Pilotphase gestartet: Tampons und Binden auf Campus-Toiletten

Als eine der ersten Hochschulen in NRW stellt die Universität Bonn kostenlose Periodenprodukte für Studierende zur Verfügung.

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Prof. Dr. Irmgard Förster und Jonathan Andraczek haben das Projekt an der Uni realisiert - Foto: Barbara Frommann

Bonn – An sieben Standorten hat die Universität Bonn Spender mit kostenlosen Periodenartikeln installiert. Damit möchte die Hochschule notwendige Hygieneprodukte für alle zugänglich machen und zur Enttabuisierung der Menstruation beitragen. Initiator des Projektes war der Allgemeine Studierendenausschuss AStA. Organisation und Finanzierung der Pilotphase liegen beim Prorektorat für Chancengerechtigkeit und Diversität.

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Ziel ist es, beim Thema Menstruationsprodukte Ungleichheiten finanzieller und sozialer Art auszugleichen. Prof. Dr. Irmgard Förster, Prorektorin für Chancengerechtigkeit und Diversität: „Die AStA-Vertreter*innen engagieren sich sehr für dieses Projekt. Diese Initiative ist großartig und ich freue mich, dass wir uns damit ganz konkret für eine verbesserte Chancengerechtigkeit einsetzen. Indem wir kostenlose Periodenprodukte anbieten, haben wir einen ganz praktischen Ansatz gewählt, um der Periodenarmut entgegenzuwirken und soziale Ungerechtigkeit abzubauen.”

Die Projektbeteiligten sind sich sicher: Kostenfreie Menstruationsprodukte sind ein weiterer kleiner, aber sehr wichtiger Schritt in Richtung Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Durch diese Maßnahme soll während der Menstruation der Aufenthalt an der Hochschule erleichtert werden. Dabei helfe es, dass man auch an der Universität auf Periodenprodukte zugreifen könne und die Menstruation keine Barriere darstellt.

Diese Spender sind campusweit in sieben Waschräumen installiert und enthalten frei zugänglich Tampons und Binden. Auf jedem Spender gibt es einen QR Code mit Verweis zur Online-Umfrage – Foto: Barbara Frommann/Uni Bonn

Denn für menstruierende Studierende ist die Anschaffung von Hygieneprodukte ein zusätzlicher Kostenfaktor. „Wer sich das nicht leisten kann, bleibt zuhause statt Lehrveranstaltungen zu besuchen“, erklärt Jonathan Andraczek, voriger AStA-Vorsitzender. „Menstruationsprodukte geben Studierenden die Möglichkeit, am Studienalltag teilzuhaben. Als Zeichen für Teilhabe und Chancengerechtigkeit, machen wir uns deshalb für die kostenlose Bereitstellung der Hygieneartikel stark”, so Andraczek.

Nach dem Impuls vom AStA, dauerte es nicht lange bis zur Zustimmung der Hochschulleitung und der gemeinsamen Ausarbeitung eines Konzeptes für die Pilotphase. Wegen der Pandemie und ausfallender Präsenzveranstaltungen verständigten sich Prorektorat und AStA, das Projekt zum Sommersemester zu starten. Jetzt steht dem Testlauf nichts mehr im Weg. Andraczek, resümiert: „Wir begrüßen sehr, dass unsere Idee im Rektorat und im Prorektorat für Chancengerechtigkeit und Diversität, gleich auf offene Ohren stieß. Das ist ein wichtiges Signal seitens der Uni. Indem wir die Menstruation enttabuisieren, fördern wir Gleichstellung von Frauen und menstruierenden Personen.”

Pilotphase entscheidet über dauerhafte Implementierung

Das Projekt startet als Pilotphase während des Sommersemesters. In dieser Zeit beobachtet die Uni Bonn die Resonanz auf die kostenlose Bereitstellung der Hygieneartikel. „Die Testphase wird uns Aufschluss über die Nachfrage geben und hilft, die Kosten abzuschätzen“, so Prorektorin Förster. Wichtig ist ihr ein wertschätzender Umgang mit den Periodenartikeln. „Wir bitten ausdrücklich darum, nur das zu nehmen, was wirklich benötigt wird und sorgsam mit den Spendern umzugehen.” Die enthaltenen Periodenartikel sind aus nachhaltigen Materialien.

Ab sofort können Studierende ihre Stimme für das Projekt in einer Online-Umfrage abgeben. Je nach Ergebnis und Rücklaufquote werden weitere Toiletten mit Spendern ausgestattet und die Periodenartikel werden womöglich kostenloser Standardhygieneartikel – ähnlich wie Toilettenpapier oder Papiertücher.

Die Spender mit den Periodenartikel befinden sich in den Vorräumen der Damentoiletten und werden immer wieder aufgefüllt. Sollten die Spender doch einmal leer sein, freut sich die Universität über einen Hinweis per Mail. Das geht ganz einfach über die FAQs auf der Website. „Perspektivisch wollen wir die Periodenartikel auch auf den anderen Toiletten anbieten. Denn auch männliche Studierende menstruieren. Den Bedarf kennen wir leider nicht. Auch hier hoffen wir auf viele Teilnehmer*innen bei der Umfrage, um mehr Informationen darüber zu erhalten“, so Andraczek.

Vorreiter Schottland

Das Thema kostenloser Menstruationsprodukte wird national und international diskutiert. Im November 2020 hat das Parlament von Schottland ein Gesetz beschlossen, das Tampons und Binden in öffentlichen Institutionen kostenfrei zur Verfügung stellt. Seitdem gibt es in Deutschland ähnliche Initiativen und Debatten über die kostenlose Bereitstellung von Periodenprodukten. Einige Universitäten bieten auf ihren Toiletten bereits kostenfreie Menstruationsprodukte an, zum Beispiel Potsdam, Stuttgart und Passau. Stuttgart und Passau genau wie die Universität Bonn als Pilotprojekt.

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1 Kommentar

  1. Ich glaube eher dass diese Produkte von einem Hersteller gesponsert werden, der damit die jungen Frauen auf seine Marke einschwören will. Und damit niemand den Braten riecht, erzählt man irgend ein Geschwurbel.

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