Laura Solzbacher und Kids

Ein wichtiges ZOOM-Meeting der Lokalpolitik zur Schließung der Geburtsstation, ich wollte natürlich als Stadtratsmitglied der CDU teilnehmen. Aber wo hänge ich ironischerweise? Mit Wehen in einem 25 km entfernten Krankenhaus. Falscher Alarm. Der erste falsche Alarm meines Lebens. Meine vier Kinder sind, ebenso wie ich selber, in Bad Honnef zur Welt gekommen. Das Krankenhaus ist schnell und unkompliziert zu erreichen, man kann zu Hause warten, bis man sich ganz sicher ist, dass es sich wirklich um Geburtswehen handelt. Nun hänge ich also hier und schüttele innerlich den Kopf über diesen Wahnsinn in der Geburtshilfe und über diese herrliche Ironie im Timing.

Klar, wirtschaftliche Interessen und medizinische Versorgung sind in jedem Fachbereich eine ungute Kombination. Man liest von Wegrationalisierungen, Zusammenlegungen und Einsparungen. Wenn einen das Thema dann aber dermaßen persönlich betrifft, schüttelt man den Kopf direkt ne Nummer heftiger.

Die Geburtsstation in Bad Honnef schreibt seit Jahren rote Zahlen. Soweit, so nachvollziehbar. Die Pressemitteilung der GFO liest sich verständlich und vieles erscheint rein auf dem Papier logisch. Es gibt überall zu wenig Personal, also legt man zusammen. Vieles an der Schließung erscheint aber dennoch nicht logisch; Wieso bemüht man sich nicht schon lange um Personal? Wieso betrachtet man den Standort nicht im Rahmen der gesamten Geburtshilfe im Kreis als systemrelevant? Hier finden ja immerhin eine ganze Menge Geburten statt, mit exzellentem Ruf und tüchtigem Personal. Ganz besonders nachvollziehbar scheint die Frage: Wieso jetzt so plötzlich und so wenig günstig kommuniziert?

Klar, ich finde es auch schade, dass meine Nummer Fünf nicht „Bad Honnef“ als Geburtsort im Perso stehen hat, aber darum geht es ja nicht. Es geht darum, dass in der Geburtshilfe in Deutschland wie verrückt wegrationalisiert wird, Personal gespart wird, Kosten reduziert werden. Ausgerechnet bei einem Thema, das dermaßen wichtig ist. Bei einem Thema, das für so viele Menschen die Welt bedeutet. Es ist nicht irrelevant, unter welchen Umständen man sein Kind bekommt. Der Hebammenmangel ist seit Jahren in aller Munde – unternehmen tut die Politik wenig. Immer mehr Kliniken schließen, es gibt Petitionen und jeweils lokal einen Aufschrei – so richtig unternehmen tut die Politik wenig. Familie scheint, wie so häufig, Privatvergnügen.

Natürlich ist es wichtig, dass wir den Mund aufmachen, natürlich habe ich die Petition sofort unterschrieben, aber eigentlich ist das Thema überhaupt kein bisschen lokal. Große Konzerne treffen Entscheidungen auf Grund von Finanzen und Zahlen und das ausgerechnet im medizinischen Bereich. Wir können in Bad Honnef froh sein, mit einem Krankenhaus so nah und gut versorgt zu sein.

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Dennoch bleibt die Frage; Wird noch mehr wegrationalisiert? Einer der größten Arbeitgeber unserer Stadt ist natürlich für die Bad Honnefer wichtig, aber fast noch wichtiger für all die Leute in den umliegenden „Dörfern“, für die „auf dem Berg“. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jetzt von da oben in eine der nähsten Geburtsstationen, würde ich vielleicht eine Hausgeburt in Betracht ziehen.

Könnte ich aber vergessen, denn Hebammen gibt es ja auch keine. Ich stelle mich also darauf ein, mein Baby im RTW irgendwo Richtung Venusberg zu entbinden. Beim 5. Kind verursacht der Gedanke sicher etwas weniger Panik, als bei einer Erstgebärenden. Stress für alle Beteiligten ist es dennoch.

Das ZOOM-Meeting lief wohl super; die Lokalpolitik zieht an einem Strang. Bei diesem Thema herrscht ausnahmsweise viel Einigkeit. Das ist super und wir werden gemeinsam laut. Ob es für Bad Honnef etwas ändert? Leider unwahrscheinlich. Aber vielleicht sensibilisiert es für ein bundesweit absolut relevantes Thema. Vielleicht bewegt sich dann ja irgendwann doch mal etwas. Es wurden viele gute Ideen gesammelt, was zukünftig unternommen werden kann und Unterstützer gibt es aus allen Parteien und der Verwaltung. Die Petition hat das Unterschriftenziel locker erreicht und wird Freitag der GFO übergeben. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Hier sollten wir in der Umgebung in jedem Fall die armen Sanitäter schulen, die demnächst mit Sicherheit das ein oder andere Baby im RTW entbinden werden.

Was mir aber am allerwichtigsten erscheint: Das großartige Personal darf nicht ohne ein Riesendankeschön wegrationalisiert werden! Ich war jahrelang großer Fan von Prof. Nohl und auch das aktuelle Team erntet überall viel Lob – wir Honnefer wissen die Arbeit zu schätzen, die ihr hier vor Ort leistet, Zahlen hin oder her. Die Hebammen, PflegerInnen und ÄrztInnen sollten mehr als deutlich spüren, dass sie hier nicht einfach sang- und klanglos verschwinden. DANKE im Namen aller zufriedenen Eltern, deren Kinder „Bad Honnef“ als Geburtsort im Personalausweis stehen haben.

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