Gewinnerin der Wahl zur Seniorenvertretung kommt nicht in Vorstand

Dabei hat sie ein Konzept, das überzeugt

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Susanne Langguth - Foto: Jan Birkenstock

Bad Honnef – Bei der Direktwahl der Seniorenvertretung erreichte Susanne Langguth mit Abstand die meisten Stimmen. 240 Wahlberechtigte votierten für sie, 101 für den Zweitplatzierten. Dennoch spielte sie bei der Vorstandswahl keine Rolle. Die Vorstandsplätze besetzen andere.

Dabei hat Langguth als einzige öffentlich ein Programm vorgelegt, das richtungsweisende Fakten aufzeigt. So erinnert sie daran, dass die Ü60er mit 30 Prozent die größte  Bevölkerungsgruppe in Bad Honnef darstellen, woran erkennbar wird, welche Verantwortung die Senioren Bad Honnefs für die Zukunft tragen und welche Chancen diese Situation bietet.

So profitierten viele Honnefer Einrichtungen, Vereine und Initiativen vom hohen ehrenamtlichen Engagement der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, erklärt sie. Allein deswegen dürfte der Anteil der Stadtälteren alles andere als ein „Risikofaktor“ für Bad Honnef sein, wie einst Bürgermeister Otto Neuhoff unterstellte. Im Gegenteil: Die SeniorInnen der Stadt übernehmen einen Großteil der sozialen und gesellschaftlichen Aufgaben. Zwei Beispiele auf die Schnelle: Gäbe es die Tafel oder die AWO-Kleiderstube ohne SeniorInnen heute noch? Und in welchem Zustand wäre der Park Reitersdorf ohne die Parkfreunde?

So sieht Susanne Langguth in der älteren Generation ein großes Potential zur Bewältigung sozialer Aufgaben, das es zu heben gilt, sei es in der eigenen Familie, aber auch für die Gemeinschaft.

Die noch immer steigende Lebenserwartung bringe allerdings auch „Herausforderungen für uns und die Gesellschaft mit sich. So wird sich laut neuester Prognosen, beispielsweise die Zahl der Menschen in der Altersgruppe ‚älter als 80 Jahre‘ in Bad Honnef bis 2050 um 70% erhöhen. Dies stellt uns vor gänzlich neue Aufgaben“. Wichtig sei laut Langguth deshalb eine vorausschauende Politik, die die Bedarfe und Bedürfnisse von älteren Menschen stärker berücksichtigt als bisher. Hierzu gehörten auch „relevante gesellschaftliche Trends, die gesamtgesellschaftlich wirken und nicht nur Folgen für ältere Menschen haben. Hier sind insbesondere Entwicklungen wie Zunahme von Ein-Personen Haushalten, die Auflösung von familiären Strukturen (räumlich und altersbedingt), der Mangel an altersgerechtem und finanzierbarem Wohnraum, aber auch der Fachkräftemangel in den Pflegeberufen“.

Für die Seniorenvertretung gelte nun, auch neue Themen offensiv aufzugreifen, eine größere Sichtbarkeit zu erlangen und sich als „starke Stimme der älteren Bürger in Bad Honnef“ zu etablieren.

Vor der Vorstandswahl veröffentlichte Susanne Langguth folgende „Neue Impulse für die Arbeit der Seniorenvertretung“:

1. Die Seniorenvertretung sichtbarer machen

– Seniorenvertretung vor Ort
Wir treffen uns häufiger, aber seltener im Rathaus. Wir sind dort, wo wir mit unseren Zielgruppen ins Gespräch kommen oder mehr über ihre Bedürfnisse erfahren können: Seniorenheime, Pflegeheime, Seniorentreffs, Kirchengemeinden, Johanniter, Malteser, Pflegedienste

– Seniorenvertretung in der Öffentlichkeit
Wir sind – zusätzlich zu unseren Sprechstunden – auch schon mal in der Fußgängerzone oder in Aegidienberg zu finden: ins Gespräch kommen, zuhören, ein Anliegen aufnehmen, Gesicht zeigen, Menschen zum Mitmachen gewinnen.

– Seniorenvertretung und Medien
Wir informieren über unsere Aktivitäten aktuell. Hierzu nutzen wir verstärkt auch die sozialen Medien, um künftig auch besser für die Kinder der heutigen Senioren sichtbar zu sein.

– Seniorenvertretung in Aegidienberg und in Bad Honnef
Wir wollen in Aegidienberg und in der Stadt Präsenz zeigen. Das heißt Aegidienberg wird bei allen Aktivitäten miteinbezogen.

2. Rat und Verwaltung als starke Partner sehen

– Wir wollen regelmäßig Gespräche mit allen Fraktionen des Stadtrats führen, über unsere Arbeit berichten, Anregungen aufnehmen und um Unterstützung für unsere Anliegen werben. Die Sicht auf die besonderen Bedürfnisse der älteren Menschen in Bad Honnef, soll frühzeitig in die Arbeit des Rats und seiner Ausschüsse eingehen.

– Wir wollen ebenso mit dem Bürgermeister und den Spitzen der Verwaltung über unsere Arbeit im Gespräch sein. Wichtig ist uns auch der Kontakt zur Ebene der Sachbearbeitung.

– Wir wollen erreichen,

  • dass wir uns bei allen seniorenrelevanten Vorhaben der Stadt als Seniorenvertretung rechtzeitig einbringen und uns Gehör verschaffen,
  •  dass insbesondere die ‚Alltagsanliegen‘, die schnell zu regeln sind – wie die Reparatur einer Bank oder die Behebung einer sicherheitsrelevanten Unebenheit – zeitnah bearbeitet werden. Dafür müssen entsprechende Regeln und Vorgehensweisen erarbeitet und vereinbart werden,
  • dass für die Stadt ein vorausschauendes seniorenpolitisches Konzept erarbeitet wird. In diesem sind wesentliche Bereiche des Älterwerdens, wie z.B. medizinische und pflegerische Versorgung, Wohnraum, Teilhabe, Einsamkeit und Demenz berücksichtigt und mit Aufgaben hinterlegt. Diese können dann vom Rat diskutiert und verabschiedet werden. An der Erarbeitung eines derartigen Konzepts wird sich die Seniorenvertretung aktiv beteiligen.

– Wir wollen zusammen mit dem Stadtjugendring ein Format finden, in dem wir uns über unsere Arbeit und Anliegen austauschen und uns ggf. auf gemeinsame Aktivitäten verständigen.

– Wir begrüßen den Beschluss des Sozialausschusses, dass Verwaltung und Seniorenvertretung gemeinsam einen Vorschlag für einen neuen Wahlmodus erarbeiten, um mehr Menschen für die Belange der Seniorenvertretung zu erreichen.

3. Themen aktiv angehen, Kooperationen suchen, Netzwerke nutzen

– Wir wollen begonnene Projekte konsequent zu Ende führen und erfolgreiche Initiativen wie Gemeinsam statt einsam weiter ausbauen.

– Wir setzen uns dafür ein, dass die digitalen Kompetenzen der älteren Menschen in Bad Honnef stetig verbessert werden und neue digitale Angebote auch für Ältere entstehen. Mit der Infomesse ‚Digitale Assistenzsysteme‘, gehen wir zusammen mit ‚Gesundes Bad Honnef‘ und der Stadt ein junges Thema an und informieren ältere Menschen – und deren Kinder – wie sie länger und sicher Zuhause in den eigenen vier Wänden leben zu können.

– Wir suchen die Kooperation und die Vernetzung mit allen Organisationen und Initiativen, die in Bad Honnef in der Seniorenarbeit tätig sind – gemeinsam sind wir noch stärker,

– Wir wollen uns in die Arbeit der Landesseniorenvertretung aktiv einbringen, um auch von deren Erfahrungen für unsere Arbeit in Bad Honnef profitieren zu können.

– Nicht zuletzt wollen wir Teil eines generationenübergreifenden Dialoges sein und das Miteinander von Jung und Alt fördern.

4. Die Seniorenvertretung wird dienstleistungsorientierter

– Wir sollten darauf hinwirken, dass die Seniorenvertretung ein Seniorenbüro betreibt. Dieses soll eine erste niederschwellige Anlaufstelle für Senioren sein, helfen und Kontakte vermitteln sowie gezielte Beratungshilfen leisten. Die Organisation könnte bei der Seniorenvertretung liegen. Ein solches Büro würde die Verwaltung entlasten. Zu den Aufgaben des Seniorenbüros könnte auch gehören, dass die Seniorenvertretung die Schnittstelle zwischen öffentlichen Förderungen für seniorengerechte Sanierungen und Umbauten und den konkreten privaten Wohnbedürfnissen für ältere Menschen besetzt.
– Die Ausgestaltung und das Konzept für ein Seniorenbüro könnten im Rahmen der Erarbeitung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzepts erfolgen. Selbstverständlich wird sich die Seniorenvertretung an dieser Arbeit beteiligen.

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