Bad Honnef. Zum bevorstehenden „Welt-Trinkgeld-Tag“ am 21. Mai ruft die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Gäste im Rhein-Sieg-Kreis dazu auf, beim Trinkgeld nicht zu knausern. Gerade für viele Beschäftigte in Restaurants, Biergärten, Hotels und Gaststätten sei der „Tip“ ein wichtiger Zusatz zum oft eher niedrigen Einkommen.
Wie die NGG Köln mitteilt, arbeiten im Rhein-Sieg-Kreis rund 8.690 Menschen in der Gastronomie und Hotellerie. Für sie sei Trinkgeld nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern auch ein Zeichen der Wertschätzung. „Der Rest ist für Sie“ – diesen Satz höre jeder Kellner gerne, erklärt Marc Kissinger von der NGG Köln. Besonders erfreulich sei es natürlich, wenn dabei mehr als nur ein paar Cent übrig bleiben.
Die Gewerkschaft verweist auf die in Deutschland übliche Faustregel von etwa zehn Prozent Trinkgeld. Auch 15 Prozent seien durchaus angemessen. Gleichzeitig kritisiert die NGG, dass manche Gäste gar kein Trinkgeld geben oder sich mit fünf Prozent begnügen. Besonders in Fast-Food-Betrieben falle das Trinkgeld häufig sehr gering aus – obwohl gerade dort viele Beschäftigte keine hohen Löhne erhielten.
Kritisch sieht die Gewerkschaft zudem moderne Kartenlesegeräte, die bereits feste Trinkgeldvorschläge anzeigen. Viele Gäste fühlten sich dadurch unter Druck gesetzt oder überfordert und entschieden sich am Ende gegen ein Trinkgeld. Die NGG empfiehlt Gästen deshalb ausdrücklich nachzufragen, ob das bei Kartenzahlung gezahlte Trinkgeld tatsächlich vollständig beim Personal ankommt. Trinkgeld dürfe keinesfalls mit dem regulären Lohn verrechnet werden, betont die Gewerkschaft: „Lohn ist Lohn. Und Tip ist Tip.“
Nach Angaben der NGG sei es in vielen Betrieben üblich, die Trinkgelder fair im Team aufzuteilen. Davon sollten nicht nur Servicekräfte profitieren, sondern auch Küchenhilfen, Minijobber oder Aushilfen im Biergarten.
Neben der Debatte ums Trinkgeld richtet die Gewerkschaft auch den Blick auf die kommenden Tarifverhandlungen im Gastgewerbe. Die NGG fordert ein Lohnplus von sechs Prozent für die Beschäftigten. Begründet wird dies unter anderem mit der seit Jahresbeginn geltenden Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent. Ein Teil dieser finanziellen Entlastung müsse nun bei den Beschäftigten ankommen, so die Gewerkschaft. Verhandelt wird darüber Mitte Juni mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA.
Die NGG macht dabei deutlich: Trinkgeld könne zwar helfen, ersetze aber keine fairen Löhne. Für die spätere Rente spiele Trinkgeld schließlich keine Rolle.









