Bad Honnef. Bad Honnef ist eine Stadt mit Charme, Geschichte und einer lebendigen Gemeinschaft. Doch wer durch die Innenstadt spaziert, dem fallen nicht nur die schönen Ecken auf, sondern auch die vielen kleinen und größeren ästhetischen Missstände. Sie sind kein Einzelschicksal, sondern ein Zeichen dafür, dass Schönheit und Harmonie im öffentlichen Raum oft zu kurz kommen. Dabei ist Ästhetik kein Luxus – sie ist existenziell. Wie die Philosophin und Autorin Henriette Hochstein-Frädrich sagt: „Menschen brauchen Harmonie, Ästhetik und Ruhe.“ Doch wie lässt sich das in Bad Honnef umsetzen?
Ästhetik als Gemeinschaftsaufgabe
Die Beispiele sind vielfältig: Das mobile Stadtmobiliar, das schnell dreckig wirkt und oft unpraktisch ist. Der Dreiecksplatz, an dem Bäume nach der Kanalsanierung nicht wieder gepflanzt wurden – angeblich aus technischen Gründen. Das Herz am Kirchplatz, das als Fotopoint dient, ästhetisch aber nicht jeden überzeugt. Oder die Baumscheibensicherungen in der Hauptstraße, die ihren ursprünglichen Zweck verloren haben, seit dort nicht mehr geparkt wird. Stattdessen sammelt sich Dreck, und die Pflege wird erschwert.
Dabei zeigt ein Blick in die Linzer Straße, wie es auch gehen kann: Dort blühen bunte Blumen am Straßenrand und bereichern das Stadtbild. Warum ist so etwas in der City nicht möglich? Stattdessen dominieren Pflanzenkübel, die eher funktional als ansprechend wirken, und Abfallbehälter, die selbst zum Problem werden, weil sie so unästhetisch sind, dass man fast zögert, sie zu nutzen.

Mitsprache und Kreativität gefragt
Die Verantwortlichen haben in der Vergangenheit nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen – das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Denn Schönheit ist auch eine Frage der Perspektive. Doch gerade deshalb braucht es mehr als nur zweckmäßige und monetäre Überlegungen. Es braucht einen Dialog, eine gemeinsame Vision.
Bürgerbeteiligung könnte hier der Schlüssel sein. Warum nicht, ähnlich wie bei Klimazielen, die Bevölkerung in die Gestaltung des öffentlichen Raums einbinden? Die Honnefer Kunstszene ist vielfältig und voller Ideen. Warum werden ihre Mitglieder nicht systematisch in Entscheidungen einbezogen? Warum gibt es keine regelmäßigen Informationsveranstaltungen zum Thema Ästhetik in Bad Honnef?
Leerstand als Chance
Ein besonders augenfälliges Beispiel ist der Umgang mit Leerständen. Ein leerstehendes Geschäft in der Fußgängerzone zeigte monatelang massenhaft tote Insekten im Schaufenster – wie konnte so etwas möglich sein? Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten: Leerstände könnten temporär als Ausstellungsflächen für lokale Künstler genutzt werden, wie es Helmut Reinelt und Frankca Perschen vorleben. Die Hauswand am Citybüro, die derzeit von Graffitis verziert wird, die nicht jeden begeistern, könnte eine Leinwand für kreative Gestaltungsansätze sein. Oder die großen Flächen an der Gesamtschule St. Josef – hier ließen sich Hitzeinseln und ästhetische Aufwertung verbinden.

Ein Amt für Schönheit: Kein Luxus, sondern Notwendigkeit
Ein (Ehren)Amt für Schönheit könnte diese Prozesse bündeln, Ansprechpartner sein für Bürgerideen, Künstler und Handwerker. Es könnte Standards setzen, ohne Kreativität zu ersticken. Denn Schönheit entsteht nicht durch Verbote, sondern durch bewusste Gestaltung.
Bad Honnef hat das Potenzial, eine Stadt zu sein, in der sich Menschen wohlfühlen – nicht nur wegen der Lage, seiner Veedel und der Insel Grafenwerth, sondern weil sie schön ist. Dafür braucht es Mut zur Veränderung, Offenheit für neue Ideen und den Willen, Ästhetik als das zu begreifen, was sie ist: ein Grundbedürfnis.
Nachdenken und Diskutieren
Wie stellen Sie sich eine schönere Stadt vor? Welche Projekte oder Ideen hätten Sie gerne in Bad Honnef umgesetzt gesehen? Und: Wären Sie bereit, sich selbst in die Gestaltung einzubringen?













Ernsthaft? „ ähnlich wie bei Klimazielen, die Bevölkerung in die Gestaltung des öffentlichen Raums einbinden?“ oder „Leerstand als Chance“?
Mit solchen Phrasen wird das zu erwartende Ergebnis erzielt – viel Aufwand, null Wertsteigerung. Beantwortet lieber die Frage wie die Stadt für Gewerbetreibende jenseits der €1 Shops attraktiv werden können als den Leerstand zu verwalten. Dann klappt es mit dem Stadtbild auch ohne beamtlich verordnete Verschönerung