Bad Honnef – Das Parkraumbewirtschaftungskonzept der Stadt Bad Honnef wurde als Teil des Integrierten Handlungskonzepts (InHK) eingeführt. Es sollte den begrenzten Parkraum effizienter nutzen, den Verkehr lenken, die Umwelt entlasten und gleichzeitig die Interessen von Anwohnern, Besuchern und Einzelhandel in Einklang bringen. Knapp neun Jahre nach Verabschiedung des Konzepts stellt sich jedoch zunehmend die Frage, ob diese Ziele erreicht wurden – und auf welcher Grundlage die Stadt dies beurteilt.
Hohe Zielsetzungen
Offiziell verfolgt die Parkraumbewirtschaftung mehrere Zwecke: Anwohner sollen vor Dauerparkern geschützt, der Parksuchverkehr reduziert und damit Emissionen gesenkt werden. Durch höhere Gebühren und zeitliche Beschränkungen soll zudem ein Anreiz geschaffen werden, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. Gleichzeitig soll eine höhere Fluktuation der Parkplätze dem Einzelhandel zugutekommen.
Diese Zielsetzungen entsprechen gängigen verkehrspolitischen Leitlinien. Ob sie in Bad Honnef tatsächlich erreicht wurden, bleibt jedoch unklar.
Zone A als Brennpunkt
Besonders umstritten ist die Regelung in der sogenannten Zone A im Innenstadtbereich. Dort dürfen selbst Bewohner mit Parkausweis tagsüber nicht unbegrenzt kostenfrei parken, sondern lediglich bis zu 30 Minuten. Danach muss das Fahrzeug in eine andere Zone umgestellt werden.
Kritiker sehen darin eine erhebliche Einschränkung des eigentlichen Zwecks des Bewohnerparkens. Gerade für ältere Menschen oder Familien mit Kindern bedeute dies zusätzlichen Aufwand. Da es in der Innenstadt – abgesehen von einem Discounter in der Bahnhofstraße – kaum Nahversorger gibt, sind viele Bewohner auf das Auto angewiesen, um Einkäufe in umliegenden Stadtteilen oder Nachbarkommunen zu erledigen. Nach dem Entladen müssen Fahrzeuge umgeparkt werden. Wird kein freier Platz gefunden, entstehen zusätzliche Fahrten durch die Wohngebiete.
Damit steht ein zentrales Ziel des Konzepts – die Reduzierung des Parksuchverkehrs – zumindest in Teilen in Frage. Denn ausgerechnet durch die Regelung in Zone A könnte zusätzlicher Verkehr erzeugt werden. Gleichzeitig berichten Anwohner, dass in dieser Zone tagsüber immer wieder freie Parkplätze vorhanden seien, während in angrenzenden Bereichen der Parkdruck spürbar gestiegen sei.
Hinzu kommt die Vermutung, dass Beschäftigte umliegender Einrichtungen Parkflächen dauerhaft nutzen könnten – eine Entwicklung, die dem ursprünglichen Ziel der Fluktuation widersprechen würde. Belastbare Zahlen hierzu liegen jedoch nicht vor.
Fehlende Datenbasis
Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die mangelnde Evaluation. Auf Anfrage von Honnef heute teilte die Stadtverwaltung mit, dass keine separate statistische Bewertung der Effizienz des Konzepts vorliege. Die Ausgestaltung beruhe auf fachlichen Einschätzungen und politischen Beschlüssen.
Damit fehlen nach aktuellem Stand konkrete Daten zur Wirtschaftlichkeit, zur Entwicklung des Parksuchverkehrs, zu Umweltwirkungen oder zur Akzeptanz in der Bevölkerung. Auch ist unklar, wie Einnahmen und Ausgaben gegenüberstehen. Die Parkraumbewirtschaftung verursacht Kosten für Anschaffung, Wartung und Reparatur von Parkautomaten sowie für Kontrollen durch das Ordnungsamt. Ob die Einnahmen diese Ausgaben decken oder übersteigen? Immerhin erhielt Honnef heute bei einer Anfrage 2024 den Tipp, im Haushaltsplan nachzuschauen.
Ebenso wenig liegen öffentlich zugängliche Zahlen dazu vor, ob sich das Konzept positiv oder negativ auf den Einzelhandel ausgewirkt hat. Für eine Stadt, die ihre Innenstadt stärken möchte, wäre eine solche Bewertung von erheblicher Bedeutung.
Deutliche Gebührenerhöhung
Für zusätzliche Diskussionen sorgte die jüngste Erhöhung der Gebühren für Bewohnerparkausweise. Statt zuvor teilweise 30 Euro pro Jahr wird nun in einzelnen Fällen das Zehnfache fällig. Für viele Betroffene eine spürbare Mehrbelastung.
Bemängelt wird, dass die höheren Gebühren nicht mit einer erkennbaren Verbesserung der Parksituation einhergingen. Wenn Bewohner trotz Ausweis nur eingeschränkt parken dürfen, stelle sich die Frage nach dem Gegenwert der Zahlung.
Offene Fragen zur Weiterentwicklung
Unklar bleibt zudem, wie das Konzept weiterentwickelt werden soll. Von großer Bedeutung für die Parksituation in der Innenstadt und den Einzelhandel ist der Parkplatz an der Luisenstraße, der als zentraler Standort gilt. Ein neues Nutzungskonzept, obwohl lange gefordert, ist bislang nicht öffentlich vorgestellt worden. Ein großes Problem stellt die Zulieferung von Waren in der Hauptstraße zwischen Kreissparkasse und Bahnhofstraße dar, da es keine Haltebuchten mehr gibt. Staus und Ärger gehören dort zum Alltagsbild.
Insgesamt zeigt sich beim Parkraumbewirtschaftungskonzept ein Spannungsfeld zwischen verkehrspolitischem Anspruch und fehlender transparenter Erfolgskontrolle. Während die Stadt die Parkraumbewirtschaftung als Instrument moderner Stadtentwicklung versteht, fehlt bislang offensichtlich eine nachvollziehbare Datengrundlage, um ihre Wirksamkeit objektiv zu bewerten.
Ob das Konzept nachjustiert wird oder in seiner derzeitigen Form bestehen bleibt, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob künftig eine systematische Evaluation erfolgt. Ohne belastbare Zahlen bleibt die Debatte vor allem von subjektiven Eindrücken und politischen Positionen geprägt.











Kommentare