Die Politik guckt einfach nur zu!

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Digitale Projekte sind in Bad Honnef schwer zu vermitteln. Das haben schon so einige junge Web-Unternehmen erfahren müssen. Auch die Stadt Bad Honnef stürzte sich in ein Online-Abenteuer und versuchte, mit „Handel im Internet“ eine Vorreiterrolle im Kreis zu spielen. Stichwort: Kiezkaufhaus!

Obwohl es seinerzeit Webangebote in Bad Honnef gab, deren Nutzung den Steuerzahler bei weitem weniger gekostet hätte, entschieden sich Verwaltung und Politik für einen Anbieter aus Wiesbaden. Der verband seine Online-Idee mit einem umweltfreundlichen Lieferservice. An sich eine gute Sache, hätte alles funktioniert.

Auszeichnungen haben die Wiesbadener dafür massenweise erhalten. Allerdings: aus dem Verkaufs- und Lieferportal wurde zwischenzeitlich eine Präsentationsseite für Händler mit Verlinkungen auf deren Shop-Angebote. Nach vier Jahren stellte das Kiezkaufhaus nämlich den Onlinehandel auf der eigenen Seite ein. Zu teuer und zu aufwändig – auch für die teilnehmenden Händler.

Als einzigen kommunalen Partner konnte das Kiezkaufhaus die Stadt Bad Honnef gewinnen. Die müht sich immer noch mit einem eigenen Verkaufsportal ab. Teilnehmende Händler sehen allerdings darin weniger einen nützlichen Vertriebskanal, eher einen Werbeträger. Von einigen Restaurants und Lebensmittelanbietern abgesehen, die so während der Lockdowns Kunden zu Hause beliefern konnten.

Auch wenn der Mut zu einem Projekt wie das „Kiezkaufhaus“ grundsätzlich gelobt werden sollte – für Kritiker mit Erfahrung bei ähnlichen Angeboten war frühzeitig klar, dass das nicht funktionieren konnte. Nicht in einer Kleinstadt mit 25.000 Einwohnern. Zu mächtig die Konkurrenz von Amazon, Ebay und Co., zu klein das eigene Sortiment.

Jetzt soll offensichtlich größer gedacht werden, mit anderen Kommunen kooperiert werden. Das hatte die SPD Bad Honnef bereits zu Beginn des Abenteuers empfohlen. Heute wird aber auch die Entwicklung eines Netzwerkes auf Kreisebene wegen der starken Konkurrenz nicht zum Erfolg führen. Allein das viele Geld, das nötig wäre – wo soll es herkommen? Ganz abgesehen vom Personal.

Probleme gibt es ebenfalls beim Know-how der Unternehmen. Sie müssten ständig ihre Angebote für die digitale Präsenz aufbereiten und aktualisieren – dafür benötigten sie eigenes Fachpersonal. Wer kann das vorhalten?

Kurzum: Der städtisch organisierte und verwaltete Onlinehandel in Bad Honnef ist gescheitert. Was übrig bleiben wird, ist neben zwei Lastenbikes eine Website mit Bildern, Adressen und Verlinkungen.

Warum das Projekt Kiezkaufhaus nicht längst gestoppt wurde, ist eine gute Frage. Warum die Verwaltung gegenüber dem Steuerzahler nicht für Transparenz sorgt auch. Dann sollte wenigstens die Politik dafür Verantwortung tragen, dass die Bürgerinnen und Bürger erfahren, wofür ihr Geld ausgegeben wird. Die hält sich allerdings ziemlich bedeckt. Lediglich SPD und GRÜNE mucken hin und wieder auf, belassen es aber bei wenigen Schrecksekunden. Dann ruht weiterhin der See.

Was sollte geschehen?

Eigentlich muss es im Interesse der lokalen Wirtschaft liegen, mit einem eigenen Stadtmarketing die Kunden zu begeistern. Der Centrum e.V. hat jahrelang mit seinen selbstorganisierten Veranstaltungen bewiesen, dass dieser Weg der erfolgreiche ist. Leider wollte er nicht aufs digitale Pferd steigen. Ein schwerwiegender Fehler.

Mittlerweile gibt es genügend „Jugend“ in der Stadt, die ein professionelles Marketing kreativ und verkaufsfördernd auf die Beine stellen kann. Die muss ran. Und deren Ideen müssen dann mit Steuergeldern unterstützt werden.

Es ist für den Handel zu hoffen, dass bald junge Kräfte das Marketingboot steuern, die brennen und von der Basis aus handeln. Mit denen muss die Stadt kooperieren und für sie muss sie Dienstleisterin sein. Dann geht es auch beim digitalen Stadtmarketing in Bad Honnef weiter.

Übrigens: In die Pedalen der Lastenräder würden bestimmt gerne Ehrenamtler steigen und die beliefern, die nicht mehr so mobil sind. Für alle anderen wäre eine Abholstation in der City eine gute Variante. Mehr Frequenz wäre garantiert.

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