Senioren-Union: „Wie weit ist es vom Schmählied zu Hetzparolen?“

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Bad Honnef – Heftige Reaktionen auf das Lied „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“ des WDR. Kopfschütteln bei Politikern und Journalisten, aber auch Verständnis für das Lied als Satire. Vollkommen irre: Mitarbeiter des Senders erhielten Morddrohungen. WDR-Intendant Tom Buhrow: „Ich frage mich, was ist mit unserem Land los, wenn ein missglücktes Video zu Morddrohungen führt“?

Nun kommentierte die Bad Honnefer Senioren-Union den Vorfall. Ihr Vorsitzender, Dr. Rolf D. Cremer: „Wie weit ist es vom Schmählied zu Hetzparolen?“

Das vom WDR produzierte und gesendete Lied „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“ sei ein unverschämtes Schmählied. Von den Schmähliedern der Neonazis sei das nicht mehr weit entfernt. Die unverblümte Drohung Greta Thunbergs am Ende („wir werden Euch das nicht durchgehen lassen“) ginge zu weit.

In der Sache sei Sorge um Umwelt und Klima kein Privileg einer Generation oder irgendwelcher Teilgruppen der Gesellschaft, so Cremer. Das Schmählied, in dem auch gleich die Unterstützung der Massentierhaltung durch Koteletteinkäufe beim Discounter bei den Älteren verortet werde, leiste der Spaltung und Schuldzuweisung zwischen den Generationen Vorschub. Cremer: „Bezeichnenderweise legt Herr Böhmermann für diejenigen, die Anstoß an dem Lied nehmen, mit „Eure (!) Omi war eine Nazisau“ gleich noch eins drauf.“

Mit Satire oder künstlerischer Freiheit habe das nichts zu tun. Laut Cremer ginge es um „Verantwortung – auch bei satirischen Beiträgen – für die Wirkungen dessen, was und wie etwas gesagt, geschrieben oder, wie in diesem Fall, gesungen wird. Zur Verteidigung wird gelegentlich gesagt, eine Demokratie müsse so etwas aushalten. Wirklich? Warum muss eine Demokratie Verunglimpfungen der älteren Generation (“Umweltsau”, „Nazisau“), herabsetzendes Gespött (“Zwei Opis mit Rollator”), und hingeschleuderte Einschüchterungen (“We will not let you get away with this”) aushalten?“

Für den CDU-Seniorenvorsitzenden habe nicht etwa der Kinderchor die Verantwortung für die Produktion, sondern der WDR. Er erwarte, „dass es im WDR Leute gibt, welche die Benutzung von musikbegeisterten Kindern für solche Herabsetzungen und Beschimpfungen erkennen und rechtzeitig stoppen – bevor Text und Video auf Millionen von PCs landen“.

Cremer betont, dass er sich über die prompte Entschuldigung von Thomas Buhrow gefreut habe. Sie sei besser, „als die windelweichen, halbherzigen Ausflüchte anderer, die so tun, als hätte man die Reaktion auf so ein tolles satirisches Kunstwerk leider unterschätzt“.

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