Bild: Heiko Nehlmeyer (l.), Holger Wolf

Neuwied-Straßenhaus – Bereits im März 2020 hatte sich Holger Wolf als freiwilliger Helfer bei der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz registriert. „Wenn man wie ich als Rettungsassistent über eine medizinische Ausbildung verfügt, empfinde ich es als eine Pflicht, bei der Bewältigung dieser gesellschaftlichen Ausnahmesituation seine Unterstützung anzubieten“, so Wolf über seine damalige Motivation.

Die ersten Anfragen lagen jedoch über 100 km entfernt und in einem anderen Fall passten die Arbeitszeiten einfach nicht. „Irgendwie muss ich das ja mit meinem eigentlichen Beruf als selbstständiger Berufsbetreuer in Einklang bringen. Da sind komplette Tage einfach nicht möglich“. Im Januar erfolgte dann eine Anfrage aus dem Kreis Neuwied. Das Alten- und Pflegeheim Westfälischer Hof in Straßenhaus suchte nach Helfer*innen, die ihre Pflegekräfte bei der täglichen Arbeit entlasten. „Wie in derzeit wohl nahezu allen Pflegeheimen arbeiten unsere Mitarbeiter*innen seit langem weit über ihre eigentlichen Belastungsgrenzen hinaus“, berichtet Heiko Nehlmeyer, der Einrichtungsleiter des Westfälischen Hofs. „Unser gesamtes Team leistet seit Monaten Außerordentliches. Da sind unterstützende Hände natürlich herzlich Willkommen“.

Seit dem 11. Januar hilft Holger Wolf an jeweils zwei halben Tagen in der Woche aus. „Eigentlich kam die Anfrage zu einer denkbar schlechten Zeit, denn der Wahlkampf reduziert die Freizeit ohnehin schon auf ein absolutes Minimum“, berichtet der Landtagskandidat der Bündnisgrünen. “Doch zunächst Hilfe anbieten, um diese dann im Bedarfsfall nicht zu leisten, ist einfach nicht mein Ding“. Nicht „nur“ reden, sondern auch anpacken, ist sein Credo auch außerhalb des Wahlkampfs.

„In den bisherigen Diensten habe ich schon viel gelernt, denn es ist etwas völlig anderes, von außen auf die Pflege zu blicken, um dann etwaige Verbesserungen zu fordern, oder die Arbeit über mehrere Tage ganz hautnah zu erleben“. Die dabei geführten Gespräche machten auch nachdenklich, besonders wenn berichtet wird, wie Pflegekräften in dieser schweren Zeit manchmal auch Ablehnung entgegenschlägt: „Von vielen erhält man Zuspruch und das ist ein schönes Gefühl, aber manche behandeln einen auch wie Ausgestoßene, wenn sie erfahren, welchem Beruf man nachgeht“, berichtet eine Pflegekraft. Dabei werden die Pflegekräfte ebenso wie die Bewohner*innen täglich getestet.

Mindestens Anfang Februar wird Wolf weiterhin zweimal pro Woche im Heim helfen. „Zeitgleich drei „Jobs“ nachzugehen, ist auf Dauer jedoch nicht zu stemmen und im Februar wird die Terminflut so groß, dass ich sehen muss, was ich noch zusätzlich leisten kann. Aber vielleicht gelingt es mir dann ja, zumindest an einzelnen Tagen zu helfen“, hofft Wolf. „Im Zweifel verteile ich eher ein paar weniger Flyer, denn die Unterstützung hier ist etwas, das bleibt“.

Wer ebenfalls Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen seine Unterstützung anbieten möchte, kann sich über den Freiwilligen-Pflegepool der Landespflegekammer unter www.corona.pflegekammer-rlp.de registrieren. Neben der guten Tat macht helfen auch einfach Freude und für die Pflegekräfte ist es noch einmal so viel mehr wert als wohlwollender Zuspruch.

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