Gäste der 1100-Jahr-Feier, die mit der Deutschen Bahn kommen …

... müssen sich "unweigerlich mit diesem Schandfleck vertraut machen"

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LeserInnenbrief

Anfang Juli dieses Jahres fuhr ich mit der Bahn von meinem Wohnort nach Bad Honnef. Nach längerer Fahrzeit war ich froh und erwartungsvoll in Bad Honnef angekommen. Aus dem Zugabteil aussteigend, glaubte ich erstmal, meinen Augen nicht zu trauen. Das Bahnhofsgebäude, insbesondere die Rückseite, befindet sich in einem völlig desolaten Zustand. Das Gebäude ist großflächig mit Farben beschmiert, hirn- und sinnlose Schmierereien übelster Art. Selbst ein angebrachter Schaukasten, der Ankunfts- und Abfahrzeiten beinhaltet, ist nicht mehr nutzbar, weil dessen Glasscheibe total mit Farbe beschmiert wurde.

Fassungslos über diese hässlichen Zustände blieb ich eine Weile an den Gleisen stehen und ließ das Gesehene auf mich einwirken. Das gesamte Bahnfofsgebäude, sowohl im Inneren als auch die Vorderfront passen sich dem üblen Erscheinungsbild an.

Den Bad Honnefer Bahnhof habe ich, wie auch viele Bürger*innen der Stadt als sauberen und ordentlichen Komplex in Erinnerung, als sich mein Lebensmittelpunkt in den 70er und 80er Jahren dort befand. In dieser Zeit habe ich die Bahn öfter in Anspruch genommen.
Von meinen Kindern, die in Bad Honnef und Bonn leben und mit dieser Problematik vertraut sind, erfuhr ich, dass die Deutsche Bahn den gesamten Gebäudekomplex an einen privaten Investor veräußert hat und somit nicht mehr in der Verantwortung steht.

Im August dieses Jahres wird das 1100 Jahr-Jubiläum der Stadt Bad Honnef mit vielen Festlichkeiten begangen. Sollten, was wünschenswert wäre, viele Gäste zu den Feierlichkeiten mit der Bahn anreisen, würden sie sich unweigerlich mit diesem Schandfleck vertraut machen „müssen“.

Das ist einer Stadt wie Bad Honnef auch in ihrer postpolitischen Bedeutung nicht würdig!
PS: selbstverständlich wünsche ich allen Bad Honnefern und ihren Gästen ein gelungenes und fröhliches Fest!

Horst Eichhorn
34323 Malsfeld

Anm. d. Red.: Der Bad Honnefer Bahnhof wurde 2011 von der Deutschen Bahn AG an den Unternehmer Andreas Dietl verkauft. In den Jahren danach wurden einige Versuche unternommen, den Bahnhof attraktiver zu gestalten. So eröffnete 2018 eine Poststation und ein Kiosk, zeitweise wurde der frühere Verkaufsraum für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Auch erhielten seinerzeit die Frontseite und einige Nebenflächen des Bahnhofs einen neuen Anstrich.

Die Deutsche Bahn AG ist nach wie vor für den Gleisbetrieb zuständig. Die Stadt Bad Honnef will perspektivisch den jetzigen Bahnhof an die Endhaltstelle der Linie 66 verlegen. Pläne, dass die Stadt in den jetzigen Bahnhof investieren will, sind nicht bekannt.

Kioskeröffnung 2018

1 Kommentar

  1. Dem Verfasser ist beizupflichten. Jedoch über die kommunale Beschämung einer solchen Visitenkarte für die Stadt Bad Honnef weit hinaus, die blamabel genug ist, stellt dieser Zustand ein beispielhaft anfragendes Ärgernis angesichts der von der Politik vom Bürger eingeforderten Verkehrswende, weg vom Individualverkehr hin u.a. zur Schiene, dar! Wer möchte sich freiwillig derartigen Verfalls- und Angstorten aussetzen? – Dystopischen Zeichen von verantworteter Gleichgültigkeit und einem gesellschaftlichen Niedergang. Für meinen Teil besuche ich Bad Honnef immer gern, allerdings komme ich in meinem „Verbrenner“ und erspare mir solches Entrée!

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