Bad Honnef geht mit dem neuen Klimaanpassungskonzept einen wichtigen Schritt voran. Die Untersuchung zeigt deutlich die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels: Die Thermometer steigen an immer mehr Tagen über dreißig Grad, regenfreie Zeiten dauern länger an, Wolkenbrüche fallen heftiger aus und die älteren Einwohner leiden besonders unter dieser Hitze. Der Text benennt die Gefahren genau und empfiehlt viele sinnvolle Schritte – vom Pflanzen zusätzlicher Bäume über das Aufreißen von Asphaltdecken bis hin zu einem verbesserten Umgang mit dem Regenwasser.
Die überzeugende Untersuchung legt eine Schwachstelle allerdings besonders offen.
Das Konzept beschreibt zugebaute Flächen als Hauptursache für die Hitze in der Stadt (S. 62). Straßen sowie Betonplatten speichern die Sonnenwärme, lassen kein Wasser durchsickern und verstärken die Fluten bei Wolkenbrüchen. Gleichzeitig plant Bad Honnef aber fest mit neuen Baugebieten (S. 98-99). Das Zubauen neuer Böden lasse sich kaum umgehen, heißt es im Text. Es komme nur darauf an, die Vorhaben möglichst klimaverträglich zu gestalten.
Diese Absicht klingt verständlich – reicht sie angesichts der bedrohlichen Wetterdaten aber noch aus? Antworten dazu gab unlängst der Bad Honnefer Schüler. Er ermittelte die Erwärmung bei möglichen Neubaugebieten wie Selhof Süd. Die Daten sprechen für sich. Eine prognostizierte Erwärmung bei Extremwetterlage um über 5 Prozent dürfte für sich sprechen.
Wer unbedeckte Erde für die Kühlung und als Speicher für Regenwasser benötigt, stellt am besten auch den Nutzen jeder neuen Baufläche infrage. Diese Diskussion spart das Konzept bisher aus (S. 136).
Sicherlich fehlt es in Bad Honnef an Wohnungen. Die Erderwärmung verschiebt jedoch die Prioritäten. Unbebaute Wiesen dienen längst nicht mehr als bloßer Platz für zukünftige Häuser. Sie kühlen die Luft ab, saugen Regen auf wie ein Schwamm und erzeugen frische Luftströme – diese Aufgaben übernimmt nachträglich keine Technik.
Genau an dieser Stelle fehlt dem Konzept der Mut. Eine klare Grenze für das Zubauen freier Flächen fehlt. Die Verfasser beschränken sich darauf, die Schäden durch neue Baugebiete nachträglich abzumildern.
Hier liegt ein entscheidender Unterschied im Ansatz.
Dieser Widerspruch zeigt sich beim Planen neuer Baugebiete auf der einen Seite, während die Stadtverwaltung an anderer Stelle mühsam Parkplätze oder Verkehrsinseln aufreißen und bepflanzen will. Ohne eine Gegenüberstellung aller Flächen bleibt unklar, ob die Stadt am Ende tatsächlich unversiegelten Boden hinzugewinnt oder nur an einer Stelle betoniert und an anderer Stelle Blumen sät.
Das Klimaanpassungskonzept behält dennoch seinen Wert. Die Bestandsaufnahme liefert solide Daten und schlägt viele machbare Schritte vor. Die eigentliche politische Diskussion über die Prioritäten beginnt aber erst jetzt.
Klimaanpassung bedeutet mehr als das Pflanzen von Bäumen oder das Begrünen von Wänden. Sie fordert unbequeme Fragen. Dazu gehört die Überprüfung, ob alte Bebauungspläne in einer sich aufheizenden Stadt noch Sinn ergeben.
Die wichtigste Erkenntnis lautet daher: Technische Lösungen helfen beim Abmildern der Folgen. Sie ersetzen aber keine lebendige Wiese. Der wirksamste Schutz für das Stadtklima liegt manchmal schlicht im Verzicht auf das Bauen.
Bad Honnef beschließt Klimaanpassungskonzept: 34 Maßnahmen für eine widerstandsfähige Stadt









