Bad Honnef-Rhöndorf – Die Taubensituation an der Bahnhofsunterführung in Rhöndorf nimmt makabre Züge an. An der Bahnhofsunterführung kauern verängstigte Tauben in verbliebenen Nischen, immer wieder werden tote Tauben auf den Wegen gefunden. Heute fand eine Taubenfreundin eine frisch geköpfte Taube, “das Blut lief noch heraus”, schrieb sie auf Facebook. “Erst vor 4-5 Tagen fand ich eine tote Taube an der Rhöndorfer Straße. Das Taubensterben geht weiter….” – Zuvor soll die Stadt dort die Gehwege mit Wasser gesäubert haben.

Der Taubenschwarm soll sich laut Silvia Schulte von der Initiative Stadttauben Bad Honnef zwar verkleinert haben, aber nur, weil sich einige der Vögel jetzt in der Unterführung der B42 in Rhöndorf aufhielten. Dort habe sich ein 2. Schwarm gebildet.

Viele sitzen aber nach wie vor auch auf den Dächern der Nachbarhäuser in Nähe des Bahnhofs.

Einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung wegen des Taubenfütterungsverbots  hat die Stadt im Januar abgelehnt. In dem Schreiben wird unter anderem darauf verwiesen, dass Tauben Krankheiten übertragen, Parasitenbefall fördern und allergische Reaktionen hervorrufen könnten. Außerdem wären die Tiere verantwortlich für Schäden an Bauwerken.

Dabei hat der Deutsche Tierschutzbund schon längst klargestellt, dass die gesundheitliche Gefährdung durch Tauben “nicht größer als die durch andere Zier- und Wildvögel oder Haustiere” ist.

Zu der wichtigsten Maßnahme bei einer tiergerechten Bestandesregulierung gehört laut Tierschutzbund “unter anderem die Einrichtung von geeigneten Nistmöglichkeiten, die für die Tauben attraktiv sind und in denen durch ein Austausch der Gelege der Bestand der Tauben reguliert werden kann. Deshalb sollten für die Tiere Taubenhäuser/-türme errichtet werden”. In vielen Städten funktioniert diese Vorgehensweise. Ob es in Rhöndorf in naher Zukunft ein Taubenhaus geben wird, muss abgewartet werden.

Antwort von Silvia Schulte von Stadttauben Bad Honnef auf das Schreiben der Stadt Bad Honnef:

Das Anschreiben von Ihnen beruft sich auf Unkenntnisse und „Ammenmärchen“ die über Stadttauben verbreitet werden, um die Vergrämungsmaßnahmen zur rechtfertigen!

Würde man mit uns in den direkten Dialog gehen und ein Gespräch suchen, könnten einige Missverständnisse geklärt werden und Unwahrheiten in das richtige Licht gebracht werden.

Die Städte, die bereits mit Tier- und Taubenschutzorganisationen zusammenarbeiten und das Fütterungsverbot aufgehoben haben, kennen die Vorgehensweise und unterstützen das Engagement. Die Tauben werden täglich zu derselben Uhrzeit gefüttert, damit die Tauben sich daran gewöhnen und versammeln, die Tierschützer verweilen im Umfeld während der Nahrungsaufnahme, ist diese beendet und die Tauben „satt“, wird das liegengebliebene Futter zusammengefegt und entsorgt. Um zu vermeiden, dass andere „Tiere“ von herumliegenden Futter angezogen werden.

Aktuell gibt es in Rhöndorf sehr viele Taubenfreunde, die Mitleid mit den Tieren haben und diese „Wildfüttern“ – es liegen Brotreste, Vogelfutter und Taubenfutter am Bahnhof herum. Würden wir das Recht erhalten, die Tauben mit Erlaubnis zu füttern, würde dieser Umstand der Wildfütterung verhindert werden. Die ersten Nagetiere haben den Weg zum Bahnhof bereits gefunden! Da Brotreste auch keine artgerechte Fütterung ist, teilweise hat das Brot schon Schimmel angesetzt, sammle ich zur Zeit diese Reste ein und vernichte diese. Täglich kommt neues Brot hinzu!

Sie verweisen auf den Taubenkot, der durch das Nisten der Tauben die Bauwerke angreift – die Tauben sind weiterhin vor Ort und haben bereits neue Nistplätze gefunden – die Bauwerke sind weiterhin in „Gefahr“! Ein Taubenschlag könnte dies verhindern und die Bauwerke von Nistplätzen und Kot befreien. Zur Zeit verteilt sich der Taubenkot über das komplette Bauwerk des Bahnhof!

Nach wie vor Taubenkot. Heute wurde er weggespritzt. Bald wird wieder welcher zu sehen sein. | Foto: Stadttauben Bad Honnef

Die gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch andere Zier- und Wildvögel oder Haustiere! Sollte Ihnen die Gesundheit der Bürger und Nutzer des Bahnhof am Herzen liegen, ist nicht nachvollziehbar, dass sie diese Menschen täglich dieser „Gefahr“ aussetzen, sich mit Krankheiten anzustecken. Das Treppengeländer ist mit Taubenkot übersät – Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen, die auf das Geländer angewiesen sind, haben somit die Wahl – zu stürzen oder sich mit gefährlichem Taubenkot anzustecken! Der Ticketautomat ist ebenso mit Kot versehen, aufgrund einer Beschwerde von einer Bürgerin, wurde dieser einmalig gesäubert –auch hier entsteht ein Ansteckungsrisiko!

Mitmenschen die mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren, dies dort abstellen, um weiter mit Bahn oder Zug zu fahren, müssen nach der Rückkehr den Sattel und das Lenkrad säubern, die Tauben sitzen dort sehr gerne und verweilen dort den Tag!

Die Größe des Taubenschwarm ist kleiner geworden, aber diese Tauben sind nicht verschwunden – an der Unterführung B42 Richtung Königwinter, Auffahrt B42 – ist schon seit geraumer Zeit ein 2. Schwarm entstanden. Hier sind die Tauben ungestört und können sich unkontrolliert vermehren. Einige Tauben vom Standort Bahnhof haben sich diesem Schwarm angeschlossen. Das Taubenproblem hat sich nur verlagert – was schon die ganze Zeit unsere Aussage und Prognose gewesen ist, auch hier hat der Dialog gefehlt.

“Problem” verlagert. Jetzt sitzen noch mehr Tauben an der B42-Unterführung in Rhöndorf | Foto: Stadttauben Bad Honnef

Unser Bestreben ist von Beginn an gewesen, erst den Taubenschwarm „Bahnhof“ umzusiedeln und anschließend den Taubenschwarm „Auffahrt B 42“ nachzuholen, um dauerhaft eine Lösung für das Taubenproblem in Rhöndorf zu finden und die komplette Taubenpopulation unter Kontrolle zu haben – wenn uns der Taubenschlag genehmigt würde!

Wir werden bei der nächsten Ratssitzung am 25.02.2021 von unserem Recht Gebrauch machen bei der Einwohnerfragestunde 2 Fragen + 1 Zusatzfrage zu stellen. Diese werden wir fristgerecht vorab einreichen und die Fragen bei der Ratssitzung an den Bürgermeister persönlich stellen.

Das Kreisveterinäramt des Rhein-Sieg-Kreis, Frau Dr. Karin Ludwig, Abteilungsleiterin haben wir auch angeschrieben, die Ämter arbeiten in vielen Gemeinden erfolgreich mit Tierschutzorganisationen zusammen!

Wir sind weiterhin bereit den Dialog mit der Stadt Bad Honnef zu suchen und gemeinsam eine artgerechte Lösung zu finden!

3 Kommentare

  1. Gibt es zur Zeit nichs Wichtigeres ? Wie laufen eigentlich die Ermittlungen zum Brand in der Realschule und zur Sachbeschädigung der 80 KFZs ?

  2. “Aktuell gibt es in Rhöndorf sehr viele Taubenfreunde” ist eine sehr einseitige Aussage. Es gibt in Rhöndorf auch sehr viele Leute, die von den ganzen Tauben seit Jahren genervt sind und sie endlich weg haben wollen. Ich begrüße alle Maßnahmen, den Tauben die Gegend am Rhöndorfer Bahnhof so unangenehm wie möglich zu machen, damit sie von dort verschwinden und nicht mehr alles voll-koten.

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