Wunderbarer Martini Markt! Doch was kommt danach?

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Bad Honnef – Bei schönstem Wetter startete Mittwoch der Martini Markt in Bad Honnef. Was für viele Besucherinnen und Besucher tolle Erlebnistage am Rhein sind, dürfte für so manches Einzelhandelsgeschäft zum wirtschaftlichen Überleben beitragen. Ein gut Teil ihres Jahresumsatzes machen Bad Honnefer Händlerinnen und Händler, wenn die Märkte stattfinden.

Somit ist das Herbstfest nicht nur ein großes Ereignis fürs Volk, sondern hat für den einen und anderen einen ernsthaften wirtschaftlichen Hintergrund – im Sinne von Existenzsicherung. Nur: ob allein ein Frühlings-, Sommer oder Herbstmarkt die perfekte Lösung für Geschäftssicherheit und Wachstum darstellt, bleibt einmal dahingestellt.

Die Leerstände in der City sind jedenfalls jetzt schon dramatisch. Weitere wurden bereits angekündigt. Damit liegt Bad Honnef im Trend Nordrhein-Westfalens. Lag dort die Anzahl der Geschäfte im Einzelhandel im Jahr 2010 noch bei rund 115.000, sank die Zahl bis 2018 um 6.700.

Besonders stark vom Rückgang betroffen waren ländliche Kreise, aber auch in städtischen Kreisen sowie in kreisfreien Großstädten ist die Anzahl der Geschäfte gesunken. Und nach aktuellen Hochrechnungen und Schätzungen ist die Anzahl der Geschäfte in Nordrhein-Westfalen zwischen 2018 und 2020 um weitere rund 4.000 gesunken, ließ das NRW-Wirtschaftsministerium ermitteln.

Als am 12. Oktober der Verein „Lebendige Stadtmitte“ seine Jahreshauptversammlung in der KASch durchführte und einen Bericht vorlegte, war von lebendiger Stadtmitte wenig zu spüren. Zwar strömen an schönen Tagen die Menschen in die OpenAir-Restaurants, aber allein 11 Leerstände registrierte Vorsitzender Konrad Weber und wirkte ziemlich frustriert. 2020 startete der Verein, um die Bad Honnefer City aus einem Dornröschenschlaf zu wecken und an der Gestaltung mitzuwirken. Mitglied ist auch die Leitung der Wirtschaftsförderung.

Warum geht es in Bad Honnef nicht recht voran? Da mögen Marketingexperten, Statistiker, Politiker, Bürgerinnen und Bürger ihre eigenen Meinungen zu haben. Eines kann man jedenfalls nicht mehr hören: Der Onlinehandel hat Schuld an der Misere. Mittlerweile sollte sich stationärer und digitaler Handel zu einer Symbiose entwickelt haben. Anderenfalls besteht wohl wenig Hoffnung auf Erfolg.

Bestätigt wird diese Annahme dadurch, dass ungeachtet der wachsenden Beliebtheit des Onlineshoppings Innenstädte, Stadtteil- und Ortszentren in Nordrhein-Westfalen nach Ansicht der Bürgerinnen und Bürger eines auf alle Fälle bieten sollen: Einzelhandel. Je nach Stadt- und Gemeindetyp sollte der Schwerpunkt dabei entweder auf Geschäften zur Deckung des täglichen Bedarfs liegen (insbesondere in Klein- und Mittelstädten) oder auf Geschäften, die zum Bummeln und Shoppen einladen. Gerade bei der Altersgruppe der 18 bis 39-Jährigen ist Shoppen und Bummeln besonders wichtig, weiß das NRW-Wirtschaftsministerium. Obwohl naturgemäß diese Altersgruppe für Vitalität steht, muss man sich in Bad Honnef fragen, mit welchen Angeboten (außer Gastronomie und Sport) man sie erreichen will.

Wie kann also Anreiz geschaffen werden, in der Badestadt zu flanieren und zu konsumieren? Durch Einmaligkeit? Wäre vielleicht ein Versuch wert. Wenn auch erst vor wenigen Monaten die einzigartige Hannelore Mertesacker ihren Hutladen schließen musste. Doch das hatte andere Gründe.

Der Leerstand bietet gute Chancen. Würde die Stadt Ladenlokale anmieten und zeitbegrenzt zu deutlich reduziertem Mietzins untervermieten, könnten junge Unternehmen und Start-Ups für Geschäftseröffnungen à la Max Kugel oder Botties oder auch das Ausprobieren von Nachwuchskonzepten in einem geschützten Rahmen in Bad Honnef interessiert werden. Bislang hat das Land NRW solche Maßnahmen sogar gefördert. Bad Honnef könnte sich als innovativer Standort für junge Idealisten qualifizieren, eine Willkommenskultur und eine Atmosphäre für unternehmerischen Aufbruch schaffen. Mit Netzwerken, Patenschaften und Kommunikationsinseln beispielsweise. Die Haupt- und Kirchstraße ein Veedel für Mutige und Kreative.

Nächster Schritt wäre dann, die neuen Unternehmen nach attraktiven Konzepten auszuwählen: Digitales, Diensteistung, Service und Handwerk könnten hier ein Schlüssel sein. Dann müsste die neue Bad Honnefer City mit ihrer Einmaligkeit mit einer erfolgversprechenden Markenstrategie in den Focus der Öffentlichkeit gerückt werden.

Bis dahin alles Theorie! Alles Geld und guter Wille nützen nichts, wenn die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen, nicht gesehen wird. Wenn die Begeisterung bei den Beteiligten nicht vorhanden ist. Wenn sich die Akteure nicht zusammentun und den Motor gemeinsam für die Zukunft anschmeißen.

Wunderbarer Martini Markt! Doch was kommt danach?

 

 

2 Kommentare

  1. Nochmals die Stadt Bad Honnef ist gefragt –es gibt keine 1a und 1b Lage im Zeitalter der Digitalisierung. Runter mit den überteuerten Mieten und bitte schön schaut euch die Stadt Remagen an. Da gibt es keinen Leerstand.Der Bürgermeister selber kümmert sich dadrum(erlässt zum Beispiel Gewerbesteuer),was in Bad Honnef abläuft ist absoluter Dilentantismus.Wieviel Umsatz hat das Kiezkaufhaus gemacht Herr Neuhoff ?? Der Kunde ruft im Internet den Best Price auf und alle in Bad Honnef sind draussen…Ich betreibe seid 1997 einen Online Shop,warum sollte ich das Kiezkaufhaus unterstützen???? Es gibt noch viele andere Gründe.Ich biete 300 Euro(keine 2500 Euro,Beispiel Küchenstudio Heuchert)
    für einen Laden in der Innenstadt 50qm,mehr nicht…

  2. Warum soll die Stadt – die ohnehin kein Geld hat und in Zukunft noch mehr zu kämpfen haben wird – Ladenlokale anmieten und günstiger untervermieten? Vielmehr sollte man fragen: Wie lange wollen die Besitzer der Immobilien noch darauf warten, dass ihnen irgendwann einmal irgend jemand ihre überzogenen Mieten zahlt? Auch hier gilt: Jahrelanger Leerstand ist die schlechteste aller Lösungen.

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