Parkkindergarten: Essen ist hier keine Nebensache

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V.l. Hansjörg Tamoj, die Förderkreismitglieder Laura Solzbacher, Christine Wusthof, Melanie Kubil und Leiterin Nora Grohe
V.l. Hansjörg Tamoj, die Förderkreismitglieder Laura Solzbacher, Christine Wusthof, Melanie Kubil und Leiterin Nora Grohe

Bad Honnef | Die höchsten und ältesten Bäume im Garten und seit einigen Wochen auch ein 20.000 Euro teures Heißluftgerät in der Küche – Der Parkkindergarten in der Bernhard-Klein-Straße hat sich für das Cook and Chill-System entschieden, ein Essenszubereitungsverfahren, das hohe Nahrungsqualität und bessere Hygiene garantiert. Geschäftsführer Hansjörg Tamoj: „Essen ist bei uns keine Nebensache.“

Nicht die einzige Neuerung, die Geschäftsführung, Kindergartenleitung und Förderverein am Samstag vorstellten. Das gesamte Außengelände wurde neu gestaltet. Da gibt es nicht mehr nur die klassischen Geräte wie Schaukeln und Wippen, sondern komplette Hügel- und Wasserlandschaften mit Natur- und Kunstrasen. Sogar eine „sprachrohrgesteuerte“ Kommunikationsanlage, ein Erdtelefon, ist vorhanden. „Wenn die Kinder wollen, können sie vom Spielplatz mit den Erzieherinnen in der Gruppe telefonieren“, erklärt Leiterin Nora Grohe.

120.000 Euro hat sich das alles der Träger, die Parkkindergarten Hagerhof gGmbH, kosten lassen, vorfinanziert von der Stadt. Die bekommt das Geld über die Miete wieder zurück.

Damit seien zwei weitere Projekte nach der Grundsanierung abgeschlossen, so Tamoj. Vor acht Jahren hat die GmbH das Haus von der katholischen Kirche übernommen und auf Vordermann gebracht. Mehrere Monate mussten die Kinder deswegen in ein anderes Quartier ausweichen.

79 Kinder werden von 12 hauptamtlichen Erzieherinnen in vier Gruppen nach der Montessori-Pädagogik betreut: Eine integrative Gruppe mit 15 Kindern von drei Jahren bis zum Schuleintritt mit fünf Förderplätzen; zwei altersgemischte Gruppen von drei Jahren bis zum Schuleintritt mit 25 Kindern und eine Nestgruppe mit 12 Kindern im Alter von zwei Jahren. Die Eltern können zwischen 25, 35 und 45 Betreuungsstunden in der Woche wählen.

„Eigentlich ist das nicht ausreichend“, sagt Melanie Kubil, Juristin, Mutter und Mitglied des Förderkreises. Wenn Frauen ganztags einem Beruf nachgehen wollten, reiche diese Zeit nicht aus. Nora Grohe pflichtet bei: „Wir würden gerne längere Öffnungszeiten anbieten, haben aber nicht das Geld, um das dafür notwendige Personal zu bezahlen“.

Wenig Geld und wenig Personal spielen überhaupt eine große Rolle in der deutschen Vorschulpädagogik. So sind zum Beispiel drei Fachkräfte für über 20 Kinder pro Gruppe zuständig. Bei Krankheit oder Urlaub steht kein zusätzliches Personal zur Verfügung. Inklusion und die Betreuung von Kindern unter drei Jahren macht den pädagogischen Alltag zwar spannend, aber auch anspruchsvoller. Ein Drittel der Arbeitszeit geht für Dokumentation drauf.

Mehr Personal? Pustekuchen. Dafür bekommen Erzieherinnen verglichen mit anderen Berufsgruppen einen „Hungerlohn“, im Bundesdurchschnitt 2069 Euro Brutto. Ein Bankangestellter erhält nach der Ausbildung 700 Euro mehr, hinzu kommen bei ihm noch diverse Sondervergütungen und Provisionen.

Dabei haben die Mitarbeiterinnen des Parkkindergartens noch Glück. Sie werden nach dem TVöD bezahlt, dem früheren Bundesangestelltentarif (BAT). Wären sie bei der AWO angestellt, müssten sie mit 170 Euro weniger für dieselbe Arbeit auskommen.

Vor dreißig Jahren seien noch viele Erzieherinnen und Erzieher aus Mittelschichtsfamilien gekommen und hätten Abitur gehabt. Mittlerweile habe sich die professionelle Betreuung von Kindern in den letzten Jahren in Richtung eines Zuverdienst-Berufs entwickelt, zitiert der Focus Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der FH Koblenz.

So ist es kein Wunder, dass Männer als Hauptverdiener diesen Beruf fast komplett meiden.

Dass die „Zukunft“ unserer Gesellschaft dennoch gut betreut werden kann, ist neben dem oft selbstlosen Verhalten der pädagogischen Fachkräfte auch den Fördergremien zu verdanken. Der Parkkindergarten hat einen Förderkreis, der 5.000 Euro für eine Wasseranlage im Gartengelände gesammelt hat. In der nächsten Zeit wollen die Mitglieder ihre Aktivitäten weiter ausdehnen.

Eine gute Idee. Kindergartenleiterin Grohe: „Es wird vorausgesetzt, dass wir all das leisten können, was die Politik verlangt. Das ist aber viel zu viel.“

Neues Außengelände mit allem Drum und Dran
Neues Außengelände mit allem Drum und Dran
Parkkindergarten
Rückfront des Kindergartens
Parkkindergarten
Leiterin Nora Grohe inspiziert das neue Warmluftgerät

 

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