Bad Honnef-Rhöndorf. Schon in den 1950er-Jahren dachte einer in Bad Honnef weiter als viele andere: Peter Profittlich, Großvater des heutigen Café-Inhabers am Ziepchensplatz, hatte eine visionäre Idee. Eine Seilbahn sollte den Drachenfels mit Rhöndorf verbinden – als touristische Attraktion und zugleich als innovatives Mobilitätsangebot.
Doch aus dem ambitionierten Projekt wurde damals nichts. Ein Mann mit großem Einfluss stellte sich dagegen: Konrad Adenauer. Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der in Rhöndorf lebte, verhinderte die Umsetzung – aus Gründen, die bis heute Stoff für Diskussionen bieten.
Heute, Jahrzehnte später, haben sich die Vorzeichen grundlegend verändert. Klimafreundliche Mobilität ist gefragter denn je, gleichzeitig sucht die Region nach neuen wirtschaftlichen Impulsen. Gerade das Siebengebirge gilt als touristisches Juwel mit großem Entwicklungspotenzial.
Im Jubiläumsjahr – 150 Jahre Konrad Adenauer und 80 Jahre CDU Bad Honnef – kommt die historische Idee nun erneut auf den Tisch. Die Ziele sind klar formuliert: bessere Mobilität, mehr wirtschaftliche Dynamik, eine Stärkung des Tourismus sowie zusätzliche Impulse für Kulturangebote in der Region.
Auch über die Stadtgrenzen hinaus wird gedacht. Die Bundesstadt Bonn plant ebenfalls eine Seilbahn. Hier könnten sich Synergien ergeben, von denen die gesamte Region profitieren würde – etwa durch abgestimmte Verkehrs- und Tourismuskonzepte.
Die Kontakte zwischen dem Bürger- und Ortsverein Rhöndorf und weiteren Akteuren wie dem Landschaftsverband Rheinland und Chance 7 bestehen bereits seit einiger Zeit – bislang allerdings mit großer Diskretion. Der Landtagsabgeordnete Jonathan Grunwald betont, dass Seilbahnen im Zuge des Mobilitätswandels zunehmend in NRW an Bedeutung gewinnen. Er sieht sogar die Möglichkeit, ein regionales Netzwerk mit der Bundesstadt Bonn aufzubauen.
Auch die Familie des ursprünglichen Ideengebers ist wieder aktiv eingebunden: Peter Profittlich, Enkel des Visionärs, berichtet von zahlreichen Rhöndorfer Investoren, die die Gründung einer Aktiengesellschaft ins Auge fassen. Unterstützung kommt zudem aus dem kulturellen Bereich. Thomas Heyer, zweiter Vorsitzender des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf und Initiator der Reihe „Musik im Pavillon“, sieht in einer Seilbahn zum Ziepchensplatz die Chance auf mehr Publikum und eine weitere Aufwertung der Veranstaltungen.
Bemerkenswert ist auch die Haltung des Umweltverbandes BUND sowie des VVS. Diese Organisationen signalisieren, die Bedingungen eines möglichen Baus im sensiblen Naturraum wohlwollend prüfen zu wollen – ein entscheidender Faktor angesichts der Lage im Naturschutzgebiet.
Während Heyer bereits eine Umsetzung im Jahr 2027 für möglich hält, sieht Grunwald einen realistischeren Zeithorizont im Jahr 2028. Er verweist dabei auf moderne Planungs- und Bauverfahren, die eine vergleichsweise schnelle Realisierung erlauben. Als Beispiel nennt er die Stadt Medellín, wo innerhalb eines Jahrzehnts gleich mehrere urbane Seilbahnsysteme entstanden sind. Grunwald hat sich über die Entwicklung der Projekte seinerzeit vor Ort informiert.
Ob die Seilbahn zwischen Drachenfels und Rhöndorf tatsächlich Wirklichkeit wird, ist noch offen. Doch eines ist klar: Eine Idee aus der Vergangenheit hat das Potenzial, die Zukunft der Region entscheidend mitzugestalten.













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