Bad Honnef – das neue Eldorado für Baulöwen

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LeserInnenbrief
Foto: Pixabay/blende12 | bearbeitet: Hh

Bad Honnef – Massive Betonkisten bedrohen empfindlich die Struktur unserer Stadt und das Lebensgefühl der Menschen. Weitere Betonmonster künden sich an. Es verdichtet sich der Eindruck, dass unser lebenswertes Bad Honnef schutzlos dem Treiben von Wohn- und Immobilienspekulanten ausgeliefert ist. Denn diese kaufen gezielt Grundstücke zu überhöhten Preisen in bester Lage auf, reißen die Einzelhäuser ab, zerstampfen und versiegeln den Boden mit Beton bis zur letztmöglichen Grasnarbe in Breite und Länge und treiben ihn auf Höhen, die auf die Umgebungsbebauung höhnisch herunter grinsen. Bundesweit werden die neuen Luxuswohnungen mit gezieltem Hinweis auf Lage und Nähe zum Siebengebirge zu hohen Preisen vermarktet. Leidtragende sind junge Familien mit Kindern, finanziell schwächere Lebensgemeinschaften und all die Menschen, die in Honnef und nächster Umgebung arbeiten und sich eine Wohnung in der Stadt wünschen, um längere Wege zum Arbeitsplatz zu vermeiden.

Verantwortung für diese Entwicklung tragen die politischen Entscheidungsträger in der Stadtverwaltung. Sie winken alle Projekte mit Referenz auf das Baugesetz unbedenklich durch und behaupten tatsächlich, sie hätten keine Eingriffsmöglichkeiten. Doch eine Kommune verfügt durchaus über wirksame Steuerungsinstrumente im Wohnungsbau. So kann sie von ihrem Vorverkaufsrecht Gebrauch machen, Grundstücke aufkaufen und sie mit strikten Vorgaben an Interessenten weiterverkaufen. Sie kann die Umgebungsbebauung zur verbindlichen Leitlinie für Wohnbebauung erklären. Sie kann einen bestimmten Anteil von sozial gefördertem Wohnungsbau durchsetzen (Bonn: 40%!) und damit die ärgsten Baulöwen abschrecken. Sie kann auf die Einhaltung klimatischer Vorgaben achten. Vor allem kann sie neue Bebauungspläne entwickeln und aufstellen und somit wieder aktive Einwirkungsmöglichkeiten gewinnen. All dies ist ohne weiteres möglich. Wenn man will!

Aber die Verwaltung Bad Honnef will nicht. Im Gegenteil: Sie trickst sogar den von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Stadtrat aus, wie jüngst beim Wohnprojekt St. Josef geschehen. Zusätzlich liegen ihr auch Vorschläge aus dem Stadtrat und seit dem 24. Juni 2019 ein Bürgerantrag vor, alle Bauanträge auf etwaige negative klimatische Auswirkungen zu prüfen und ihnen entgegenzuwirken, um mit Windschneisen, Kaltluftströmungen, Versickerungsflächen und alten Baumbeständen die Lebensqualität und Gesundheit in unserer Stadt zu erhalten. Doch diese klimapolitischen Anregungen und Pläne verstauben in der Schublade.

Wer kann sich dem Eindruck entziehen, dass die politischen Entscheidungsträger in der Stadtverwaltung ihren Auftrag verwirken, den Wohnungsbau als Gemeinschaftsprojekt und Eigentum als soziale Verpflichtung voranzubringen? Wer setzt der Beton-Verwüstung Grenzen? Ein Ende? Wer kann noch wie lange ertragen, dass unsere Stadt ihren Markenkern, ihre Seele verliert???

Heinz Jacobs, Bad Honnef

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