“Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander”, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW). Die Folgen von Corona dürften diese Entwicklung noch beschleunigen.

In Bad Honnef sollen Besser- und Geringverdiener auseinanderwohnen. Jedenfalls soll es für die Letztgenannten, die auf öffentlich geförderten Wohnraum angewiesen sind, in den geplanten Wohnanlagen zwischen Kirchstraße/Saynscher Hof und Hauptstraße keinen Platz geben, geht es nach der CDU. Der Bürgerblock will sie gar nicht in der City wohnen haben, während sich die FDP da liberaler zeigt – nicht aber beim zurzeit heftig diskutierten Innenstadtprojekt. Alternativ werden den wirtschaftlich Schwächeren Gebiete im Honnefer Süden, im nördlichen Stadtgarten und in Aegidienberg angeboten.

Wir halten fest, dass Geringverdiener gerne ihr Geld in der City lassen dürfen, als Mietfläche ist dieser edle Grund für sie tabu. Da hatten es Kodi, TEDi und NKD leichter.

Eine Gruppe der (Grundstücks)Verhandlungspartner wird eventuell ihren Teil dazu beigetragen haben, dass es mit der Entwicklung des Areals so lange dauert – und vielleicht sehr teuer wird. So teuer, dass sich die neuen Investoren kalkulatorisch sogar keinen öffentlich geförderten Wohnraum vorstellen können. Allerdings: Wer weiß hier schon Genaues?

Sicherlich sind die Flächen in ihrem derzeitigen Zustand Schandflecken für eine Innenstadt wie Bad Honnef. Und es ist lobenswert, hier kompetent (und sozialverträglich) nach Lösungen zu suchen. Soll aber ein Grundstücksdeal in der neuen Zeit den Stoff für ein Klassenkampfthema liefern?

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Und das in Bad Honnef. Eine Stadt mit herausragendem Ehrenamtsengagement, mit bekannten sozial eingestellten Arbeitgebern. Eine Stadt, in der jedem vermittelt wird, egal ob man Sekt oder Selters trinkt, wir feiern zusammen. Frei nach dem Motto: Drink doch eine met! 

Bei dieser hochsensiblen Bauplanung ist der Zug abgefahren. Es sei denn, die Investoren gehen noch einmal in Klausur. Das sollten vielleicht CDU, Bürgerblock und FDP hinsichtlich ihrer sozialen Botschaften auch tun. Im Sinne einer lebendigen Innenstadt, einer in der Badestadt vielbeschworenen Wir-halten-zusammen-Kultur und weniger sozialer Spaltung.

Degenhardt ist tot. Es lebe Degenhardt.

 

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