Was macht eigentlich die „Black Box“ Kiezkaufhaus?

Grab für Steuergelder oder sinnvolle Investition in den Einzelhandel? - Keine Zahlen, keine Transparenz - Selbst Politik fühlt sich nicht informiert

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Bad Honnef – Mit großen Worten wurde 2017 das Kiezkaufhaus angekündigt. Es sollte als digitale Verkaufsplattform den Handel in Bad Honnef retten, 150 Teilnehmer waren die erste Zielmarke.

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Großzügig förderte das Land das Projekt mit 100.000 EUR. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt steuerten noch einmal 100.000 EUR dazu.

35 Geschäfte sind auf der Website des Kiezkaufhauses aktuell eingetragen, darunter das Vorteil-Center, das gar nicht zu Bad Honnef gehört. Es nutzt das Kiezkaufhaus nicht als Vertriebsmöglichkeit, sondern als Werbeplattform.

Seit Monaten weist die Plattform keine Veränderungen auf. Acht Geschäfte werden als „Händler mit Produkten“ ausgewiesen, der Rest ist mit Adresse und Bildern vertreten – mit einer sogenannten digitalen Visitenkarte.

Mit welchem Erfolg über das Kiezkaufhaus Umsätze generiert werden, ist der Stadt offenbar nicht bekannt. Jedenfalls veröffentlicht sie dazu keine Zahlen. Nach „Honnef heute“-Stichproben hat der Lieferservice wegen der Einschränkungen durch Corona für die Auslieferung von Essen Sinn gemacht. Als Verkaufsplattform sei das Kiezkaufhaus nicht erste Wahl, allenfalls als Werbeplattform.

In einer Stellungnahme vom 6.2.2020 ruderte die Stadt bei dem Online-Angebot zurück: Ziel sei es nicht, „weitgehende Verkäufe über die Plattform einzuleiten, sondern
vielmehr die Innenstadt zu beleben und die Kundinnen und Kunden durch
Sichtbarkeit im Internet in die Läden zu locken. So wird die Plattform zu einem
Instrument, das die Vielfalt des Einzelhandelsangebotes digital sichtbar machen und
das Interesse der Kundinnen und Kunden für einen Besuch im Ladenlokalen wecken
kann“. Kurzzeitig stand das Projekt 2020 auf der Kippe. Die CDU sorgte dafür, dass es am Leben blieb.

Die GRÜNEN informieren in ihrer Rede zum Haushalt 2022 von einem Umbau der Onlineplattform Kiezkaufhaus und wollen „anstatt 50.000 nur 30.000 EUR“ dafür ausgeben. Was sich wann und warum ändern wird, teilte die Stadt auf Anfrage von „Honnef heute“ nicht mit. Auch gibt sie weiterhin keine Zahlen bekannt. Auf die Fragen nach der Anzahl der Kunden beim Lieferservice, der Aufträge pro Woche, der jährlichen Einnahmen und Ausgaben teilt die Stadt mit, die Lieferungen und insgesamt der Betrieb befänden sich auf einem guten Niveau. Die „Offensive“ im Rahmen der Corona-Hilfe für die Einzelhandelsgeschäfte hätte sich diesbezüglich ausgezahlt.

Obwohl die Stadt gerne mit ihrer großen Transparenzbereitschaft wirbt, hält sie sich zum Kiezkaufhaus bedeckt. So bekommt nicht nur „Honnef heute“ keine Informationen, auch die SPD ließ die Verwaltung im Regen stehen. Im Dezember stellte die Ratsfraktion eine Anfrage zum Kiezkaufhaus und erhielt nach eigener Aussage keine Zahlen sondern „Lyrik“.

Den GRÜNEN fehlt ebenfalls „die Transparenz über das Gebaren des Kiezkaufhauses“. Bis heute bliebe die Verwaltung wichtige Einblicke in die „Black Box Kiezkaufhaus“ schuldig.

In Anbetracht eines Projekts, bei dem man davon ausgehen muss, dass es am Bedarf der Bevölkerung vorbeigeht und sich nach über vier Jahren wirtschaftlich nicht trägt (und bis heute Steuergelder in sechsstelliger Höhe verschlang), überraschte am 29.1.2022 eine Meldung des General-Anzeigers, Bad Honnef würde an einer regionalen Onlineplattform, „die das gesamte Verbandsgebiet Bonn, den Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Euskirchen vernetzt“ arbeiten.

Auf Anfrage gab die Stadt dazu bekannt, dass der Einzelhandelsverband Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen e.V. auf die Stadt Bad Honnef zugekommen sei, „um mit den Erfahrungen des Kiezkaufhauses möglicherweise eine regionale Plattform für den Einzelhandel zur Verfügung zu stellen“.

Kommentar: Und die Politik guckt einfach nur zu

 

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2 Kommentare

  1. Black Box = Schwarze Kasse? Wieso gelingt es dem Rat nicht, hier die gewünschten Infos zu bekommen? Wackelt hier mal wieder der Schwanz mit dem Hund?

  2. Ich sehe für das Kiezkaufhaus nur eine Chance, wenn sich ein Supermarkt anschließt. Damit könnten wir einen kompletten Lebensmitteleinkauf mit 1 Einkauf abdecken und zusätzl. noch die Artikel des Honnefer Einzelhandels dazubestellen.

    Die E-Lastenfahräder müßten ggf, etwas grösser sein – aber auch dafür gibt es Lösungen.

    Das Geschäft macht übrigends jetzt REWE in Bad Honnef: https://shop.rewe.de/

    Gibts eigentlich irgendeine öffentliche Quelle die die Ein- und Ausgaben des Kiezkaufhauses ausweist?
    Wie wirtschaftlich ist der Weiterbetrieb?
    http://www.roland-schaefer.de/totespferd.htm

    Mich würde auch Interessieren, wieviel von (unserem) Steuergeld hier schon verbrandt wurde, Hoffe nur, dass man hier in Zukunft daraus lernt. Aber jeder möchte ja heute irgendetwas „in Digital“ machen und sich als Trendsetter präsentieren. Warum & wie digital, wissen dabei nur Wenige.

    Wirkliche Kompetenz in Sachen Digital sind immer noch spärlich verteilt. Das Know-How zur Bedienung eines Smartphones reicht hier sicherlich nicht. Also ist man wieder auf 3. angewiesen, die vielleicht „Luftschlösser“ verkaufen.

    Halte eine Art „Digitalisierungsbeauftragten/Manager“ auf Seiten der Städte dringend erforderlich, ebenfalls bei Schulen.
    Ja der Mann kostet – kann aber auch einiges an Fehlplanung einsparen. Den Erfolg dabei kann man leider nicht immer direkt in $ messen.

    @geförderte Projekte
    Auch einmalig stadtl. geförderte Projekte erzeugen langfristig weitere Kosten für die Stadtkasse.
    Beispiel: Instandhaltung & Pflegekosten, Personalkosten u.s.w.

    Ich hoffe, wir haben das alle im Blick!

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