Während dies Lastenfahrräder des Kiezkaufhauses Bad Honnef noch Ruh haben, fährt dieses munter durch die Stadt

Bad Honnef – Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Fahrradverkehr in Bad Honnef immer noch ein Stiefkind ist! Mit dieser Aussage setzte Bürgermeister Otto Neuhoff heute bei einer Pressekonferenz im Rathaus zum Thema “Mobilität in Bad Honnef” Maßstäbe. Dennoch brauche gut Ding Weile, alle Betroffenen müssten schließlich beteiligt werden und Konsens sei wichtig.

Das verbindende Element bei der Entwicklung eines Mobilitätskonzepts sei der Klimaschutz, so Neuhoff, der seine Sicht der Dinge mit einer Aussage von Bundeskanzlerin Merkel untermauerte: Klimaschutz habe trotz Corona nicht an Relevanz verloren.

Entsprechend wird beim Bad Honnefer Mobilitätskonzept die Zukunft der Fahrradmobilität in engem Zusammenhang mit Klimaschutz und  ÖPNV gesehen.

Bei allem müsse die richtige Balance gefunden werden, erklärte der Leiter Geschäftsbereich Städtebau, Fabiano Pinto, der das Radverkehrskonzept vorstellte. Es ginge um eine Erhöhung des “Alltagsradfahrens”, der Sicherheit und des Komforts. Das Radverkehrsnetz müsse optimiert und erweitert werden und ein “stadtverträgliches” Miteinander unterschiedlicher Mobilitätsformen müsse das Ziel sein.

(v.l.) Johanna Högner (Wirtschaftsförderin), Fabiano Pinto (Leiter Städtebau), Otto Neuhoff, Kathrin Schmidt (Klimamanagerin), Holger Heuser (Erster Beigeordneter)

Als Schwerpunkte sieht er die Entflechtung des Verkehrsströme, beispielsweise die Entkoppelung von Hauptrouten zugunsten des Radverkehrs, die Herstellung und Verbesserung wichtiger Verbindungsachsen im Stadtgebiet und eine Neuverteilung der Flächen in den betreffenden Straßen. Nebenrouten für Kraftfahrzeuge könnten zu Hauptrouten oder  bevorzugten Routen für Fahrräder werden, im anderen Fall könnte der Fahrradverkehr auf einer Hauptverkehrsstraße für den KFZ-Verkehr gleichberechtigt behandelt werden.

Ebenfalls auf der Agenda stehen die Entwicklung der Abstellanlagen und Übergangspunkte. 15 Einzelmaßnahmen seien diesem Schwerpunkt zugeordnet, so Pinto, unter anderem sollen die Kombination von Wegen mit dem Rad und dem Öffentlichen Nahverkehr gefördert, sowie allgemein die Abstellmöglichkeiten ausgebaut werden. Geplant seien auch Umwidmungen von KFZ-Stellplätzen in Fahrradplätze.

All dies müsse so kommuniziert werden, dass die Bürgerinnen und Bürger Zugang zu einem positiven Fahrradklima finden. Gelingen soll das mit 16 exemplarisch vorgestellten Marketingzielen, zum Beispiel der Gewinnung von Radwegpaten, der Einführung von Verleihsystemen und mobilen Bürgerversammlungen.

Um die vorgestellten Maßnahmen umsetzen zu können, ist die Verwaltungen den Förderaufrufen “Nationaler Radverkehrsplan 2020” und “Klimaschutz durch Radverkehr” gefolgt, berichtete Wirtschaftsförderin Johanna Högner. Die Projektskizzen sehen beispielsweise ein Fahrradfestival, einen Kunstwettbewerb und ein Beschilderungskonzept, sowie eine Qualitätsverbesserung bei der Rheinstrecke  zwischen Rhöndorf Richtung Bonn, den Aufbau eines möglichst parallelen innerstädtischen Radroutennetzes und die Umgestaltung von Kreuzungen vor.

Spannend: Auch Fahrradfahren auf de(n)m Berg soll zum Thema werden. So beschäftigen sich die Planer mit alternativen Strecken vom Tal Richtung Berg durch den Stadtwald.

Holger Heuser, Erster Beigeordneter der Stadt Bad Honnef, stellte das Mobilitätskonzept aus Sicht des ÖPNV vor. Als Bausteine nannte er Angebotsverbesserungen im Talbereich, die Anbindung Selhofs durch eine Kleinbuslinie, die Bewerbung zur Förderung einer Schnellbuslinie zwischen Honnef und Windhagen, eine verbesserte “Innerortserschließung” auf der Nord-Süd sowie der Ost-West-Achse und eine Weiterentwicklung der Linie 561 in Aegidienberg. Beim Kleinbus müsse man allerdings auf ein Fahrzeug mit konventionellem Motorantrieb zurückgreifen, da E-Busse in der erforderlichen Größe zurzeit nicht zur Verfügung stünden.

Immerhin geht Heuser davon aus, dass der Kleinbus, wenn er denn kommt, schon 2021 fahren könnte.

Johanna Högner geht da beim Radmobilitätskonzept von längeren Projektzeiträumen aus. Schließlich sollen erst einmal die Bürgerinnen und Bürger befragt werden, wo sie Prioritäten bei der Mobilitätsentwicklung sehen. Für Otto Neuhoff ein ganz wichtiger Aspekt. Die Stadt brauche nicht nur Projektpartner, sondern auch Bürger, die das Projekt begleiten. Es ginge nur, “wenn wir uns alle daran beteiligen”.

Radverkehrskonzept

Am 19.5.2020, 18 Uhr, wird das Konzept im Ratssaal dem Ausschuss für Umwelt, Wald, Verkehr, Feuerschutz und Rettungswesen vorgestellt. Die Sitzung ist öffentlich.

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