Bad Honnef. Eigentlich schien die Sache klar: Im Sommer 2025 meldete die Stadt Bad Honnef, dass die notwendige Ausbauquote für den Glasfaserausbau in mehreren Stadtteilen erreicht worden sei. In Aegidienberg, Retscheid, Selhof sowie in Rottbitze und Himberg hatten sich genügend Bürgerinnen und Bürger für einen Anschluss der Deutschen Glasfaser entschieden. Die kleinen Schildchen in Vorgärten signalisierten vielerorts: Der Ausbau kommt. Doch seitdem wurde es still.
Nun sorgt ein neuer Anbieter für Verwirrung. In verschiedenen Straßen wurde in den vergangenen Tagen Werbematerial der Firma Muenet verteilt. Zusätzlich klingelten Mitarbeiter an Haustüren und erklärten Anwohnern, die Deutsche Glasfaser werde ihr Versprechen offenbar nicht einlösen. Stattdessen solle nun Muenet Teile Bad Honnefs mit Glasfaser versorgen. Besonders betroffen seien laut den Aussagen an der Haustür die „Randgebiete“ Selhof Nord und Selhof Süd.
Eine Anwohnerin wandte sich daraufhin an Honnef heute. Sie schildert ihre Irritation darüber, dass es bislang keine öffentliche Kommunikation der Stadt zu einem möglichen Wechsel oder Einstieg eines weiteren Anbieters gegeben habe. Auch die Frage, was mit bereits unterschriebenen Verträgen bei der Deutschen Glasfaser geschehe, sei unbeantwortet geblieben.
Stadt: Keine Abkehr von Deutsche Glasfaser
Honnef heute fragte deshalb bei der Stadtverwaltung nach. Dort weist man den Eindruck zurück, aktiv Muenet nach Bad Honnef geholt zu haben. Man stehe grundsätzlich mit verschiedenen Telekommunikationsunternehmen im Austausch. Ein gezieltes Zugehen auf Muenet habe es aber nicht gegeben. Von einer offiziellen Abkehr von der Deutschen Glasfaser könne ebenfalls keine Rede sein. Allerdings bestätigt die Stadt erstmals deutlich: „Nach Auskunft der zuständigen Ansprechperson bei der Deutschen Glasfaser ruht das Ausbauprojekt in Bad Honnef derzeit.“ Damit wird offiziell bestätigt, was viele Bürger bereits vermutet hatten.
Die Stadt betont zugleich, dass der Glasfaserausbau weiterhin als wichtiger Zukunftsbaustein betrachtet werde. Allerdings sei der Markt derzeit „sehr dynamisch“. Unternehmen würden ihre Projekte zunehmend nach wirtschaftlichen Kriterien priorisieren.
Deutsche Glasfaser bestätigt Stillstand
Auch die Deutsche Glasfaser selbst räumt ein, dass sich die Rahmenbedingungen verändert hätten. Gegenüber Honnef heute erklärt das Unternehmen, die Vorvermarktung in Bad Honnef sei erfolgreich abgeschlossen worden. Viele Bürger hätten sich für einen Glasfaseranschluss entschieden. Allerdings fokussiere sich das Unternehmen inzwischen bundesweit stärker auf bereits begonnene oder fertiggestellte Projekte. Noch nicht gestartete Vorhaben – wie in Bad Honnef – könnten deshalb „sehr selektiv“ umgesetzt werden. Ein konkreter Zeitplan für Bad Honnef wurde nicht genannt. Für bestehende Verträge bedeutet das nach Angaben des Unternehmens zunächst keine Änderung. Die Vorverträge blieben weiterhin gültig.
Was bedeutet das für die Bürger?
Genau hier beginnt die Unsicherheit vieler Anwohner. Denn parallel tritt nun mit Muenet ein weiterer Anbieter auf den Plan. Nach Angaben von Bürgern wirbt das Unternehmen aktuell offensiv in einzelnen Gebieten für neue Glasfaseranschlüsse und lädt zu Informationsveranstaltungen ein.
Ob daraus tatsächlich ein konkretes Ausbauprojekt entsteht, bleibt derzeit allerdings offen. Auf die Fragen von Honnef heute reagierte Muenet bislang lediglich mit einer automatischen Eingangsbestätigung.
Unklar ist damit weiterhin:
- ob bereits konkrete Ausbauzusagen existieren,
- welche Gebiete tatsächlich versorgt werden sollen,
- wie mit bestehenden Verträgen bei der Deutschen Glasfaser umzugehen ist,
- und ob möglicherweise konkurrierende Ausbauprojekte entstehen.
Stadt sieht „Wahlmöglichkeiten“
Die Stadt bewertet mögliche Überschneidungen eher positiv. In ihrer Stellungnahme heißt es: „In Teilen des Stadtgebiets kommt es zu Überschneidungen von Ausbaugebieten. In diesen Fällen profitieren die Bürgerinnen und Bürger von Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Anbietern.“ Kritiker sehen das allerdings differenzierter. Denn für viele Bürger geht es weniger um Auswahl als um die Frage, ob überhaupt gebaut wird.
Informationspolitik sorgt für Kritik
Besonders kritisch sehen einige Bürger die Kommunikation rund um das Projekt. Seit dem Erreichen der Ausbauquote im vergangenen Jahr habe es kaum öffentliche Informationen gegeben. Die Stadt verweist darauf, dass Vermarktung und Kundenkommunikation grundsätzlich Sache der Telekommunikationsunternehmen seien. Gleichzeitig übernimmt die Verwaltung nach eigenen Angaben mehrere Rollen: Koordinator, Vermittler und Genehmigungsbehörde für Tiefbaumaßnahmen. Innerhalb der Verwaltung werde das Thema durch die Wirtschaftsförderung und den Fachdienst Tiefbau begleitet.
Offene Fragen bleiben
Damit bleiben zahlreiche Fragen offen:
- Wird die Deutsche Glasfaser den Ausbau in Bad Honnef irgendwann doch noch beginnen?
- Baut Muenet tatsächlich ein eigenes Netz?
- Müssen Bürger ihre bestehenden Verträge kündigen oder behalten?
- Drohen doppelte Vertragsbindungen?
- Und wie geht es insbesondere in den Randlagen wie Selhof Nord, Selhof Süd oder Aegidienberg weiter?
Fest steht bislang nur: Die ursprünglich geweckten Erwartungen vieler Bürger an einen zeitnahen Glasfaserausbau haben sich bislang nicht erfüllt. Statt Klarheit herrscht derzeit vor allem eines – Unsicherheit.













Hier in Rheinbreitbach hat die Firma Muenet zügig und sauber alle Straßen verkabelt. Die Hausanschlüsse fehlen noch.
Muenet ist ein kleinerer Anbieter aus dem Münsterland, sitzt in der Nähe von Deutsche Glasfaser. Sie haben nach Rheinbreitbach schon eine Trasse gelegt, mit Fördergeldern des Kreises Neuwied. Die nicht-förderfähigen Haushalte „Internet zu gut“) werden zum Teil auf Kosten von Muenet ausgebaut, sofern der Kunde einen normalen Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit abschließt. Gibt es im Kreis NR auch zwei Projekte, Rheinbreitbach und Asbach. Ich denke mal dass die Erweiterung nach Bad Honnef von Rheinbreitbach aus relativ zeitnah und wirtschaftlich passieren kann – jedenfalls ist die Chance höher als bei DG und der Service soll auch besser sein.
Bin ich froh, dass ich bei der Deutschen Glasfaser nicht unterschrieben habe. Die Haus-Anschlusskosten trage ich später gerne selbst und bin dafür frei bei der Auswahl des Anbieters.