Nordrhein-Westfalen will die Sanierung maroder Brücken deutlich beschleunigen. Bei der Infrastrukturkonferenz.NRW vereinbarten Bund, Land, Deutsche Bahn, Autobahn GmbH, Wasserstraßenverwaltung und Kommunen, Verfahren zu vereinfachen, neue Bauweisen stärker einzusetzen und die Planung enger abzustimmen.
Mehr als 30.000 Brücken gibt es nach Angaben des Landes in Nordrhein-Westfalen. Rund 15.000 davon liegen in kommunaler Verantwortung. Gerade dort ist der Sanierungsbedarf groß. Das Land kündigte deshalb zusätzliche Unterstützung bei Planung und Umsetzung sowie erhebliche Investitionen aus dem Sondervermögen an.
Mehr Eisenbahnbrücken ab 2027
Die Deutsche Bahn will ab 2027 ihr Brückenprogramm in NRW ausweiten. Nach Angaben der DB InfraGO soll die Zahl der Brückenerneuerungen von derzeit 14 auf 23 Maßnahmen pro Jahr steigen. Gleichzeitig sollen die Mittel für die Instandhaltung von Brücken weiter erhöht werden.
Im Aufbau befindet sich außerdem ein Brückenkompetenzzentrum NRW. Bis Ende 2028 sollen dafür rund 90 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt werden, vor allem Ingenieurinnen und Ingenieure für die Planung und Erneuerung von Eisenbahnbrücken.
Auch für Brücken über Wasserstraßen ist ein Modernisierungsprogramm vorgesehen.
Vereinfachte Verfahren und schnellere Bauweisen
Beschleunigt werden soll der Brückenbau unter anderem durch vereinfachte Genehmigungsverfahren. Seit einer Änderung des Straßen- und Wegegesetzes im Juni 2026 ist bei Brückenneubauten bis 1.000 Meter Länge unter bestimmten Voraussetzungen kein eigenes Planfeststellungsverfahren mehr erforderlich, wenn der Neubau keine Kapazitätserweiterung bedeutet.
Hinzu kommen sogenannte funktionale Ausschreibungen. Dabei werden nicht sämtliche technischen Details vom Auftraggeber vorgegeben. Unternehmen erhalten stattdessen Anforderungen an die künftige Brücke und können wesentliche Teile der Planung und Umsetzung selbst entwickeln. Nach Angaben des Landes wurde dieses Verfahren seit 2024 bereits bei 50 Ersatzneubauten eingesetzt.
Auch vorgefertigte Bauteile und standardisierte Konstruktionen sollen die Bauzeiten verkürzen. Bei geeigneten Ausschreibungen von Straßen.NRW kann die Bauzeit zudem mit bis zu 70 Prozent gewichtet werden.
Erfahrungen aus Flut-Wiederaufbau
Einige der Verfahren wurden nach der Flutkatastrophe 2021 entwickelt oder verstärkt eingesetzt. Damals mussten zahlreiche beschädigte Brücken möglichst schnell ersetzt werden. Eine Brücke in Hückelhoven wurde nach Angaben des Landes erstmals mit einem modularen Fertigteilverfahren gebaut.
Als Beispiele für beschleunigte Bauweisen nennt das Land die Rahmedetalbrücke und ein Pilotprojekt an der A516 in Oberhausen. Bei der Rahmedetalbrücke konnte die erste Hälfte im Dezember 2025 rund sechs Monate früher als ursprünglich geplant für den Verkehr freigegeben werden. In Oberhausen wurde die Bauzeit für eine Brückenhälfte durch den Einsatz innovativer Fertigteile von zwei Jahren auf weniger als sieben Monate reduziert.
Auch beim Neubau der Bonner Nordbrücke sollen diese Erfahrungen genutzt werden.
1,5 Milliarden Euro zusätzlich vom Land
Die seit November 2023 laufende Sanierungsoffensive des Landes sieht innerhalb von zehn Jahren den Ersatz von 400 Brücken vor. Nach Angaben des Landes sind inzwischen 48 Brücken fertiggestellt, bei weiteren 50 wurde mit dem Bau begonnen. 25 weitere befinden sich in der Planung.
Allein 2026 wurden dem Sanierungsprogramm 42 weitere Ersatzneubauten mit einem Gesamtvolumen von 216,5 Millionen Euro hinzugefügt.
Aus dem „NRW-Plan für gute Infrastruktur“ sollen zusätzlich 1,5 Milliarden Euro über zwölf Jahre in Bundes- und Landesbrücken fließen. Weitere zwei Milliarden Euro aus dem Sondervermögen sind für die kommunale Infrastruktur vorgesehen. Zu den genannten Projekten gehören auch die Brücke der Solidarität in Duisburg sowie die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf und die Severinsbrücke in Köln.
Wie das Land mitteilt, sollen die verschiedenen Baulastträger ihre Programme künftig enger miteinander abstimmen. Baustellen und Verkehrsmanagement sollen frühzeitig zwischen Bund, Land, Kommunen und den unterschiedlichen Verkehrsträgern koordiniert werden.










