Bad Honnef. Nordrhein-Westfalen will dem Fachkräftemangel im Bahnverkehr mit einer neuen Ausbildungsstruktur begegnen. Ab sofort wird die branchenweite Qualifizierung im Nahverkehr auf der Schiene zentral durch die VDV Academy & Training GmbH koordiniert. Das Land unterstützt den Aufbau der Organisation bis 2028 mit rund drei Millionen Euro.
Verkehrsminister Oliver Krischer stellte das Projekt jetzt beim Bildungsträger LokSpace in Gummersbach vor. Dort besuchte er den ersten Ausbildungslehrgang und informierte sich über die praxisnahe Ausbildung von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern. „Wir müssen langfristig genug Fachkräfte für die Schiene gewinnen. Mit dieser bundesweit einmaligen Organisation für Ausbildung schaffen wir die Grundlage dafür“, sagte Krischer.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums sollen in diesem Jahr bis zu zwölf Qualifizierungskurse mit rund 150 Teilnehmenden starten. Die neue Akademie bündelt die Ausbildung verschiedener Bahnunternehmen und Bildungsträger. Ziel ist es, einheitliche Standards zu schaffen und die Ausbildung schneller und effizienter zu organisieren.
Die Lage im Regionalverkehr habe sich zuletzt leicht entspannt. So hätten im vergangenen Jahr rund 700 zusätzliche Lokführerinnen und Lokführer ihre Ausbildung begonnen. Dadurch sei die Zahl personalbedingter Zugausfälle auf unter ein Prozent gesunken. Dennoch bleibt die Branche unter Druck: In den kommenden Jahren gehen viele erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand.
Besonders im Fokus steht deshalb die Gewinnung neuer Zielgruppen. Vor allem Frauen sollen stärker für den Beruf begeistert werden. Der Anteil von Lokführerinnen liegt derzeit laut Ministerium bei nur sieben Prozent. Mit dem Projekt „Frauen in den Führerstand“ arbeiten mehrere Eisenbahnverkehrsunternehmen und Bildungsträger bereits an besseren Rahmenbedingungen für Frauen im Bahnbetrieb.
Die VDV Academy & Training will künftig nicht nur Lokführerinnen und Lokführer ausbilden, sondern auch Fachkräfte für Werkstätten, Leitstellen und weiteres Fahrpersonal qualifizieren. Joachim Künzel, Geschäftsführer der Akademie, betont: „Wir bündeln die Kräfte der Branche, setzen einheitliche Standards und schaffen Kapazitäten.“
Auch die Verkehrsunternehmen sehen in der gemeinsamen Ausbildung einen wichtigen Schritt. Anne Mathieu, Geschäftsführerin der Eurobahn und Programmleiterin von Fokus Bahn NRW, spricht von einer „Daueraufgabe“, um den Bahnverkehr langfristig stabil und zukunftsfähig zu machen. Christiane Auffermann vom Nahverkehr Westfalen-Lippe ergänzt: „Wer morgen pünktliche und verlässliche Züge will, muss heute konsequent ausbilden.“











