Bröckemännche-Preis 2022 für Landrätin Cornelia Weigand

Bonner Medien-Club: Preisträgerin steht für klare Analysen, deutliche Worte und ein zupackendes Krisenmanagement

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Cornelia Weigand - Foto: Philippe Ramakers

Bonn – Die frisch gewählte Landrätin des Kreises Ahrweiler Cornelia Weigand wird die diesjährige Bröckemännche-Preisträgerin. Das hat der Bonner Medien-Club, eine Vereinigung von rund 250 Medienschaffenden und Kommunikationsverantwortlichen, heute bekanntgegeben. Die Preisverleihung soll im Rahmen des Neujahrsempfangs des BMC stattfinden, der in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie in den Sommer verschoben wird.

Cornelia Weigand (Jahrgang 1971, geboren auf Sylt) hat in Bonn Biologie studiert und war danach unter anderem für ein internationales Medizinprodukte-Unternehmen in Liechtenstein tätig. Von 2019 bis 2022 war sie Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr. Die Flutkatastrophe von Juli 2021 wurde für Weigand – wie für viele andere Verantwortliche in Politik, Verwaltung und Organisationen – zur Bewährungsprobe. Früher als andere erkannte sie deren Tragweite und drängte darauf, Katastrophenalarm auszulösen. Nach der Flut erwies sie sich als versierte Krisenmanagerin, die weit über die 11.000-Seelen-Gemeinde hinaus wahrgenommen wurde. Ihr Entschluss, nach dem Ausscheiden des bisherigen Landrats selbst für das Spitzenamt zu kandidieren, fand viel Resonanz. Bei der Landratswahl Ende Januar wurde sie schließlich bereits im ersten Wahlgang mit 50,2 Prozent gewählt.

Die parteilose Politikerin lege einen Grad an Eigenständigkeit an den Tag, der heute nur noch selten zu finden sei, sagt der Vorsitzende des Bonner Medien-Clubs, Prof. Dr. Andreas Archut: „In der Flutkatastrophe hat sie bemerkenswerte Qualitäten bewiesen, die zu ihrer Auszeichnung mit dem Bröckemännche-Preis geführt haben.“

Die Flutkatastrophe stellt einen Wendepunkt in der Geschichte des Ahrtals dar. Die Krise hat vermeintliche Gewissheiten in Frage gestellt. In einem von ihr als Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr initiierten offenen Brief an die Bundeskanzlerin und die rheinland-pfälzischer Ministerpräsidentin hatte Weigand zehn Punkte aufgelistet, die unmittelbar erforderlich sind, aber auch in die Zukunft weisen. Immer wieder hat sie die Notwendigkeiten angemahnt, die der Ahrregion die Zukunft sichern sollen. Dazu gehört nationale und internationale Expertise bei der Entwicklung eines Hochwasservorsorgekonzepts. Die Ahr könne Modellregion für andere gleichartige Gewässer in Deutschland werden.

Kaum zufrieden zeigt Weigand sich auch mit dem Fortgang des Wiederaufbaus, indem sie die Meinung der Landesregierung Rheinland-Pfalz relativiert, es sei schon viel getan worden. Zwar sei die Ahrregion inzwischen vieles „aufgeräumt“, aber die Etappenziele auf dem Weg zur „Heilung“ seien nicht erkennbar. Konkret fehle es auch an Auszahlungen aus dem Wiederaufbaufonds, mahnt sie immer wieder an. Um schneller voranzukommen, sei die Ausweisung einer Sonder-Bauzone und einer Sonder-Wirtschaftszone nötig. Auch konkrete Bebauungspläne ließen auf sich warten. Weigands Aussage, dass sie sich manchmal wie Don Quijote fühle, spricht Bände, wobei die Windmühlen Land und Bund sind.

Dass die Menschen an der Ahr sich einen Neuanfang jenseits der bekannten Politikkonzepte wünschen, haben sie bei der Wahl im Januar unter Beweis gestellt. Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau hat man sich im Landkreis Ahrweiler hochgesteckte Ziele gesetzt: Cornelia Weigand möchte mit neuen Energie- und Verkehrskonzepten die Weiterentwicklung der Region nachhaltig und resilient gestalten. „Es wird also noch viele Gelegenheiten geben, Bröckemännche-Qualitäten zu beweisen“, sagt der BMC-Vorsitzende.
Wer den Bröckemännche-Preis erhält, entscheidet jedes Jahr der Vorstand des BMC. Alle Mitglieder und auch alle bisherigen Preisträger können Vorschläge einreichen. (AnA)

Über den Bonner Medien-Club
Der Bonner Medien-Club ist die Vereinigung von mehr als 200 Mitgliedern, die als Journalisten und Pressesprecher in Bonn oder der Region leben und/oder arbeiten. Zweck des BMC ist die Pflege der Beziehungen seiner Mitglieder untereinander und zu den Behörden, Institutionen und anderen Einrichtungen des öffentlichen Lebens in der Region. Der BMC veranstaltet Hintergrundgespräche mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Hausbesuche bei Einrichtungen in Bonn und Umgebung.

Über das Bröckemännche
Namensgeber des Bröckemännche-Preises ist eine Sandsteinfigur an der Bonner Kennedybrücke, deren Miniaturausgabe jährlich als Preis verliehen wird. Das Bröckemännche wurde ursprünglich von den Bonnern am Beueler Brückenkopf der ersten Bonner Rheinbrücke installiert. Es hält sein Hinterteil ins Rechtsrheinische und streckt den Bewohnern die Zunge heraus. Hintergrund war die Tatsache, dass das damals noch unabhängige Beuel kurz vor der Fertigstellung der Brücke seine Beteiligung an den Baukosten zurückzog. Die Bonner hatten daher die gesamten Kosten zu tragen und setzten dem Beueler „Verrat“ mit dem Bröckemännche ein ganz besonderes Denkmal. Die Brücke wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, das Bröckemännche konnte jedoch aus den Trümmern geborgen werden und erhielt in den 50-er Jahren eine neue Ausrichtung als „Gruß“ an das mit Bonn um den Regierungssitz konkurrierende Frankfurt am Main. Es gibt Stimmen, die nach der Hauptstadtentscheidung des Deutschen Bundestags wiederum eine Neuausrichtung des steinernen Männchens Richtung Nordosten befürworten. Dies ist jedoch bislang nicht geschehen. Der Bröckemännche-Preis des Bonner Medien-Clubs richtet sich an Menschen, die im Sinne der Symbolik des Sandstein-Männchens wirken: mutig, kritisch, ironisch, direkt und eben nicht so, wie jeder andere auch. Zu den prominenten Preisträgern der 1999 erstmals vergebenen Auszeichnung gehören Unternehmer Dr. Hans Riegel (Haribo), Bundesminister a.D. Wolfgang Clement und Beethovenfest-Intendantin Prof. Dr. Nike Wagner. Der letztjährige Preisträger war Ludwig van Beethoven, der anlässlich seines 250. Geburtstags geehrt wurde.

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