Geht das zu weit?

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Die Gestaltung der Überschrift ist unter anderem wichtig für die Erzeugung von Aufmerksamkeit. Gerade bei der Menge an Online-News sollen/müssen im Netz Überschriften Lust zum Lesen machen und zum Anklicken auffordern.

Nun formulierte der EXPRESS heute eine Überschrift, die suggeriert, es handele sich um ein aktuelles Geschehnis: „Heute unglaubliche Szenen Selenskyj singt und tanzt ins neue Jahr, Putins Propaganda-Chef feiert ihn“.

Natürlich denkt zunächst der unaufmerksame Leser, der ukrainische Staatschef habe gestern tanzend und singend das neue Jahr begangen. Tatsächlich attackierte Russland die Ukraine Silvester mit massivem Raketenbeschuss. Für das gesamte Gebiet der Ukraine wurde am Samstag Luftschutzalarm ausgelöst. Wolodymyr Selenskyj hat sich am Abend in seiner Videoansprache mit eindringlichen Worten an das russische Volk gewandt und gesagt, dass den Beteiligten des Krieges nie vergeben werde.

Natürlich weiß das auch der EXPRESS. Im Artikel berichtet er über eine Szene aus dem Jahr 2013, als der damalige Komiker Selenskyi mit dem heutigen russischen Chef-Propagandisten Wladimir Solowjow während einer Neujahrsfernsehsendung auftritt.

Ist es redlich, diese Szene per Schlagzeile als aktuellen Vorgang darzustellen, um Klicks zu bekommen? Nein, das geht zu weit. Vor allem wenn man sich das Ergebnis einer Studie verinnerlicht, bei der als Ergebnis herauskam, dass 59 Prozent der Nutzer Überschriften lasen, ohne sich über den Inhalt des Beitrags zu informieren.

 

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