Bad Honnef/NRW. Nordrhein-Westfalen bleibt das Bundesland mit den höchsten Einnahmen aus Geschwindigkeits- und Rotlichtkontrollen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) stammen 19 der bundesweit 35 sogenannten „Blitzermillionäre“ aus Nordrhein-Westfalen. Insgesamt nahmen die nordrhein-westfälischen Kommunen, die an der diesjährigen Erhebung teilnahmen, rund 78 Millionen Euro aus Bußgeldern wegen Tempo- und Rotlichtverstößen ein.
Deutschlandweit beteiligten sich 63 von 126 angefragten Städten an der Umfrage. Zusammen erzielten sie im Jahr 2025 Einnahmen von rund 271 Millionen Euro aus Geschwindigkeits- und Rotlichtverstößen. Damit entfallen nach Angaben des DAV rund 29 Prozent der gesamten Blitzer-Einnahmen auf die teilnehmenden Städte in Nordrhein-Westfalen.
Angeführt wird das NRW-Ranking von Düsseldorf mit 17,6 Millionen Euro. Bundesweit bedeutet das Rang drei hinter Hamburg (41,8 Millionen Euro) und Berlin (37,9 Millionen Euro). Es folgen Bielefeld mit 11,2 Millionen Euro sowie Oberhausen mit 10 Millionen Euro. Ebenfalls hohe Einnahmen verzeichneten Essen (8,4 Millionen Euro), Wuppertal und Duisburg (jeweils 6,6 Millionen Euro), Hagen (5 Millionen Euro) sowie der Kreis Mettmann mit insgesamt ebenfalls 5 Millionen Euro.
Unter einer Million Euro lagen laut der Auswertung unter anderem Witten, Rheine, Dinslaken, Moers, Neuss, Grevenbroich und Bocholt. Die Stadt Wesel veröffentlichte ihre Daten nach Angaben des DAV nicht.
Mobile Kontrollen bringen deutlich mehr Einnahmen
Aus der Erhebung geht hervor, dass bei den 63 teilnehmenden Städten insgesamt 482 stationäre und 267 mobile Geschwindigkeitsmessanlagen im Einsatz waren. Moderne stationäre Anlagen können inzwischen häufig mehrere Fahrtrichtungen gleichzeitig überwachen und zusätzlich Rotlichtverstöße erfassen.
Besonders lukrativ erwiesen sich laut den Zahlen mobile Kontrollen. So nahm Hamburg mit stationären Blitzern 7,2 Millionen Euro ein, während mobile Geschwindigkeitsmessungen 34,6 Millionen Euro einbrachten. Als Grund für die vergleichsweise geringen stationären Einnahmen nennt die Auswertung unter anderem zahlreiche Baustellen und die dadurch verlangsamten Verkehrsflüsse.
Schwerpunkte an Schulen und Unfallstellen
Nach Angaben der befragten Kommunen werden stationäre Anlagen vor allem an bekannten Unfallschwerpunkten und gefährlichen Kreuzungen eingesetzt. Mobile Messfahrzeuge kommen insbesondere in Bereichen mit besonderem Schutzbedarf zum Einsatz, etwa an Schulen, Kindergärten, Altenheimen oder in Tempo-30-Zonen. Teilweise dienen die Kontrollen den Städten zufolge auch dem Lärm- und Emissionsschutz.
In Düsseldorf registrierten die Behörden 2025 insgesamt 330.892 Geschwindigkeitsverstöße, davon allein 53.932 im Kö-Bogen-Tunnel. In Berlin wurden bei mobilen Kontrollen mehr als 825.000 Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt, an stationären Anlagen kamen weitere rund 351.000 Tempoverstöße sowie über 21.500 Rotlichtverstöße hinzu.
DAV weist auf Einspruchsmöglichkeiten hin
Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins betont zugleich, dass Bußgeldbescheide nicht in jedem Fall fehlerfrei seien. Nach Einschätzung der Organisation könnten Messungen unter anderem wegen technischer Mängel oder unzureichender Fahreridentifizierung angreifbar sein. Da in Deutschland grundsätzlich die Fahrerin oder der Fahrer und nicht die Halterin oder der Halter haftet, könne eine fehlende Identifizierbarkeit auf dem Blitzerfoto Auswirkungen auf das Verfahren haben. Der DAV empfiehlt Betroffenen daher, Bußgeldbescheide gegebenenfalls rechtlich überprüfen zu lassen.










