Rhein-Sieg-Kreis. Im Rhein-Sieg-Kreis leben mehr als die Hälfte der Menschen in den eigenen vier Wänden. 52,2 Prozent beträgt die Wohneigentumsquote – deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt mit 43,5 Prozent. Rund 151.100 Wohnungen werden von ihren Eigentümerinnen und Eigentümern selbst genutzt, 19 Prozent davon sind Eigentumswohnungen.
Was auf den ersten Blick nach einer Erfolgsgeschichte klingt, offenbart bei genauerem Hinsehen eine wachsende Schieflage – vor allem zwischen den Generationen.
Eigentum bleibt Wunsch – wird aber zur Hürde
„Damit ist Deutschland ein ‚Mieter-Land‘ und landet beim Ranking zum Wohneigentum im Europa-Vergleich nur auf dem vorletzten Platz“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
Auch im Rhein-Sieg-Kreis, wo traditionell viele Menschen auf das Eigenheim setzen, ist der Weg dorthin steiniger geworden. Besonders betroffen: die 25- bis 40-Jährigen. Rund 111.600 Menschen dieser Altersgruppe leben im Kreisgebiet. Für viele von ihnen rückt das eigene Haus oder die Eigentumswohnung in weite Ferne.
„Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagt Matthias Günther.
Steigende Baukosten, hohe Grundstückspreise und verschärfte Kreditbedingungen treffen ausgerechnet jene, die traditionell als „Nestbauer“ gelten. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, so Günther.
Forderung nach neuer „Haus-Förderung“
Die Bau- und Baustoffbranche sieht vor allem den Bund in der Pflicht. Nach dem Auslaufen von Eigenheimzulage und Baukindergeld fehle es an wirksamer Unterstützung, heißt es.
„Der Bund hat zuletzt die Eigenheimzulage und dann das Baukindergeld abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, sagt Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel.
Sie fordert ein neues Förderprogramm mit direkten Zuschüssen: „Notwendig sind direkte Zuschüsse. Geld vom Bund also, das auch Durchschnittsverdiener im Rhein-Sieg-Kreis in die Lage versetzt, endlich eine Chance auf die eigenen vier Wände zu haben: Ein Startkapital für das erste selbstgenutzte Wohneigentum.“ Zusätzlich brauche es ein Niedrigzinsprogramm.
Auch Hannes Zapf, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, drängt auf Planungssicherheit: „Es muss eine Marathon- und darf keine Sprint-Förderung geben. Wer sich heute entscheidet, Geld für ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu sparen, muss sich auch in drei, fünf oder sieben Jahren noch darauf verlassen können, dass die Förderung als feste Zusage des Staates steht.“
Eigentum als Altersvorsorge
Neben der Generationengerechtigkeit steht für die Verbände ein weiteres Argument im Mittelpunkt: Wohneigentum als Schutz vor Altersarmut.
„Als bewohnbare Rente – als ein Stück ‚Rente in Stein‘ nämlich“, macht Hannes Zapf deutlich.
Gerade mit Blick auf die geburtenstarken Jahrgänge sieht das Pestel-Institut Handlungsbedarf. „Die Baby-Boomer gehen jetzt nach und nach in Rente. Damit haben sie deutlich weniger Geld im Portemonnaie. Die Miete bleibt aber oder steigt sogar. Die Folge: Immer mehr Neu-Rentner können sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten – sie wohnen sich arm“, sagt Matthias Günther.
Für ihn ist klar: „Wohnarmut im Alter [ist] vor allem eine Mieterarmut“. Wer Wohneigentum habe, komme finanziell im Alter „deutlich besser über die Runden“.
Regionale Stärke – aber keine Entwarnung
Dass der Rhein-Sieg-Kreis über dem Bundesdurchschnitt liegt, ist ein positives Signal. Doch auch hier ist Eigentum längst kein Selbstläufer mehr. Gerade in gefragten Kommunen wie Bad Honnef, Königswinter oder Sankt Augustin sind Grundstücke knapp und teuer, Bestandsimmobilien rar.
Der politische Appell richtet sich deshalb auch an die Bundestagsabgeordneten aus Nordrhein-Westfalen. „Im Koalitionsvertrag steht klipp und klar, dass Wohneigentum gefördert werden soll. Aber wann, wenn nicht jetzt?“ fragt Katharina Metzger.
Ob und wann eine neue „Haus-Förderung“ kommt, ist offen. Klar ist jedoch: Für viele junge Familien im Rhein-Sieg-Kreis entscheidet sich in den kommenden Jahren, ob der Traum vom Eigenheim Realität wird – oder dauerhaft auf Eis bleibt.











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