Rhein-Sieg-Kreis. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Köln warnt vor den möglichen Auswirkungen einer geplanten Reform des Arbeitszeitgesetzes auf Familien im Rhein-Sieg-Kreis. Besonders Eltern kleiner Kinder und pflegende Angehörige seien auf verlässliche Arbeitszeiten angewiesen, teilte die Gewerkschaft mit.
Nach Angaben der NGG stehen im Rhein-Sieg-Kreis derzeit rund 5.250 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung. Das entspreche einer Betreuungsquote von gut 34 Prozent. Die Gewerkschaft verweist dabei auf amtliche Statistiken. Gleichzeitig liege der von Eltern geäußerte Bedarf in Nordrhein-Westfalen laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) bei 51 Prozent.
Vor diesem Hintergrund kritisiert die NGG die Überlegungen der Bundesregierung, den bisherigen Acht-Stunden-Tag im Arbeitszeitgesetz aufzuweichen und stattdessen stärker auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu setzen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft könnten dadurch Arbeitstage von zehn oder zwölf Stunden häufiger werden.
NGG-Geschäftsführer Marc Kissinger befürchtet, dass sich dadurch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter verschlechtern könnte. Bereits heute seien die Öffnungszeiten vieler Kitas und die Arbeitszeiten vieler Eltern eng aufeinander abgestimmt. Längere und weniger planbare Arbeitstage könnten es erschweren, Kinder rechtzeitig aus der Betreuung abzuholen.
Auch Menschen, die Angehörige pflegen, wären nach Einschätzung der Gewerkschaft von längeren Arbeitstagen betroffen. Pflege lasse sich häufig nur mit festen zeitlichen Abläufen organisieren.
Zur Untermauerung ihrer Kritik verweist die NGG außerdem auf Ergebnisse einer Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Demnach kümmern sich bundesweit 51 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer regelmäßig um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Gut ein Fünftel aller Beschäftigten habe häufig Schwierigkeiten, Beruf und Familie zeitlich miteinander zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen liege dieser Anteil nach Gewerkschaftsangaben bei 42 Prozent.
Sollte die Bundesregierung die geplanten Änderungen umsetzen und eine Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden sowie in Ausnahmefällen darüber hinaus ermöglichen, könne dies die Belastung vieler Familien erhöhen, so die NGG.
Als Alternative fordert die Gewerkschaft bessere Arbeitsbedingungen sowie einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. Dadurch ließe sich nach ihrer Auffassung auch dem Fachkräftemangel in Branchen wie dem Gastgewerbe, dem Lebensmittelhandwerk und der Ernährungsindustrie wirksamer begegnen als durch längere Arbeitstage.
Darüber hinaus verweist die NGG auf gesundheitliche Risiken langer Arbeitszeiten. Nach Angaben der Gewerkschaft steige das Unfallrisiko nach mehr als acht Arbeitsstunden deutlich an. Außerdem könnten Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout durch dauerhaft lange Arbeitstage begünstigt werden.










