Größe muss nicht groß bedeuten

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Es tut schon weh zu lesen, dass Patti Smith nicht auf die Insel kommt, stattdessen Montag in einer Halle spielt und einen Tag später vor 4000 Menschen im Hamburger Stadtpark auftritt. Und es schmerzt, dass das unter Umständen alles hätte verhindert werden können. Sowohl das Verwaltungsgericht Köln als auch das Oberverwaltungsgericht in Münster geben die Schuld für das Desaster ausschließlich dem Rhein-Sieg-Kreis, der Stadt Bad Honnef und dem Veranstalter.

Bereits im August 2021 hatte sich der BUND laut Gerichtsurteil um eine frühzeitige Klärung bemüht, ohne Erfolg. Das letzte Mittel: Der Eilantrag beim Verwaltungsgericht. Es ist also nicht richtig, wenn behauptet wird, der Umweltverband habe aus taktischen Gründen bis kurz vor Beginn der Konzerte mit seinem Antrag gewartet.

1975 wurde der BUND als „Bund Natur und Umweltschutz Deutschland e. V.“ von Bodo Manstein, Horst Stern, Bernhard Grzimek, Hubert Weinzierl, Gerhard Thielcke, Herbert Gruhl, Hubert Weiger sowie Enoch zu Guttenberg gegründet. Persönlichkeiten also, die frühzeitig erkannten, dass für den Umweltschutz etwas getan werden muss.

Der BUND ist einer der großen Umweltverbände Deutschlands und vom Staat als Umwelt- und Naturschutzverband (im Rahmen des Bundesnaturschutzgesetzes) anerkannt. Er muss  daher bei Eingriffen in den Naturhaushalt angehört werden. Außerdem verfügt er aus dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz über ein Verbandsklage-Recht. Das hat laut Umweltministerium den Vorteil, dass Umweltbelange in Verwaltungsentscheidungen besser berücksichtigt werden.

Im Fall der Inselkonzerte blieb der BUND außen vor. Die Verwaltungen mussten damit rechnen, dass hier ein Einspruch erfolgen wird. Kreis und Stadt kümmerte das offensichtlich wenig. Sonst hätten die Beteiligten im Dialog mit Sicherheit Regelungen gefunden, wie Kultur und Natur auf der Insel und der Region in Einklang zu bringen sind. Vermutlich hätte man sich auf ein vertretbares Maß an Konzerten verständigen können – drei Großkonzerte hintereinander auf der Insel – dieses Programm erinnert schon ein bisschen an Gigantismus.

Und in Wahrheit geht es ja nicht nur um Kultur, sondern mehr noch um Wirtschaftsförderung und privaten Gewinn. In diesem Zusammenhang wartet „Honnef heute“ noch auf Antworten auf die Fragen, wie sich die Stadt an den Kosten beteiligt hat, ob der Veranstalter eine Platzmiete zahlen muss etc. Eine weitere Frage lautet natürlich jetzt: Ist die Stadt in irgendeiner Form zu Schadensersatz verpflichtet?

Und – (Klammer auf: Was wäre eigentlich bei einem größeren Notfall auf der Insel geschehen? Die Brücke ist wegen der Sanierung zurzeit nur teilweise befahrbar, Feuerwehrfahrzeuge dürften nur gerade so durchkommen. Und wenn BesucherInnen ihnen – eventuell in Panik – entgegengekommen wären – die Fahrzeuge wären vermutlich steckengeblieben).

Jetzt ist nur zu hoffen, dass wenigstens die Voraussetzungen geschaffen werden, damit – neben R(h)einspaziert – die letzten beiden Konzerte mit ZAZ und Nick Mason stattfinden können. Nicht, weil Bad Honnefs Lebensfähigkeit von deren Kunst abhängig wäre, sondern um zu zeigen, die Stadt kanns besser.

Es wäre zu wünschen, wenn nicht Masse, Größe und der Drang nach Anerkennung im Zentrum der Bad Honnefer Markenpolitik stehen würde, sondern mehr die Potenz des eigenen „Volkes“ berücksichtigt würde und vor allem Nachhaltigkeit und Transparenz.

Was die Kultur betrifft, hat die CDU einen Vorschlag vorgelegt. Damit wäre ein Anfang gemacht. Jüngst stellte sie die Forderung nach frühzeitigen Informationen über gewichtige Bauvorhaben mit dem Ziel, rechtzeitig Einfluss auf die Entwicklung des Stadtbildes nehmen zu können. Diese Forderung kann sich durchaus auch auf die Nutzung beispielsweise der Insel beziehen, die Ziele bei Kultur, Stadtmarketing etc.

Zum Schluss noch ein Zitat des früheren BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger, veröffentlicht durch den Deutschlandfunk: „Ich finde, es ist doch geradezu idiotisch, mit immer größeren Einheiten immer mehr zu produzieren und immer mehr Landschaft zu zerstören. Unser Problem ist doch nicht, dass wir zu wenig zu essen haben. Unser Problem ist doch, dass wir zu wenig Landschaft haben, in der wir uns erholen können von dem Stress dieser Industriegesellschaft, in der wir leben. “

Das trifft auch auf das immer größer werdende Angebote an Konzerten zu. In Bonn ist es mittlerweile so umfangreich, dass es keine geeigneten Veranstaltungsflächen mehr gibt.

 

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