.

Keine Erfolgsmeldungen gab es auch bei den Projekten Postgebäude und Businesspark. Ebenfalls zeichne sich noch keine Lösung bei einer Nachfolge für das KSI und den Uhlhof ab. Ominös der Hinweis von Otto Neuhoff auf einen Hotelkonzern, den er mit der Stadt in Verbindung brachte. Eine Entscheidung stehe allerdings erst noch bevor.

Seit 2010 habe Bad Honnef mehr Gewerbezuzug als -abzug zu verzeichnen, so Johanna Högner, leere Geschäfte in der Innenstadt hätten schnell wieder vermietet werden können. Positiv wertete Högner die Verbreitung des Freifunks in Bad Honnef und den Breitbandausbau der Telekom. Die Arbeiten seien fast abgeschlossen, als letzter Ort würde Brüngsberg technisch aufgerüstet.

Viel getan habe sich auch beim Tourismus. Dort sei Bad Honnef mittlerweile gut mit Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis vernetzt, sogar bis Köln reiche nun die Zusammenarbeit. Da die Stadt gerade in diesem Bereich große Chancen und Nachholbedarf sieht, wird zum 1.11.2016 eine Halbtagskraft mit dem Aufgabenbereich Tourismusförderung eingestellt.

Mit einem ganzheitlichen Stadtmarketing wollen Neuhoff und Högner die Attraktivität und Wirtschaftskraft Bad Honnefs stärken. Das könne allerdings nur gelingen, wen hochprofessionell gearbeitet würde. Was Geld koste. Deshalb schlug die Verwaltung vor, einen „Budgetvorschlag zur Unterstützung der Wirtschaftsförderung, insbesondere zur Einrichtung eines Stadtmarketings einzubringen“. Ein entsprechender Beschluss wurde einstimmig gefasst.

Trotz des allgemeinen Lobes gab es auch leise Kritik. So fühlte sich Klaus Munk von der SPD bei manchen Entscheidungsfindungen nicht genügend berücksichtigt. Munk: „Bitte, nehmen Sie uns mit, planen Sie nicht alles alleine.“ Ob damit die auch die Blumengitter in der Hauptstraße gemeint waren, blieb offen. Die führten zwar bei einigen Geschäftsleuten fast zu einer Revolution und auch Spendenabstinenz, waren aber in der Ratssitzung nicht Thema.

Dafür zeigten sich einige Ratsmitglieder irritiert darüber, dass es mittlerweile mehrere Stadtportalanbieter gebe, ein Portal erinnere Klaus Munk sogar an Seifenreklame. Otto Neuhoff betonte, dass er sich über so viel Aktivität freue und er nun Vorhandenes kanalisieren wolle.

Noch in diesem Monat will auch der Centrum e.V. ein Portal starten. Nichtmitglieder können sich dort mit einem monatlichen Beitrag von 50 EUR einbringen. Das von verschiedenen Bad Honnefer Unternehmern initiierte Portal badhonnef-hats.de ist bereits seit anderthalb Wochen online. Dort kann der Kunde bei einer Präsentation zwischen 10, 39 und 59 EUR pro Monat wählen. Ein einfacher Eintrag der Kontaktdaten ist kostenfrei.

Personalien

Als neue Erste Beigeordnete wurde Cigdem Bern vereidigt. Sie wurde vom Rat für die Zeit bis zum 30.9.2024 gewählt. Ausgeschieden aus dem Rat ist Klaus Eckenroth vom Bürgerblock. Seinen Platz nahm heute offiziell Stefan Scharfenstein ein.

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